Energiepolitik 13.05.2005, 18:38 Uhr

Marokko setzt auf Wind und Sonne  

Obwohl Marokko ein riesiges Potenzial bietet, kam die Nutzung von Sonne und Wind bisher nur schleppend voran. Doch nun weht eine frische Brise im Königreich. Das Umweltbewusstsein und das Interesse an erneuerbaren Energien steigen. Weil viele ländliche Haushalte keinen Netzanschluss haben, kommt der dezentralen Stromversorgung mit Solaranlagen eine große Bedeutung zu.

Marokko ist ein interessanter Markt für regenerative Energien und das Potenzial für deutsche Investoren groß“, betont Jörn Bousselmi, Geschäftsführer der Auslandshandelskammer (AHK Marokko). Rund 200 Experten, darunter 20 deutsche Unternehmensvertreter, tauschten im April bei dem zweiten marokkanisch-deutschen Treffen für erneuerbaren Energien Erfahrungen aus und knüpften neue Kontakte. Eingeladen hatte die AHK Marokko zusammen mit der Deutschen Energie-Agentur.

Über 3000 Stunden pro Jahr scheint in dem Königreich die Sonne. Die 3500 km lange Küste gilt als die windreichste in ganz Afrika. Der Passatwind bläst dort mit durchschnittlichen Stärken von 6 m/s bis 11 m/s meist doppelt so kräftig wie an der Nordsee. Trotzdem kam der Ausbau der erneuerbaren Energien in Marokko bislang eher schleppend voran. Wer nach Windrädern oder Solaranlagen Ausschau hält, muss derzeit noch lange suchen. Selbst in Touristenzentren wie dem Badeort Agadir finden sich nur einige wenige Sonnenkollektoren.

Ganze 0,24 % des Primärenergieverbrauchs Marokkos werden aus erneuerbaren Energien gedeckt. Das rohstoffarme Land ist noch fast ausschließlich von fossilen Energieimporten abhängig und bezieht 11 % seines Stroms aus Spanien. Atomkraft wird in dem nordafrikanischen Land nicht genutzt. Eine große Rolle spielt jedoch noch die traditionelle Nutzung von Biomasse in Form von Brennholz und Holzkohle. 11 Mio. t Holz werden jährlich verheizt – weit mehr, als den verbliebenen Wälder gut tut.

Doch es tut sich etwas. Täglich berichten marokkanische Zeitungen über Smog oder Klimaschutz. Unter der Führerschaft des reformorientierten Königs Mohammed VI. kommt Bewegung in den Ausbau der erneuerbaren Energien. Bis 2020 soll jede fünfte Kilowattstunde aus grüner Energie stammen. 1,5 Mrd. $ sollen hierfür investiert werden. Bei der Finanzierung setzt Marokko als Unterzeichner des Kyoto-Protokolls stark auf internationale Zusammenarbeit sowie auf den Mechanismus für umweltverträgliche Entwicklung (CDM). Das Land will hierdurch seine Abhängigkeit von Ölimporten um 12 Mio. Barrel pro Jahr verringern und 11 000 neue Jobs schaffen.

Seit dem Sommer 2000 drehen sich 84 Windturbinen im rauen Wind des Riffgebirges östlich von Tanger. Der 50-MW-Windpark Al Koudia Al Baïda beliefert über 500 000 Menschen mit Strom. Zwei weitere Windparks mit insgesamt 200 MW sollen bis Ende 2006 fertig gestellt sein. Es ist geplant, den Anteil der Windenergie an der Stromproduktion bis 2010 von derzeit 1 % auf 5 % zu steigern. Ganz ohne fremde Hilfe geht das nicht. So werden die Projekte mit Millionenkrediten der KfW-Entwicklungsbank und der Europäischen Investitionsbank unterstützt.

Weil 40 % aller ländlichen Haushalte noch keinen Stromanschluss haben, kommt der Photovoltaik besondere Bedeutung zu. Marokko setzt nun zusammen mit Geldgebern wie der deutschen Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit (GTZ) und der KfW verstärkt auf die dezentrale Elektrizitätsversorgung mit Solaranlagen. Derzeit sind rund 20 000 Solar-Home-Systeme (SHS) installiert. Bis 2010 sollen 150 000 Haushalte in abgelegenen Regionen mit kleinen Solaranlagen ausgerüstet sein, die mit 400 € bis 1600 € bezuschusst werden. Solarfirmen müssen eine Wartung in 48 Stunden garantieren. Die Verträge werden in großen Tranchen ausgeschrieben, so dass hierbei vor allem internationale Firmen wie Total EDF Maroc Solaire (Temasol) sowie Apex-BP-Solar zum Zuge kommen.

HANS CHRISTOPH NEIDLEIN

Ein Beitrag von:

  • Hans-Christoph Neidlein

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