Unkonventionelle Schiefergasförderung 21.05.2014, 16:02 Uhr

Haft angedroht: Gesetz in den USA soll das Reden über Fracking-Chemikalien verbieten

Die Republikaner im US-Bundesstaat North Carolina haben ein „Energie-Modernisierungsgesetz“ in den Kongress eingebracht, dass es Menschen unter Haftandrohung verbieten soll, Informationen über die beim sogenannten Fracking eingesetzten Chemikalien zu veröffentlichen.

Eine Fracking-Anlage im Bundesstaat Pennsylvania in Amerika. In Pennsylvania wurde im Sommer des vergangenen Jahres erstmals nachgewiesen, dass Trinkwasser durch Fracking belastet worden ist.

Eine Fracking-Anlage im Bundesstaat Pennsylvania in Amerika. In Pennsylvania wurde im Sommer des vergangenen Jahres erstmals nachgewiesen, dass Trinkwasser durch Fracking belastet worden ist.

Foto: EPA

Was die Tagesschau heute aus den USA berichtet hat, lässt selbst hartgesottene Amerika-Kenner aufhorchen: Der US-Bundesstaat North Carolina plant ein Gesetz, nach dem jeder mit einer Haftstrafe rechnen muss, der etwas über die beim Fracking eingesetzten Chemikalien verrät. Die beim Schiefergas-Abbau verwendeten Mittel unterliegen danach dem Betriebsgeheimnis. Dieser Maulkorb soll auch für Rettungskräfte bei Bohrunfall-Einsätzen gelten.

Fracking erschließt unkonventionelle Erdgasvorkommen

Mit Fracking, was soviel wie aufbrechen bedeutet, ist die Erschließung unkonventioneller Erdgasvorkommen, die in tiefen Gesteinsschichten gebunden sind gemeint. An diese kommt man nur durch massives hydraulisches Zerbrechen des Gesteins heran. Dies geschieht mit einer Flüssigkeit, dem sogenannten Frackfluid, welches unter hohem Druck in die das Schiefergas enthaltene Gesteinsschicht gepumpt wird.

Beim Fracking werden wassergefährdende Chemikalien eingesetzt. 

Beim Fracking werden wassergefährdende Chemikalien eingesetzt.

Quelle: dpa/Maja Hitij

Und dieses Frackfluid ist ein giftiger Cocktail aus verschiedenen Chemikalien: Säuren zur Auflösung von Mineralien finden sich in dem Gemisch genauso wie Biozide, um Bakterienwachstum an organischen Bestandteilen zu verhindern. Lösungsmittel, Korrosionsschutzmittel, Tenside, Schäume und Kettenbrecher runden die Brisanz der Fluide ab. Dazu gesellt sich noch Sand, um die in das Gestein gesprengten Risse offen zu halten. Dann wird das freigesetzte Schiefergas abgesaugt.

Androhung mehrmonatiger Haftstrafe

Schon immer machen die Fracking-Firmen ein großes Geheimnis um die genaue Zusammensetzung des Frackfluids. Das jetzt von drei republikanischen Senatoren und der Republikaner-Mehrheit im Kongress von North Carolina eingebrachte sogenannte „Energie-Modernisierungsgesetz“ sieht nun vor, dass demjenigen, der vertrauliche Informationen über die beim Fracking eingesetzten Chemikalien an die Öffentlichkeit weitergibt, eine mehrmonatige Haftstrafe droht.

Schweigepflicht auch für Feuerwehrleute und Notärzte

Die Republikaner springen mit diesem „Energie-Modernisierungsgesetz“ auf den Argumentationszug zahlreicher Ölbohrfirmen auf, nach dem die Zusammensetzung des Frackfluids als Betriebsgeheimnis zu betrachten ist. Das neue Gesetz geht sogar so weit, dass Fracking-Firmen von Feuerwehrleuten und Ärzten, die bei Ölbohrunfällen eingesetzt werden, verlangen können, dass diese vor ihrem Einsatz eine spezielle Schweigepflichterklärung unterschreiben.

Eine Ölförderungsplattform in einem Tal bei Troy in Pennsylvania, die nach dem Prinzip des

Eine Ölförderungsplattform in einem Tal bei Troy in Pennsylvania, die nach dem Prinzip des „Fracking“ arbeitet.

Quelle: dpa

Die Energiefachzeitschrift „Energywire“ berichtet, dass sich die eingesetzten Feuerwehrleute und Notärzte auch nicht mit ihren Kollegen über ihre Erfahrungen bei Einsätzen mit den Fracking-Chemikalien unterhalten dürfen.

Pennsylvania hat Liste veröffentlicht

Im Marcellus-Becken im US-Bundesstaat Pennsylvania werden im großen Stil Schiefergase mittels Fracking gewonnen. Schon vor einigen Jahren hat der Staat eine Liste mit Chemikalien veröffentlicht, die dort eingesetzt werden – allerdings ohne die jeweiligen Mengen zu verraten. Dazu zählen Zusätze wie Toluole und Xylene oder auch Kerosin und Petroleum,die als wassergefährdend einzustufen sind. Zudem ist beispielsweise Toluol häufig mit Benzol verunreinigt, welches Krebs auslösen kann. Auch andere auf der Liste aufgeführte Stoffe gelten als gefährlich.

Zu viel Methan, zu viel Ethan und zu viel Propan

Im Juni des vergangenen Jahres sorgte eine Studie von Forschern der Duke University im US Bundesstaat North Carolina für Aufregung. Die Wissenschaftler hatten Proben in 141 privaten Brunnen in der Gegend des Marcellus-Beckens genommen. Sie fanden heraus, dass bei Brunnen im Umkreis von einem Kilometer um Frackinganlagen die Belastung mit Methan sechsmal höher war als in anderen Brunnen. Die Ethankonzentration war sogar 23-mal höher. Im Wasser von zehn Brunnen fanden die Forscher zudem Propan.

 

Von Detlef Stoller

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