Sonst mehr Streiks 10.04.2015, 11:44 Uhr

Gesamtmetall: Wir brauchen die Tarifeinheit in den Betrieben

Der Arbeitgeberverband Gesamtmetall hält das Gesetz zur Tarifeinheit für unverzichtbar, um den Frieden in den Betrieben zu sichern. Sollte das Gesetz nicht kommen, fürchtet Gesamtmetall-Präsident Rainer Dulger, dass sich neue Spartengewerkschaften bilden und es mehr Streiks in den Betrieben gibt. 

Wartende Fahrgäste beim Lokführerstreik 2014 in Düsseldorf: Der Arbeitgeberverband Gesamtmetall befürchtet, dass es ohne Tarifeinheit in den Betrieben mehr Streiks von Spartengewerkschaften geben wird.

Wartende Fahrgäste beim Lokführerstreik 2014 in Düsseldorf: Der Arbeitgeberverband Gesamtmetall befürchtet, dass es ohne Tarifeinheit in den Betrieben mehr Streiks von Spartengewerkschaften geben wird.

Foto: Martin Gerten/dpa

„Die Prozesse in der Industrie sind in einem hohen Maße arbeitsteilig organisiert“, sagte Dulger im Gespräch mit den VDI nachrichten. „Wenn dann zum Beispiel eine Gewerkschaft der CAD-Bediener, der technischen Zeichner oder der Ingenieure gegründet würde, könnten die alle streiken und ein Unternehmen lahmlegen. Das würde nur unseren Wettbewerbern nutzen“, fürchtet der Chef von Gesamtmetall. „Deshalb soll die repräsentative Mehrheit der Beschäftigten in einem Betrieb entscheiden, ob gestreikt wird oder nicht.“

Es bleibt beim Wettbewerb der Gewerkschaften

Dass die Tarifeinheit den Wettbewerb der Gewerkschaften abschafft, sieht Dulger nicht. „Dass es Wettbewerb unter Arbeitnehmervertretungen gibt, ist Realität, solange es Gewerkschaften gibt. Die Auswirkungen der Tarifeinheit auf den Wettbewerb zwischen Gewerkschaften sehe ich nicht als bedrohlich an.“

Großes Lob zollt Dulger dem Gesetzentwurf von Arbeitsministerin Andrea Nahles. „Die Ministerin hat sich mit dem Gesetzentwurf viel Mühe gegeben und sorgfältig gearbeitet, weil sie auch weiß, wie wichtig dieses Thema ist.“ Bei dem Gesetz sei es darum gegangen, „unsere Interessen in der Gesetzgebung wiederzufinden, aber so, dass auch die Interessen der Gewerkschaft nicht unter die Räder kommen“.

Industrie 4.0 kostet keine Arbeitsplätze

Zu Gelassenheit rät der Gesamtmetall-Präsident beim Thema Industrie 4.0. Die vernetzte Produktion wird nach Einschätzung Dulgers die Unternehmen noch wettbewerbsfähiger machen und deshalb trotz Produktivitätszuwächsen keine Arbeitsplätze kosten. „Industrie 4.0 kann die Unternehmen unterstützen und wettbewerbsfähiger machen“, sagte Dulger den VDI nachrichten. „Wenn die Zahl der Menschen im arbeitsfähigen Alter künftig zurückgeht, kann der Wohlstand in Deutschland nur mit einem hohen Produktivitätszuwachs gesichert werden. Auch deshalb ist Industrie 4.0 keine Gefahr, sondern eine Chance.“

Der Präsident des Arbeitgeberverbandes Gesamtmetall, Rainer Dulger, hält das Gesetz zur Tarifeinheit für unverzichtbar, um den Frieden in den Betrieben zu sichern.

Der Präsident des Arbeitgeberverbandes Gesamtmetall, Rainer Dulger, hält das Gesetz zur Tarifeinheit für unverzichtbar, um den Frieden in den Betrieben zu sichern.

Foto: Uwe Anspach/dpa

Von Experten prognostizierte Produktivitätssteigerungen zwischen 30 % und 40 % hält Dulger für möglich. „Produktivitätszuwächse in dieser Höhe sind nicht auszuschließen, aber die werden nicht von heute auf morgen kommen. Es handelt sich um einen evolutionären Prozess.“

Von Industrie 4.0 verstehen Tarifpartner mehr als der Staat

Bei der Einführung von Industrie 4.0 sind die Tarifpartner gefordert, die Regeln festzulegen und die Akzeptanz zu steigern. „Da wird auch hier um Regeln gerungen werden. Aber eines ist ganz wichtig: Wenn sich Handlungsbedarf ergeben sollte, was keinesfalls zwingend so ist, muss es im Betrieb oder gegebenenfalls zwischen Arbeitgebern und Gewerkschaften ausgehandelt werden“, so der Gesamtmetall-Präsident. „Es gibt bei diesem Thema keinen Handlungsbedarf für den Gesetzgeber. Die Tarifpartien verstehen von diesen Problemen und von der Branche mehr als der Staat.“

 

Von Axel Mörer-Funk

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