Energiepolitik 01.01.2016, 01:04 Uhr

Gutachten: Stromerzeuger Steag steht vor großen Problemen

Der Stromerzeuger Steag und seine Mehrheitsgesellschafter, das Stadtwerke-Konsortium Rhein-Ruhr, stehen vor großen Problemen. Zu diesem Schluss kommt ein Gutachten der beiden Ökonomen Heinz-J. Bontrup und Ralf M. Marquardt von der Westfälischen Hochschule Gelsenkirchen.

Die Steag soll zu einem Anbieter von Öko-Strom umgebaut werden, zugleich soll das Unternehmen Geld in die Kassen der Kommunen spülen. Diese beiden Ziele ließen sich aber nicht vereinbaren, heißt es in dem Gutachten, das von der früheren NRW-Landtagsfraktion der Linken in Auftrag gegen worden war.

Den Umbau zu einem Öko-Stromerzeuger halten die Gutachter für schwierig. Der Kraftwerkpark der Steag in Deutschland ist stark kohlelastig: 97 % der Stromerzeugungskapazitäten stammen aus fossilen Brennstoffen. Der Anteil der erneuerbaren Energien an der Stromerzeugung soll auch langfristig nur bei 25 % liegen und damit um 10 Prozentpunkte unter dem von der Bundesregierung angepeilten mittelfristigen Ziel von 35 % Öko-Strom in Deutschland.

Auch die Renditeansprüche des Stadtwerke-Konsortiums ließen sich unter den Bedingungen, unter denen die Steag tätig ist, kaum realisieren, so die Studie. Die Preise für Kohle seien gestiegen, auch die für Verschmutzungsrechte würden kräftig anziehen. Zudem habe ein Großkunde seine Lieferverträge in größerem Umfang als erwartet nicht verlängert.

Veraltete Steag-Kraftwerke erfordern enorme Investionen

Die Kraftwerke des Unternehmens sind stark überaltert. Daraus ergibt sich ein enormer Investitionsbedarf, der durch den Atomausstieg noch wachsen wird. Zudem lasten auf dem Unternehmen Verbindlichkeiten in Höhe von rund 2,5 Mrd. €, die in den kommenden Jahren das Ergebnis belasten werden.

Dennoch besteht das Konsortium auf Gewinnabführungen. Obwohl laut Gutachten der Jahresüberschuss nach Steuern 2011 nur noch knapp 5 Mio. € betragen hat, verlangte das Konsortium eine Dividende. Sie musste aus den Rücklagen bezahlt werden. Für die Bilanz 2011 wurde eine Wertberichtigung in Höhe von 203,5 Mio. € vorgenommen. Sie war nötig geworden, weil am Heizkessel des neuen Kraftwerks in Duisburg-Walsum Probleme aufgetreten waren (VDI nachrichten 32-33/2010 und 26-27/2011).

Das Kraftwerk sollte bereits 2010 Strom liefern, wird voraussichtlich aber erst im September 2013 ans Netz gehen. Gewinne brauche das Konsortium aber auch, um die Übernahme zu refinanzieren, sagen die Gutachter. Für den Erwerb von 51 % der Anteile vom Chemiekonzern Evonik hat das Konsortium einen Kredit von rund 640 Mio. € aufgenommen. Vertraglich vereinbart wurde auch der Kauf der übrigen 49 % von Evonik, die noch einmal rund 600 Mio. € kosten werden. Der Kaufpreis von gut 1,2 Mrd. € sei zu hoch gewesen, resümieren die Gutachter.

Deren Urteil ist eindeutig „Den Forderungskatalog der Stadtwerke umzusetzen, würde die Umstrukturierung des Unternehmens und damit den wirtschaftlichen Erfolg der Steag hochgradig gefährden.“

Ihr Ziel, die Steag zum Vorreiter der Energiewende zu machen, hätte das Konsortium nach Überzeugung von Bontrup und Marquardt auch ohne den Kauf der Steag erreichen können. Dazu hätte der Ausbau eigener Kraftwerkkapazitäten gereicht.

Mittelfristig hängt das Schicksal der Steag und damit auch der an dem Konsortium beteiligten Revierstädte vom Kraftwerk Walsum ab. Bontrup: „Wenn Walsum nicht läuft, haben alle ein Problem.“  

Steag-Konsortium sieht Gutachten kritisch

Das Konsortium kritisiert das Gutachten. Hermann Janning, Vorstandsvorsitzender des Konsortialführers Stadtwerke Duisburg und Aufsichtsratsvorsitzender der Steag, hält die zentrale Kritik, dass die Dividendenforderung der Stadtwerke sich mit den Umbauforderungen der Stadträte nicht vereinbaren ließen, für nicht nachvollziehbar. Das Konsortium habe immer klar gemacht, dass sich die Übernahme der Mehrheit bei der Steag rechnen müsse. „Den Erwerb des Mehrheitsanteils sehen wir daher als eine strategische Investition.“

Ein anderer Gesellschafter, so Janning weiter, hätte die Steag filetiert und „weniger profitable Bereiche zur Disposition gestellt.“

Für falsch hält Janning auch, dass im Gutachten bei der Bewertung der Steinkohlekraftwerke ein Schwerpunkt auf das Alter der Kraftwerke gelegt wurde. Angesichts der Unsicherheiten in der Energiepolitik sei es problematisch, wenn die Steag über hochmoderne Kraftwerke mit langen Laufzeiten verfügen würde. Mit der bestehenden Erzeugungsstruktur könnte die Steag „flexibel auf die aktuelle Marktsituation“ reagieren.  

Von Hartmut Steiger

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