Energiepolitik 23.02.2007, 19:26 Uhr

„Energie-Superpower“ made in Kanada  

VDI nachrichten, Bonn, 23. 2. 07, ws – Mit 100 Professuren für erneuerbare Energien stellt sich die Universität von Alberta auf die Forschung von morgen ein. Die kanadische Provinz-Regierung gibt für das neue Profil in Forschung und Lehre 250 Mio. € aus, verteilt auf fünf Jahre. So viel Reform bleibt für deutsche Universitäten ein Traum.

Beim Dinner in Berlin kamen die Kundschafter aus der kanadischen Provinz schnell auf den Punkt: „Wie viel Geld von Auftraggebern haben Sie im Jahr für konkrete Arbeitsvorhaben?“, fragte Carl Amrhein, Vizepräsident der Universität von Alberta in Edmonton. 50 Mio. €, antwortete Ellen Fröhlich, an der Freien Universität zuständig für die so genannten Drittmittel aller Fächer. Spontane Rückfrage: „Aber wie können Sie mit diesem Betrag überhaupt große Forschung organisieren?“ Alle in der Runde wurden für einen Moment blass.

Alberta hat es besser. Die schon oft so genannte „Energie-Superpower“ am Fuß der Rocky Mountains, fast doppelt so groß wie Deutschland, schwimmt mit den weltweit zweitgrößten Erdöl-Reserven nach Saudi-Arabien im Geld – und denkt jetzt schon Jahrzehnte voraus, an eine Zukunft nach dem Abbau des Ölsandsteins.

Die Provinz hat auch große landwirtschaftliche Flächen, mithin Biomasse zur Verstromung. Aus den sprudelnden Steuereinnahmen stellt die schuldenfreie Provinzregierung der Universität jetzt eine Viertelmilliarde Euro zur Verfügung, um in fünf Jahren Weltspitze auf dem Forschungsgebiet erneuerbarer Energiequellen zu werden.

Dann soll sich die neue „Schule für Energie und Umwelt“ selbst tragen können. In einer aktuellen Stellenausschreibung sucht sie auf einen Schlag 100 Professoren der Natur- und Ingenieurwissenschaften. Geboten wird ein Jahresgehalt von 100 000 € plus der nötigen Laborausstattung für Spitzenforschung.

Zum Vergleich: Im Januar verabredeten die Technische Hochschule Aachen und E.ON, der weltweit größte private Energiedienstleister, ein gemeinsames Forschungsinstitut. Wie in Alberta sind „Energieeffizienz und Klimaschutz“ die Themenschwerpunkte. In Aachen werden daran ab kommendem Jahr fünf Professoren arbeiten.

TH-Rektor Burkhard Rauhut spricht von der „bisher größten Public Private Partnership eines Unternehmens mit einer deutschen Hochschule“. Der Stromkonzern gibt 40 Mio. €, verteilt auf zehn Jahre, das heißt auf die doppelte Laufzeit knapp 15 % des Startkapitals, das die „Konkurrenz“ in Alberta hat. Das Aachener Institut strebt eine Zusammenarbeit an. Das empfehlen nicht zuletzt die Sponsoren von E.ON.

Bislang ist Deutschland noch Weltmeister in der Umwelttechnologie. Deshalb war die Erkundungsreise bei deutschen Hochschulen und Firmen für die Kanadier selbstverständlich. Zumal mit Britta Baron eine frühere Führungskraft des Deutschen Akademischen Austauschdienstes für die internationalen Beziehungen der Universität verantwortlich ist. Die Besucher waren bei der Partnersuche bestens vorinformiert, auch über die noch kleine Firma HPC Biotech im Dreiländereck zwischen Sachsen, Polen und Tschechien.

„Wir verarbeiten nicht nur die Kerne aus Ölpflanzen, sondern stets das ganze Gewächs mit Stumpf und Stiel“, erläuterte HPC-Biotech-Geschäftsführer Ralf Hoppenheit. Genau das elektrisiert die Forscher in Kanada: Energie aus der Prärie mit ihrer bunten Pflanzenwelt.

Die TU München, bereits formelle Partneruniversität von Alberta, will in den nächsten Monaten einen Kooperationsvertrag abschließen, erklärt Vizepräsident Rudolf Schilling. „Wir haben viel Know-how, auch für einen umweltfreundlicheren Ölsandabbau, und unsere Freunde das nötige big money für big science, womöglich auch für eine gemeinsame Ausbildung des wissenschaftlichen Nachwuchses.“

Als Spitzenmann an Deutschlands Reformuniversität Nummer eins ist Schilling nicht zuletzt gespannt, ob und wie den kanadischen Kollegen die rasante Neuprofilierung der gesamten Hochschule mit moderner Energietechnik gelingt. „Im Vergleich damit können unsere Reformvorhaben ja leider nur zu sparsamen Reförmchen führen.“ HERMANN HORSTKOTTE

Ein Beitrag von:

  • Hermann Horstkotte

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