Italien an der Wand 17.07.2015, 14:19 Uhr

Fuest: Wir brauchen Pleite-Ordnung für Euro-Staaten

Nach der Rettungsaktion für Griechenland hält ZEW-Präsident Clemens Fuest eine Insolvenzordnung für Euro-Länder für dringend notwendig. In Krisenfällen und bei schlechten Ratings müssten Krisenländer künftig wieder höhere Zinsen zahlen, die nicht von den anderen Euro-Ländern ausgeglichen werden. Sorgen macht sich Fuest auch über den Zustand Italiens.

Griechenland-Abstimmung an diesem Freitag im Bundestag mit Bundeskanzlerin Angela Merkel und Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel: Schon rücken auch andere Krisenländer wieder in den Fokus.

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Foto: Wolfgang Kumm/dpa

„Wir müssen den Euro umbauen. Er muss damit leben können, dass seine Mitgliedsländer wirtschaftlich sehr unterschiedlich dastehen“, so der Mannheimer Ökonom im Interview mit der Wochenzeitung VDI nachrichten. Der Euro müsse „verkraften können, dass Staaten in Finanzkrisen geraten. Aber dazu gehört, dass ein wirksames Insolvenzverfahren geschaffen wird.“

Davon erhofft sich Fuest eine heilsame Wirking. „Das sorgt dafür, dass Staaten, die zu hohe Schulden machen, sehr schnell mit höheren Risikozuschlägen leben müssen. Eventuell bekommen sie auch gar keine Kredite mehr.“

ZEW-Präsident Prof. Clemens Fuest fordert nach der Griechenland-Rettung ein Insolvenzrecht für Euro-Staaten.

ZEW-Präsident Prof. Clemens Fuest fordert nach der Griechenland-Rettung ein Insolvenzrecht für Euro-Staaten.

Foto: ZEW

In Zukunft dürfe es auch nicht mehr vorkommen, dass die Staaten Staatsanleihen übernehmen, um die Banken als Gläubiger zu schützen. Künftig müsse klar sein, „dass bei einer zu hohen Staatsverschuldung die Gläubiger ihr Geld verlieren können, wenn das Land in Schwierigkeiten gerät. Klar werden muss den Anlegern, dass auch Staatsanleihen Risikopapiere sind.“ Deshalb sollten künftig nur noch langfristige Anleger wie Pensionsfonds und Versicherungen Staatspapiere halten, aber nicht mehr Banken.

Steigende Zinsen werden Italien, Spanien und Portugal stark belasten

Erhebliche Folgen für die Staatshaushalte von Italien, Spanien und Portugal erwartet Fuest im Fall wieder steigender Zinsen. Besonders Italien werde erhebliche Schwierigkeiten bekommen, fürchtet Fuest im Interview mit der Wochenzeitung VDI nachrichten. Italien stehe finanziell mit dem Rücken zur Wand. „Italien, immerhin drittgrößte Volkswirtschaft unter den mittlerweile 19 Euroländern, macht mir mehr Sorgen als Frankreich“, so Fuest. „Italien hat gewaltige und fundamentale Probleme“, so Fuest.

Die Wirtschaft komme nicht voran.„Das Land generiert seit 15 Jahren kaum Wachstum. Die Verschuldung ist entsprechend hoch“, sagt der Ökonom. „Ich denke mit Schrecken an die nächste Rezession, denn das Land steht finanziell mit dem Rücken zur Wand und besitzt wenig Manövriermasse.“

Nach Griechenland sieht ZEW-Präsident Fuest vor allem Italien in der Krise, sobald die Zinsen steigen. Das Land stehe finanziell mit dem Rücken zur Wand, sagte Fuest den VDI nachrichten.

Nach Griechenland sieht ZEW-Präsident Fuest vor allem Italien in der Krise, sobald die Zinsen steigen. Das Land stehe finanziell mit dem Rücken zur Wand, sagte Fuest den VDI nachrichten.

Foto: Karl-Josef Hildenbrand/dpa

Besser sehe es in Spanien und Portugal aus, aber auch dort würden steigende Zinsen aufs Budget durchschlagen. „Wenn er (der Zins, die Red.) merklich anzieht, werden gerade die hoch verschuldeten Länder wieder in Schwierigkeiten geraten. Problemstaaten wie Spanien und Portugal sind zwar ebenfalls vor allem dank bereits durchgeführter Reformen vom Aufschwung erfasst worden“, so der Mannheimer Ökonom. „Aber vor allem in ihrer Budgetsituation sind sie noch nicht über den Berg.“

Das volle Interview lesen Sie in der digitalen und der Print-Ausgabe der VDI nachrichten.

Von Axel Mörer-Funk

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