Ingenieure helfen der Welt 23.11.2013, 09:59 Uhr

Mit unterirdischen Staudämmen gegen den Wassermangel in Eritrea

Nächstes Jahr werden sie gebaut: Kleine Staudämme in ausgetrockneten Flussbetten sollen künftig die Wasserversorgung in den Dörfern des Hochlandes in Eritrea sichern. Die Erkundung der besten Standorte ist finanziell gesichert – dank der Initiative „Sie spenden – wir verdoppeln!“ der VDI nachrichten.

Junge holt Wasser mit einem Esel: Die Wasserarmut in Eritrea nimmt zu, die Wege zu Wasserstellen werden immer länger.

Junge holt Wasser mit einem Esel: Die Wasserarmut in Eritrea nimmt zu, die Wege zu Wasserstellen werden immer länger.

Foto: Wasser für Eritrea, Hamburg

Nur 17 Tage hat es gedauert, da waren die 15.000 Euro schon aufgebraucht. Jede der 100 privaten Spende für Projekte der Initiative „Ingenieure helfen der Welt“ der VDI nachrichten wurde seit dem 4. November automatisch verdoppelt. Und das hat sich offenbar unter Ingenieuren rumgesprochen. „In den wenigen Tagen haben 100 Menschen für insgesamt 16 Projekte gespendet“, freut sich Ulrike Gläsle, Marketing-Leiterin des VDI Verlages.

Täglich Privatspenden von fast 1000 Euro

Fast 1000 Euro pro Tag wurden von Privatleuten gespendet. Und jede einzelne Spende wurde automatisch verdoppelt. „Eigentlich hatten wir erwartet, dass wir bis Weihnachten hinkommen“, so Gläsle. Mehr als 30.000 Euro an Spenden kamen bislang zusammen.

Sanddamm in einem Flussbett in Kenia: Nach diesem Vorbild will die Initiative

Sanddamm in einem Flussbett in Kenia: Nach diesem Vorbild will die Initiative „Wasser für Eritrea“ Dämme in ausgetrockneten Flussbetten bauen. Durch die kleinen Staumauern bleibt im Sediment Wasser zurück, das nicht austrocknet und mit einfachen Brunnen gefördert werden kann.

Foto: Josep de Trincheria

Zwei Projekte konnten ihre Vorhaben sogar komplett finanzieren, darunter das Projekt „Wasser für Eritrea“ von zwölf Studenten der TU Hamburg-Harburg. „Wir sind für die Aktion sehr dankbar“, sagte der Maschinenbau-Student und Projektkoordinator Jan Marc Schwidtal gegenüber ingenieur.de. „Wir konnten die Kosten für die komplette Erkundung in Eritrea finanzieren.“

Ins Flussbett gebauten Staumauern, bis zu 5 Meter tief ins Sediment eingelassen, halten so viel Wasser zurück, dass sogar offene Brunnen noch mit Wasser gefüllt sind und zur Bewässerung benutzt werden können.

Ins Flussbett gebauten Staumauern, bis zu 5 Meter tief ins Sediment eingelassen, halten so viel Wasser zurück, dass sogar offene Brunnen noch mit Wasser gefüllt sind und zur Bewässerung benutzt werden können.

Foto: Josep de Trincheria

Im März nächsten Jahres fliegen zwei Studenten nach Eritrea, um die besten Standorte für kleine Staumauern in ausgetrockneten Flussbetten des Hochlandes zu finden. Die Idee der angehenden Ingenieure ist verblüffend: Sie wollen in die Flussbetten der Hochgebirgsflüsse kleine Mauern einsetzen, die bis zur wasserundurchlässigen Schicht im Boden reichen. Nach oben schauen die Mauern nicht aus dem Boden heraus, so dass der Fluss weiterhin ungehindert fließen kann.

Ohne Mauern schießt das Flusswasser ungenutzt ins Tal

„In Eritrea regnet es fast genauso stark wie in Hamburg, aber konzentriert auf drei Monate“, schildert Schwidtal. „In den anderen neun Monaten herrscht Trockenheit.“

Dabei sind die Mauern, die das Wasser zurückhalten, nur bis zu fünf Metern tief und liegen komplett im Sediment des Flusses verborgen. „Diese Technik hat den Vorteil, dass die quer im Flussbett stehenden Mauern vom Sediment gestützt werden“, schildert Schwidtal. Während der Fluss ungehindert über die Mauern hinweg fließen kann, halten die aus natürlichen Materialen gefertigten Mauern das Wasser im Flussgrund zurückgehalten, so dass im Sediment je nach Gefälle bis zu 400 Meter lange Stauseen entstehen.

