Energiewende in Fernost 03.08.2012, 11:00 Uhr

Japan setzt verstärkt auf erneuerbare Energien

Japans Wende zu „grünen“ Energien ist dieser Tage mit einem Plan der japanischen Regierung zur massiven Förderung von Investitionen in erneuerbare Energien einen riesigen Schritt vorangekommen. Mit festem Abnahmepreis für Solarstrom will Japan erneuerbare Energien forcieren.

Kurz nachdem die Regierung in Tokio Anfang Juli die kontroverse Wiederinbetriebnahme von zwei abgeschalteten Atommeilern genehmigte, kündigte sie die bisher international höchsten Einspeisevergütungen für Solarstrom an.

Nach Aussagen von Mina Sekiguchi beim Beratungsunternehmen KPMG in Japan spiegeln die Tarife die klare Absicht der japanischen Regierung, sehr schnell so viele Photovoltaikanlagen in Japan zu bauen wie möglich.

Mit stärkeren Anreizen für Investitionen in saubere Energien wird in Japan insbesondere im Solarmarkt mit Investitionen in Höhe von mindestens 9,6 Mrd. $ ein wahrer Boom erwartet. Das Land würde damit – nach China – zum zweitgrößten Solarmarkt der Welt aufsteigen.

Feste Preise für erneuerbare Energien wie Solarstrom und Windkraft

Der am 1. Juli in Kraft tretende Energieplan umfasst Windkraft, Geothermie, Wasserkraft, Photovoltaik, Biogas und Biomasse. So ist vorgesehen, dass die japanischen Versorger den Betreibern von Photovoltaikanlagen im eigenen Land für einen Zeitraum von zwanzig Jahren 42 ¥/kWh (42 Eurocent/kWh) zahlen. Der Satz liegt damit beim Doppelten von Deutschland (max. 18,73 Eurocent/kWh ab 1. 8. 12) und ist dreimal so hoch wie in China.

Das ermöglicht den Betreibern in Japan im genannten Zeitraum Renditen ab 6 %. „Das neue Gesetz macht es notwendig, dass wir in den ersten Jahren besonders auf die Renditen der Investoren schauen“, erklärte jüngst Kazuhiro Ueta, der Vorsitzende der Regierungskommission.

Abhängig von der Leistung wurden für die Windkraft zwei unterschiedliche Einspeisetarife festgesetzt. Für Anlagen über 20 kW liegt der Tarif bei 23,1 ¥/kWh (23 Eurocent/kWh). Dieser Wert übertrifft den aktuellen deutschen Tarif von 8,93 Eurocent/kWh Anfangsvergütung für die ersten fünf Jahre deutlich. Für Kleinwindturbinen unter 20 kW liegt der Tarif bei umgerechnet 55,9 Eurocent/kWh. Bisher liegt der weltweit höchste Tarif bei 43, Eurocent/kWh in Portugal. Für Erdwärme-Kraftwerke sind es 27,3 ¥/kWh über 15 Jahre.

Stromversorger müssen „grünen” Strom abnehmen

Seit dem 1. Juli müssen die etablierten Versorger nach einem im August 2011 verabschiedeten Fördergesetz den „grünen“ Strom auch komplett abnehmen. Die Kosten werden auf die Verbraucher umgelegt. Die Anfangsbelastung für jeden Haushalt soll im Durchschnitt bei 87 ¥ (87 Eurocent) im Monat liegen.

Das Investmenthaus Nomura rechnet damit, dass der neue Plan allein in diesem Jahr zu 2,4 GW neuer Solarenergiekapazität – entspricht ungefähr zwei Kernkraftwerken – führen wird. Bis 2013 wird einer Prognose der in London ansässigen New Energy Finance eine zusätzliche Kapazität von 3,4 GW erwartet.

Strategen der Finanzgruppe CSLA Asia Pacific erwarten bis 2016 in Japan einen Kapazitätsanstieg im Solarbereich von heute insgesamt 5 GW auf 19 GW und bei Windanlagen von 2,5 GW auf 7,6 GW.

