Meeresenergie 09.03.2012, 11:59 Uhr

Frankreich: Unterwasserturbine erfolgreich getestet

Zufriedene Gesichter von Technikern und Wissenschaftlern an der bretonischen Küste des Ärmelkanals – eine Unterwasserturbine zur Stromproduktion lief monatelang „in stärkster Strömung“ erfolgreich.

Die Unterwasserspezialisten des Projektführers Electricité de France (EDF) reiben sich die Hände: Im nächsten Herbst soll der Prototyp einer Unterwasserturbine (Durchmesser: 16 m, Gewicht: 1000 t) in 30 m bis 40 m Meerestiefe verankert werden und eine Stromleistung von 2 MW liefern. Den getesteten Maschinen sollen drei weitere Turbinen mit einer Einzelleistung von 500 KW folgen. Sie bilden dann ab 2013 nach EDF-Angaben den „ersten Unterwasserturbinen-Park der Welt“.

Paris hofft auf Spitzenposition bei der Stromgewinnung aus dem Meer

Paris erhofft sich eine herausragende Stellung in der Stromgewinnung aus dem Atlantik, Mittelmeer und dem Ärmelkanal. Die Briten gelten als Konkurrenten, weil der Turbinenbau dort weit fortgeschritten ist. Der EDF-Konzern rechnet damit, an der gesamten nationalen Stromproduktion einen Anteil von 3 % bis 4 % erreichen zu können.

Es ist Frankreichs erster Versuch mit einer Unterwasserturbine in den Ärmelkanalgewässern um die Insel Bréhat im nördlichen Département Côtes-d“Armor. Die Insel liegt in der malerischen Bucht des Seebades Paimpol. Am 22. Oktober wurde das Gerät in 4 h auf 30 m tiefen Meeresboden gesetzt.

Projektingenieure stellten Fischern, Touristikmanagern, Umweltorganisationen und lokalen Körperschaften das Ergebnis vor. Die Gäste von EDF sollen nach einem Bericht der bretonischen Tageszeitung „Le Télégramme“ auf die Präsentation der Testresultate „verhalten optimistisch“ reagiert haben.

Im Blickpunkt der Tester stand der Einfluss der starken Strömung in diesem Meeresabschnitt nördlich der Kleinstadt Saint-Brieuc auf den Turbinenantrieb, weiter ihre elektrische Leistungskraft, die Energieproduktion (sie würde bei einer Leistung von 2 MW über 5000 Haushalte versorgen) sowie das Verhalten der Fischschwärme.

Die von der Brester Werft DCNS gebaute Turbine wurde jetzt gehoben und nach Brest transportiert, wo vor allem der Materialverschleiß untersucht werden soll. Im Sommer kehrt sie an ihren Standplatz zurück. Im Herbst werde sie, so EF, „definitiv“ auf dem Meeresboden verankert. Danach wird ein gelbes, 11,4 cm dickes und 16 km langes Stromkabel zum Teil unter Gestein und Sand verlegt. Welche Ortschaften zuerst Meeresstrom erhalten ist noch nicht entschieden.

Die Unterwasserturbine als Lösung für Stromausfälle an der bretonischen Küste

Die Region Bretagne ist an der Nutzung der starken Strömung vor ihren Küsten brennend interessiert. Sie erwartet von dem 40-Mio.-€-Projekt des EDF-Versorgers einen Schub für die eigene industrielle Entwicklung und eine Sicherung des Strombedarfs.

In den eiskalten Wintermonaten mussten die Bretonen wegen des exzessiven Verbrauchs einen täglichen Stromausfall befürchten. Frühere Pläne der Regierung, in der Region einen Atomreaktor zu bauen, um den Elektrizitätstransport über Starkstromleitungen auf weiten Strecken einzuschränken, scheiterten am entschlossenen Widerstand der Bewohner und Umweltgruppen gegen die Kernkraft. 

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