Forsa-Umfrage 03.07.2013, 15:25 Uhr

Junge Menschen akzeptieren Industrie- und Großprojekte

Junge Menschen in NRW stehen Industrie- und Bauprojekten positiv gegenüber. Ein negatives Bild haben sie von Politikern und Bauherren. Viele Jugendliche wollen bei Großprojekten eine ehrliche und offene Kommunikation, würden für ihre Ansichten aber nicht auf die Straße gehen.

Jugendliche sind nicht technikfeindlich und bereit, sich zu engagieren. Für ihre Meinung auf die Straße zu gehen, will eine Mehrheit allerdings nicht.

Jugendliche sind nicht technikfeindlich und bereit, sich zu engagieren. Für ihre Meinung auf die Straße zu gehen, will eine Mehrheit allerdings nicht.

Foto: Marc Thürbach

Jugendliche haben ein positives Bild von Industrievorhaben. Entgegen vieler Vorurteile sind junge Menschen keinesfalls technikfeindlich. Was ihnen zu schaffen macht, ist bei großen Bauvorhaben die mangelnde Glaubwürdigkeit der Entscheidungsträger. „Junge Menschen haben das Gefühl, Politiker und Bauherren stecken unter einer Decke. Das ist alarmierend“, kommentierte NRW-Wirtschaftsminister Garrelt Duin (SPD) eine Umfrage unter 501 Jugendlichen zwischen 16 und 22 Jahren, die das Ministerium bei Forsa in Auftrag gegeben hatte.

Was nicht heißen soll, dass sich die junge Generation gegen technische Entwicklungen und Großvorhaben sträube. „Vielen jungen Menschen ist klar, dass sowohl Dienstleistungsunternehmen, aber auch moderne Industriebetriebe für eine starke Wirtschaft in NRW notwendig sind“, betonte Duin.

Windräder stoßen auf hohe Akzeptanz

Dafür würden sie auch Unannehmlichkeiten in Kauf nehmen. So würden 84 % der Befragten neue Windräder in ihrer Nachbarschaft akzeptieren. Ähnlich aufgeschlossen stehen sie neuen Stromleitungen (77 %), Logistikzentren (76 %) und neuen Bahnstrecken (70 %) gegenüber. Produktionsstätten der Industrie hingegen sind für lediglich 45 %, Kohlekraftwerke nur für 11 % der Jugendlichen akzeptabel.

Sozialdemokrat Duin sieht die Politik im Zugzwang: „Wir müssen den jungen Menschen klar machen, dass zu Übergang und Ausbau der Energiewende fossile Energieträger wie die Kohle notwendig sind.“

Jugendliche sind für eine Kultur der offenen Kommunikation: 88 % der jungen Menschen meinen, ein offener Dialog werde die Akzeptanz der Vorhaben erhöhen. Nur glauben 68 %, die Verantwortlichen interessierten sich nicht wirklich für das, was die Bürger wollen. Größeres Vertrauen als Politiker genießen bei Großprojekten Wissenschaftler, deren Aussagen 82 % der 16- bis 22-Jährigen Glaubwürdigkeit beimessen.

61 % wollen sich über soziale Netzwerke beteiligen

Junge Menschen wollen sich selbst einbringen, würden sich bei geplanten Bauvorhaben aber eher informieren als sich Bürgerinitiativen anzuschließen oder auf die Straße zu gehen. 61 % wollen sich über soziale Netzwerke beteiligen.

„Man sollte die Bedeutung der sozialen Medien aber nicht überschätzen“, meinte Manfred Güllner von Forsa. Interessant sei, dass das persönliche Auge-in-Auge-Gespräch mit Freunden und der Familie höheren Stellenwert genießt als die Diskussion im Netz. Für 92 % der Befragten ist diese Kommunikationsform erste Wahl.

Aufklärungsbedarf sieht Minister Duin bei der Frage, wer warum bei großen Bauvorhaben auf die Straße geht, denn 62 % glauben, es seien immer dieselben „Berufsprotestierer“. „Den einen Typus ,Wutbürger‘ gibt es nicht. Wir müssen jungen Menschen verdeutlichen, dass es sich um engagierte Bürger handelt, die da ihre Stimme erheben.“

Eine hohe Meinung haben Jugendliche von der Energiewende. Die Energiewirtschaft wird nach Ansicht von 44 % der Befragten zu den künftigen Stärken des Standorts NRW zählen. Damit liegt dieser Wirtschaftszweig ebenso wie die Kommunikationstechnologie (47 %) vor traditionell starken Sektoren wie Auto (28 %) und Chemie (20 %). Laut Forsa haben Umfragen unter Jugendlichen in anderen Bundesländern ähnliche Ergebnisse gebracht.

Von Wolfgang Schmitz

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