Japan hat ein massives Energieproblem. Für die Elektrizitätsversorgung ist das Land zu 60 % von fossilen Brennstoffen abhängig. Die Kernenergie deckte bisher etwa ein Drittel der Stromproduktion ab. Erneuerbare Energien trugen aufgrund fehlender Investitionsanreize 2011 nur 1,6 % bei. Der Solarstromanteil lag bei weniger als 1 %.

Die Windkraft spielt im japanischen Energiemix ebenfalls eine verschwindend geringe Rolle. Der Internationalen Energieagentur zufolge wurden 2010 im Land durch Wind rund 3,4 TWh Strom erzeugt dies waren nur 0,4 % des japanischen Stromverbrauchs. Damit rangiert Japan international auf Platz 18.

Die neuen Anreize beschleunigen vor allem den Bau großer Photo-

voltaikanlagen. Dutzende Unternehmen warten bereits mit Plänen auf, um von den neuen Subventionen Gebrauch zu machen.

So will Kyocera gemeinsam mit IHI und der Mizuho Corporate Bank eine Anlage mit einer Gesamtleistung von 70 MW im südjapanischen Kagoshima bauen. Dieser Tage hat auch

Toshiba Baupläne für eine Solaranlage in Fukushima mit einer Kapazität von 100 MW mit Betriebsbeginn im Jahr 2014 angekündigt.

Kein anderes Unternehmen treibt allerdings die Solarkraft so massiv voran wie SB Energy, eine Tochter der Softbankgruppe. Zeitgleich mit dem Start der neuen Solarstrom-Einspeisevergütung ging am 1. Juli der erste Teil des mit Solarmodulen von Kyocera ausgestatteten Mega-Solarparks in Kyoto mit einer Gesamtleistung von 4,2 MW in Betrieb.

Bis 2014 soll die größte Solaranlage von SB Energy in Tomakomai in Hokkaido mit 111 MW in Betrieb gehen. Drei weitere Projekte sind in den Präfekturen Kumamoto, Nagasaki und Shimane in Planung. Eine 2,4-MW-Solaranlage wurde in Gunma an den Start gebracht. Somit betreibt Softbank nur 15 Monate nach dem Fukushima-Desaster in Japan zehn Solarkraftwerke mit 200 MW Kapazität.

Auch Japans Windkraftmarkt regt sich. So will die Green Power Investment Corp. in den kommenden Jahren 18,4 Mrd. ¥ in den Bau von On-

shore-Windparks in den Präfekturen Shimane und Ehime investieren. Der Betreiber Ecopower will bis 2014 in den Regionen Kanto, Chubu und Kansai drei Windparks mit einer Kapazität von je 30 MW einrichten.

Schließlich will ein Firmenkonsortium unter Führung des Handelshauses Marubeni vor der Küste von Fukushima das weltweit größte schwimmende Windkraftwerk errichten. Es soll 2020 in Betrieb gehen und mit bis zu 143 Windrädern auf eine Leistung von 1000 MW kommen.

Japan setzt für die dezentrale Stromversorgung auch auf Kleinwindanlagen, für die angesichts der hohen Einspeisetarife und guter Rahmenbedingungen ein Boom erwartet wird. Wie aus dem Small Wind Report 2012 hervorgeht, sind 2009 knapp 2050 Kleinwindanlagen mit je unter 100 kW Leistung installiert worden.

Japanische Energiewende lockt ausländische Hersteller an

Wurde der japanische Markt bislang vor allem von einheimischen Unternehmen dominiert, ruft die japanische Energiewende nun ausländische Hersteller auf den Plan. Das chinesische Solarunternehmen Yingli Green Energie mit Sitz in Baoding hat in Japan eine Tochter gegründet, um sich frühzeitig eine Vertriebsstruktur aufzubauen. Als erster europäischer Solarkonzern hat SMA Solar Technology jetzt die Wechselrichter-Zertifizierung für den japanischen Markt erhalten.

Von Barbara Odrich

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