Richtlinien 15.12.2006, 19:25 Uhr

Grundwasser endlich geschützt  

VDI nachrichten, Straßburg, 15. 12. 06, swe – Die Europäische Union (EU) legt erstmals Qualitätsziele für das Grundwasser fest. Mit Grenzwerten für Nitrat und Pestizide will sie die wichtigste Quelle für Trinkwasser schützen. Die Grundwasser-Richtlinie führt eine Sanierungspflicht für verunreinigtes Grundwasser ein.

Das Vorsorgeprinzip wird der Schlüssel zum Grundwasserschutz“, erklärt Christa Klaß, CDU-Abgeordnete im Europaparlament (EP). Denn das EP stimmte mit großer Mehrheit dem Kompromiss zu, der im Vermittlungsausschuss mit dem Ministerrat erreicht wurde.

Vorsorge sei notwendig, betont Klaß: Das Grundwasser ist der wichtigste Rohstoff für die Trinkwassergewinnung. In der EU stammen rund vier Fünftel des Trinkwassers aus unterirdischen Ressourcen, gleichzeitig gelten bereits 40 % des Grundwassers als übermäßig verschmutzt. Tendenz steigend.

„Auch in Deutschland wird das neue Gesetz helfen, die Qualität des Grundwassers langfristig weiter zu verbessern“, glaubt Jörg Rechenberg, Wasserexperte des Umweltbundesamtes (UBA) in Berlin.

Die neue Richtlinie schreibt erstmals EU-weit geltende Grenzwerte für Nitrat und für Pestizide im Grundwasser vor. Ein Liter Grundwasser darf danach nicht mehr als 50 mg Nitrat enthalten und nicht mehr als 0,5 µg an Pestiziden und deren Abbauprodukten. Außerdem soll von keinem Pflanzenschutzmittel mehr als 0,1 µg in einem Liter vorhanden sein.

Diese Vorgaben für Nitrat und Pestizide sind dieselben, die auch für das Trinkwasser gelten. Daneben soll jeder EU-Mitgliedsstaat eigene Grenzwerte für folgende neun weitere Substanzen festlegen: die Metalle Arsen, Blei, Kadmium und Quecksilber, für Ammonium-, Sulfat- und Chloridionen sowie für die organischen Lösungsmittel Trichlorethylen und Tetrachlorehtylen.

Die neuen Vorschriften gelten nicht sofort. Jeder EU-Staat erhält zwei Jahre Zeit, sie in nationales Recht umzusetzen.

Das Gesetz ist zudem der Wasserrahmenrichtlinie aus dem Jahr 2000 untergeordnet. Und nach diesem Rahmengesetz müssen alle Gewässer bis zum Jahr 2015 in einem guten Zustand sein. „Das gilt auch für das Grundwasser“, stellt Jörg Rechenberg klar.

Diese Frist zur Sanierung verschmutzten Wassers lässt sich maximal bis zum Jahr 2027 verlängern. Diese Zeit wird zum Teil auch nötig sein, meint Christa Klaß: „Bis Schadstoffe im Grundwasserkörper ankommen, braucht es oft 20 bis 30 Jahre – ebenso lange dauert es auch, bis Gegenmaßnahmen unten ankommen.“

Der Grenzwert für Nitrat war aber lange Zeit umstritten. Großbritannien und einige Agrarverbände wollten, dass dieser Wert unter landwirtschaftlichen Flächen nicht gilt. Doch diese Position konnte sich im Vermittlungsausschuss nicht durchsetzen.

Hiltrud Breyer, Europaabgeordnete der Grünen, spricht von einem Sieg über die Lobbyinteressen der Landwirte. „Wir wissen noch zu wenig über die Eigenschaften dieses Ökosystems und vorsorgender Grundwasserschutz ist zehnmal günstiger als nachsorgende Maßnahmen.“

Ein Alleingang Großbritanniens konnte nicht akzeptiert werden, betont Christa Klaß. „Wenn britische Bauern mehr düngen und mehr Pflanzenbehandlungsmittel einsetzen dürfen als als Bauern in Frankreich oder Deutschland, hätten wir eine Wettbewerbsverzerrung.“

Handlungsbedarf besteht in Deutschland vor allem bei der Nitratbelastung. Nach Angaben des UBA überschreitet das Grundwasser zurzeit unter rund der Hälfte aller landwirtschaftlichen Flächen die Vorgabe von 50 mg/l.

In zehn Jahren wird sich die Nitratbelastung aber wahrscheinlich ausgebreitet haben. Dann wird der Grenzwert in etwa rund die Hälfte des gesamten Grundwassers überschritten haben, betont Jörg Rechenberg, wenn nicht gegengesteuert wird.

Das bei hohen Belastungen gehandelt werden muss, ist nicht neu. Das verlangt die EU schon mit der Nitratrichtlinie aus dem Jahr 1991: Wird mehr als 50 mg Nitrat pro Liter gemessen, können Landwirte etwa verpflichtet werden, sorgsamer zu düngen.

Die Nitratrichtlinie kennt aber keine Zeitfristen, erklärt Jörg Rechenberg. „Mit der Grundwasserrichtlinie muss dieser Grenzwert bis allerspätestens 2027 eingehalten werden.“

Bei dem Vorsorgeprinzip gehe es um mehr als um Obergrenzen, erklärt Christa Klaß. Sie freut sich, dass das EP in den Verhandlungen mit dem Ministerrat auch erreichen konnte, dass sich die Qualität des Grundwassers nicht verschlechtern darf. Das heißt: Steigt der Gehalt an Nitraten oder Pestiziden auch unterhalb der Grenzwertes an, muss mit einem sorgsameren Einsatz von Dünger und Pestiziden gegengesteuert werden.

Vorsorgender Grundwasserschutz sichert langfristig die Qualität des Trinkwassers, betont Klaß. Sie warnt vor zu hohen Erwartungen. Grundwasser lässt sich nicht von heute auf morgen reinigen. „Es wird 20 bis 30 Jahre dauern, bis die Maßnahmen erfolgreich sind. Es geht also um die Zukunft unserer Kinder.“ RALPH AHRENS

Von Ralph Ahrens
Von Ralph Ahrens

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