IFA 2011 02.09.2011, 12:07 Uhr

Europaweites Energielabel wird Pflicht für TV und Weiße Ware

Sie gelten als wahre Energiefresser. Auch in den privaten Haushalten treiben Waschmaschine und Kühlschrank den Strombedarf kräftig in die Höhe. Seit Dezember 2010 gibt es daher für Geschirr- und Waschmaschinen sowie für Kühl- und Gefriergeräte ein neu überarbeitetes EU-Label. Im kommenden November wird die Kennzeichnung mit dem aktualisierten Label EU-weit zur Pflicht – übrigens auch für Fernsehgeräte.

Mehr als 50 % des Strombedarfs pro Haushalt gehen im Schnitt auf Kosten der sogenannten Weißen Ware. Auch Flachbild-Fernseher mit LCD- oder Plasmadisplay schlagen nach Angaben der EU-Kommission mit einem Zehntel des Verbrauchs zu Buche. Ab November soll nun ein überarbeitetes Energielabel die Stromfresser kenntlich machen.

Das neue Label soll die Kaufentscheidung der Verbraucher für energiesparende Geräte erleichtern und den Herstellern weitere Anreize verschaffen, energieeffiziente Produkte zu entwickeln. Die EU-Kommission erhofft sich nach eigenen Angaben einen zusätzlichen Impuls für die Industrie, um Europa wettbewerbsfähig zu halten und zugleich ihre Umweltziele angesichts des Klimawandels zu erreichen.

Deutsche Energie-Agentur sieht in Energielabel einen erfolgreichen Weg

Auch die Deutsche Energie-Agentur sieht eine Kennzeichnung der Energiewerte für einen erfolgversprechenden Weg, Verbrauch und Industrieentwicklung positiv zu beeinflussen. Bereits die zuvor geltende Kennzeichnung habe in Deutschland tatsächlich zur Steigerung der Energieeffizienz bei Haushaltsgeräten beigetragen, teilt die Agentur mit.

Erstmals wird es nun auch für Fernsehgeräte ein einheitliches Label geben, das über den Stromhunger der Modelle Auskunft gibt. Das neue Label muss klar auf den Geräten und auch in Anzeigen erkennbar sein, sobald der Preis beworben wird.

Die verschiedenen Energieklassen werden auch künftig in der gewohnten Farbskala abgestuft von Grün (besonders energieeffizient) über Gelb bis Rot dargestellt. Zusätzlich werden Angaben etwa zu Energieverbrauch pro kWh, Wasserbedarf und zur Geräuschemission gemacht.

„Die Branche hat sich dafür engagiert, dass das Energielabel für Home Appliances für die Kunden möglichst einfach ist und auch auf Fernsehgeräte übertragen werden kann“, erläutert Hans-Joachim Kamp, Aufsichtsrat der gfu und Vizepräsident des Zentralverbands Elektrotechnik und Elektroindustrie e. V. (ZVEI).

90 % der Haushaltsgeräte liegen in der Energieklasse A

Mit immer sparsameren Geräten hat die Industrie in den vergangenen Jahren die Vorgaben der EU allerdings teils deutlich überholt. Die Mehrzahl der Produkte rangiert inzwischen erkennbar oberhalb der zuvor gesetzten Werte und übertrifft damit die ursprünglichen Erwartungen. Nach Angaben der EU-Kommission schaffen es heute bereits 90 % der Haushaltsgeräte in die Energieklasse A. Gerade bei Kühl- und Gefriergeräten hat sich einiges getan. Deshalb führt das neue Label neben den Effizienzklassen von G bis A und A++ für Geschirr- und Waschmaschinen sowie Kühl- und Gefriergeräte zusätzlich die Klasse A+++ ein.

Die neuen Vorgaben stellten wieder eine sinnvolle Hürde dar, die nach einigen Jahren erneut überprüft werden müsse, sagt Kamp. Der CEO des niederländischen Elektronikkonzerns Philips für Deutschland sieht dabei vor allem die Hersteller in der Pflicht. „Es ist die Aufgabe von Industrie und Handelspartnern, für Nachhaltigkeit zu sorgen“, sagt Kamp. Das sei ein ständiger Prozess und die Aufgabe, Forschung und Entwicklung bei der Bestimmung der Rahmenbedingungen mit einzubeziehen.

Verbraucher- und Umweltverbände haben allerdings auch Kritik an der neuen Verordnung angemeldet. Einfach nur eine weitere A-Kategorie einzuführen diene nicht der Transparenz, so der Vorwurf. Die vielen A-Kategorien könnten dagegen eher suggerieren, dass ein mit A ausgezeichnetes Gerät tatsächlich energiesparend sei. Tatsächlich würde ein solches Gerät nach heutigen Standards als wahrer Stromfresser gelten.

Transparenz für den Kunden sei eines der wesentlichen Ziele beim neuen Label gewesen, sagt Kamp. Eine große Herausforderung habe aber auch darin bestanden, dabei EU-weit mit allen Mitgliedsländern einen gemeinsamen Nenner zu finden. „Die Resonanz aus dem Handel ist mehr als positiv“, sagt Kamp. Die Kritiker, die es gegeben habe, hätten „nicht unbedingt eine bessere Idee gehabt“.

Trotz Energielabel besteht Beratungsbedarf für die Kunden

Doch trotz des neuen Labels sieht Kamp Beratungsbedarf für die Verbraucher. Bei der Kaufentscheidung müsse der Kunde auch künftig berücksichtigen, dass Geräte aus unterschiedlichen Leistungsklassen nur schwer vergleichbar seien. So sei natürlich die Energieaufnahme eines einfachen Flachbildfernsehers geringer als die eines 3-D-fähigen Modells mit integriertem Blu-ray-Player und DVB-Empfänger. „Man muss sehr wohl die Ausstattung vergleichen.“ Da dürfe vor allem der beratungsintensive Handel gefordert sein.

Mit der neuen Auszeichnungspflicht könnten Flachbildfernseher mit Plasmadisplay weiter unter Druck geraten, die traditionell einen höheren Energiebedarf haben als Flüssigkeitsbildschirme (LCD).

Laut Cemix-Index, den die gfu gemeinsam mit dem BVT (Bundesverband Technik des Einzelhandels e. V.) und der GfK erstellt, ist der Absatz von Plasma-TV im ersten Halbjahr 2011 erneut um 24,5 % zurückgegangen. „Das ist eine Frage der Zeit, bis sich das am Markt regelt“, sagt Kamp. Für Plasma und große Bildschirmgrößen könne es schon kritisch werden. Inzwischen machten aber LCD und LED bereits über 90 % Anteil an den aktuellen Flachbild-Fernsehern aus.  

  • Renate Grimming

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