BMW ist schon da, andere sollen folgen 06.05.2005, 18:38 Uhr

„Keine Steuern für Großinvestoren“  

Die russische Exklave Kaliningrad öffnet seine Grenzen für westliche Investoren und lockt mit Steuerfreiheit. Fragen an den Gouverneur von Kaliningrad, Wladimir Jegorow.

VDI nachrichten: Herr Jegorow, wie steht es um das deutsche Engagement in Kaliningrad?

Jegorow: Unser großer Stolz ist das BMW-Werk, in dem Fahrzeuge der 3er- und der 5er-Reihe zusammengebaut werden. Qualitativ stehen diese Autos den im Westen produzierten in nichts nach. Derzeit werden sie jedoch nur für den russischen Markt produziert, weil der noch lange nicht gesättigt ist. Gemeinsame Projekte laufen auch im Transportwesen. Seit Dezember 2003 gibt es eine reguläre Bahnverbindung zwischen Berlin und Kaliningrad. Am 1. Juli dieses Jahres wird diese Verbindung bis nach Sankt Petersburg ausgebaut. Im Kaliningrader Bahnhof werden die Züge auf andere Schienenbreite umgestellt und fahren dann weiter. Schon bald auch bis nach Moskau und in drei weitere russische Städte.

Baltijsk, Sankt Petersburg und Lübeck verbindet bereits eine Autofähre, die ebenfalls in enger Zusammenarbeit mit deutschen Firmen funktioniert. Auch unser Hafen bietet deutschen Firmen ein breites Feld für Investitionen und erfolgreiche Zusammenarbeit. Das Potenzial ist also bei weitem noch nicht erschöpft.

VDI nachrichten: Wo sehen Sie denn die größten Möglichkeiten?

Jegorow: Die deutsche Firma Knauf baut bei uns gerade ein Werk, das Fernsehgeräte produzieren wird. Das ist uns sehr wichtig, denn Fernsehgeräte aus Kaliningrad decken bereits 45 % des russischen Marktes ab.

Wir hoffen außerdem, dass deutsche Baufirmen in unserem Gebiet künftig weitere gute Aufträge bekommen. Auch der Schiffbau ist mit Sicherheit für deutsche Unternehmen interessant. Bis jetzt gibt es aber nur ein einziges gemeinsames Projekt mit Abeking & Rasmussen, ein Unternehmen, das in der Kaliningrader Yantar-Werft einen Unterauftrag für Militärschiffe übernommen hat. Nun werden in Kaliningrad weitere Schiffe dieser Art für Grenzpatrouillen gebaut.

Hinzu kommen die Energiewirtschaft, Umweltschutz und Umwelttechnologien. Auch das sind sind Branchen, wo noch ein großer Nachholbedarf in der Region besteht.

VDI nachrichten: Die Lage Kaliningrads macht das Transportwesen zu einem lukrativen Geschäftsfeld. Welche Projekte stehen da mittelfristig an?

Jegorow: Den Ausbau der Bahnverbindungen zwischen Deutschland und dem russischen Mutterland via Kaliningrad habe ich bereits erwähnt. Die Fährverbindungen nach Deutschland, Skandinavien, aber auch ins Baltikum und nach Russland werden ebenfalls erweitert.

Die deutsch-russische Eisenbahnentwicklungsgesellschaft in Soltau tüftelt gerade an einem völlig neuen, effizienteren Verladesystem für den Containertransport auf Schienen. Das ist ein gemeinsames Projekt, das spätestens 2006 für die Verbindungen zwischen Westeuropa und Russland über Kaliningrad verwirklicht werden soll. In Kaliningrad werden künftig wichtige Teile dieses modernen Transportsystems zusammengebaut.

VDI nachrichten: In Russland tritt jetzt ein neues Gesetz über Sonderwirtschaftszonen in Kraft. Welche Folgen ergeben sich daraus für das Kaliningrader Gebiet, das ja bereits seit fast zehn Jahren Sonderwirtschaftszone ist?

Jegorow: Für Investoren und Unternehmen, die bei uns bereits engagiert sind, wird sich in den kommenden zehn Jahren nichts ändern. Neue Großinvestoren müssen keine Steuern zahlen in den ersten sechs Jahren. Weitere sechs Jahre genießen sie eine 50 %-ige Steuerbefreiung.

VDI nachrichten: Das klingt gut, die Frage ist nur, ob es westliche Investoren wirklich überzeugen kann. Im vergangenen Jahr hat die Kapitalflucht aus Russland drastisch zugenommen. Viele Beobachter sehen darin auch eine Reaktion auf den autoritären Kurs von Präsident Putin und den Fall Yukos. Fürchten Sie nicht, dass auch Kaliningrad darunter leiden wird, wenn Investoren weiter verunsichert werden?

Jegorow: Das mag die gesamtrussische Statistik betreffen. Doch davon weicht das Kaliningrader Gebiet sehr oft ab: So wuchs bei uns die Industrieproduktion im Jahre 2004 um 25 %, also vier Mal schneller als im übrigen Russland. Auch beim gesamten Wirtschaftswachstum liegen wir mit über 12 % über dem russischen Durchschnitt von 7 %.

VDI nachrichten: Aber die Frage zielte auf die Investitionen westlicher Unternehmen…

Jegorow: In unserem Gebiet gab es im vergangenen Jahr ein stabiles Wachstum der Direktinvestitionen. Dazu müssen Sie wissen, dass von den Mitteln, die bei uns 2004 investiert wurden, der Löwenanteil aus Russland selbst kam. Nur 9 % entfielen auf das Ausland.

VDI nachrichten: Der Fall Yukos macht Ihnen also keine Sorgen?

Jegorow: Yukos war bei uns nicht tätig. Bei uns arbeitet ein anderer Konzern – Lukoil – seit Jahren sehr stabil: Im Kaliningrader Gebiet werden pro Jahr etwa 1,5 Mio. t hochwertiges Erdöl für den Export gefördert. In all den Jahren hatte Lukoil bei uns keine Probleme mit dem Finanzamt. Was in Russland läuft, hat also keine nennenswerten Auswirkungen auf das Geschäftsleben in unserer Region. Darum bemühen wir uns sehr. ELENA BEIER/ps

Wissenswertes über Kaliningrad

– Im Gebiet Kaliningrad (ehemals Königsberg) leben heute rund 1 Mio. Menschen. Wichtigste Wirtschaftszweige: Fischfang und -verarbeitung, Schiffbau, Elektrotechnik, Bauindustrie, Lebensmittelindustrie.

– Kaliningrad ist eine Sonderwirtschaftszone. Waren können unter bestimmten Bedingungen zoll- und steuerfrei ein- und ausgeführt werden. Wer über 4 Mio. € investiert, braucht künftig sechs Jahre keine Gewinnsteuer zu bezahlen und weitere sechs Jahre nur den halben Steuersatz, also 12 %.

– Fast alle Firmen mit deutscher Beteiligung sind in der Exklave registriert. Das bekannteste ist BMW. Die Bayern lassen dort die 3er- und 5er-Reihe für den russischen Markt montieren.

– Die Interessen der deutschen Wirtschaft nimmt eine Vertretung der Handelskammer Hamburg wahr. Telefon: 007/0112/211538, Fax: 007/0112/ 954236. ps

Von Peter Schwarz
Von Peter Schwarz

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