In Eritrea regnet es drei Monate lang stark, dann herrscht neun Monate lang Trockenheit. Ins Sediment der Flüsse eingelassene Mauern verhindern, dass das Wasser ins Tal schießt. Das Sediment bleibt die gesamte Trockenzeit feucht, nur der obere Meter trocknet aus.

In Eritrea regnet es drei Monate lang stark, dann herrscht neun Monate lang Trockenheit. Ins Sediment der Flüsse eingelassene Mauern verhindern, dass das Wasser ins Tal schießt. Das Sediment bleibt die gesamte Trockenzeit feucht, nur der obere Meter trocknet aus.

Foto: Josep de Trincheria

Nach Erfahrungen von Ingenieuren der FH Münster trocknet nur der oberste Meter des Sedimentes in der Trockenzeit aus. Das darunter liegende Sediment bleibt feucht. „Insgesamt kann der Sand zwischen 20 bis maximal 40 % seines Volumens an Wasser speichern“,  berichtet Schwidtal. Das gespeicherte Wasser kann über einfache Brunnen gefördert werden. „Dieses Wasser ist durch das Sediment gefiltert und kann getrunken werden oder der Bewässerung dienen.“ Mehrere dieser unterirdischen Wasserreservoirs genügen, um ein Dorf ganzjährig mit Wasser zu versorgen.

„Wasser in Eritrea“ des Vereins Technik ohne Grenzen ist eines von 16 Projekten, die von den VDI nachrichten unterstützt werden. Gemeinsam mit dem Kooperationspartner betterplace.org haben die VDI nachrichten eine Spendenseite eingerichtet, auf der sich die gemeinnützigen Projekte von Ingenieuren ganzjährig vorstellen und Spenden sammeln können.

Technikprojekte in vielen Teilen der Welt

Darunter sind Technikprojekte wie der Bau von Solarpanelen in einem indischen Dorf, um mit dem Strom die Trinkwasserversorgung zu verbessern. In Ghana wollen Ingenieure Plastikabfälle in Schulen sammeln und ein Recyclingsystem aufbauen. An einer Schule in Kamerun sollen Trenntoiletten die Hygiene erheblich verbessern und die hohe Krankheitsrate der Kinder senken. Andere Projekte wollen mit Solartechnik die Lernbedingungen in Schulen verbessern, beispielsweise in Simbabwe, Sansibar, Ghana und Indien. 

Das Trennen von Plastikmüll ist unüblich in Ghana und wird an der Schule in Berekum im Unterricht erklärt. Ingenieure wollen in der Region ein Recyclingsystem aufbauen.

Das Trennen von Plastikmüll ist unüblich in Ghana und wird an der Schule in Berekum im Unterricht erklärt. Ingenieure wollen in der Region ein Recyclingsystem aufbauen.

Foto: Technik ohne Grenzen

Hinzu kommen zwei Projekte in Deutschland. So will das Projekt GaraGe in Leipzig  das technische Interesse bei Jugendlichen durch Technikprojekte und Workshops wecken. Ein Forschungsprojekt von Ingenieuren und Schülern in Bremerhaven will den Gasaustausch der Wasseroberfläche im offenen Meer mit Hilfe einer Hochfrequenzinfrarotkamera messen.

„Alle Projekte unserer Aktion „Ingenieure helfen der Welt“ haben das Ziel, die Lebensbedingungen der Menschen ein Stück zu verbessern“, so Marketingleiterin Gläsle. „Die Ingenieure haben einfache technische Lösungen entwickelt, die auf die Bedürfnisse und die Kenntnisse der Menschen vor Ort zugeschnitten sind.“ Viele Projekte benötigen für die Weiterentwicklung und Einführung ihrer Lösungen aber weiterhin finanzielle Unterstützung.

Ingenieure bauen Solarzellen im indischen Auroville auf, um damit die Wasserversorgung durch den Betrieb von Pumpen zu verbessern.

Ingenieure bauen Solarzellen im indischen Auroville auf, um damit die Wasserversorgung durch den Betrieb von Pumpen zu verbessern.

Foto: Auroville International Deutschland

Zwar sind die 15.000 Euro zur Verdoppelung privater Spenden schon aufgebraucht. Doch die Spendenaktion läuft weiter: Wer von einem Projekt überzeugt ist, kann über die Spendenplattform ganz unkompliziert einen Beitrag leisten. Die VDI nachrichten haben seit dem Beginn der Aktion vor zwei Jahren bereits 45.000 Euro in Entwicklungs- und Technikprojekte investiert.

Die Aktionsseite von „Ingenieure helfen der Welt“ finden Sie hier.

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