Alterssicherung 27.05.2011, 19:53 Uhr

Einkommen bestimmt die Lebenserwartung

Der spätere Renteneintritt wird mit steigender Lebenserwartung begründet. Doch der Zuwachs an Lebenszeit fällt je nach Einkommen unterschiedlich aus.

Gut vier Jahre ist es her, dass die Bundesregierung die Erhöhung des Renteneintrittsalters auf 67 Jahre beschlossen hat. Jetzt plädiert der Sachverständigenrat (Fünf Weise) in einem Gutachten, das er im Auftrag der Bundesregierung erstellt hat, dafür, das Renteneintrittsalter gar auf 69 Jahre zu erhöhen, wenn die Lebenserwartung weiter steigen sollte.

Lebenserwartung: Frauen aus der Armutsrisikogruppe leben acht Jahre weniger

Dass die Lebenserwartung weiter steigen wird, daran lassen Statistiker keinen Zweifel. Die Lebenserwartung der Anfang dieses Jahrzehnts geborenen Männer liegt zwischen 75 und 76 Jahren, die der Frauen zwischen 81 und 82 Jahren. Sie ist damit bei Männern drei Jahre und bei Frauen zwei Jahre höher als zu Beginn der 90er-Jahre.

Und wer zu Beginn dieses Jahrzehnts 65 Jahre alt war, hatte, statistisch gesehen, noch rund 19 Jahre vor sich – Frauen wie Männer. Das tatsächliche Sterbealter lag 2009 bei Frauen im Schnitt bei 80,9 Jahren, bei Männern nur bei 73,2 Jahren.

Hinter hinter den Zahlen zur Lebenserwartung verbergen sich große Unterschiede. Nach Angaben des Robert-Koch-Instituts in Berlin beträgt sie bei Frauen, die aus einer Armutsrisikogruppe kommen, bei Geburt knapp 77 Jahre, bei höheren Einkommen dagegen gut 85 Jahre. Bei Männern liegt die Lebenserwartung bei Geburt bei 70 Jahren (Armutsrisikogruppe) und bei knapp 81 Jahren (höhere Einkommen). Die gleiche Tendenz zeigt sich auch bei der ferneren Lebenserwartung, ab dem 65. Lebensjahr.

Hausmeister sollen länger arbeiten, weil Anwälte länger leben

Hausmeister sollen länger arbeiten, weil Anwälte länger leben, so hat der Ökonomie-Nobelpreisträger Paul Krugman die Forderung in den USA nach längerer Lebensarbeitszeit lakonisch kommentiert.

Ein Armutsrisiko haben nach der Definition der EU Frauen und Männer, deren Haushaltsnettoeinkommen weniger als 60 % des Mittelwertes aller Haushalte beträgt. 2005, als diese Untersuchung durchgeführt wurde, lag der Mittelwert bei 1398 € im Monat. Zu der höheren Einkommensgruppe haben die Forscher des Robert-Koch-Instituts jene Haushalte gezählt, deren Einkommen wenigstens 150 % des mittleren Haushaltseinkommens erreicht.

Bei Arbeitgebern trifft die Empfehlung des Sachverständigenrates, das Renteneintrittsalter zu erhöhen, auf Zustimmung. Der Arbeitgeberverband Niedersachsenmetall begrüßt die von den Fünf Weisen angestoßene Debatte, auch wenn der Verband nicht von einem Renteneintritt mit 69 Jahren spricht. Aufgrund geringer Geburtenzahlen, langer Ausbildungszeiten und steigender Lebenserwartung sei eine längere Lebensarbeitszeit aber „vernünftig.“

Für die IG Metall ist die Forderung nach einem Rentenbeginn mit 69 dagegen „perspektivlos und realitätsfremd“. Von den heute 64-Jährigen sei nur jeder Zehnte sozialversicherungspflichtig beschäftigt, und noch weniger hätten eine Vollzeitstelle, sagt IG-Metall-Vorstand Hans-Jürgen Urban. In körperlich belastenden Berufen, z. B. im Baugewerbe, würden es die meisten schon jetzt nicht bis zum Rentenbeginn mit 65 Jahren schaffen, sagt der IG-Bau-Vorsitzende Klaus Wiesehügel.

Trotz steigender Erwerbstätigkeit sinkt das Arbeitsvolumen

Urban fordert flexible Übergänge in den Ruhestand: mit einer neuen Altersteilzeit, durch verbesserte Erwerbsminderungsrenten, abschlagsfreie Rente nach 40 Versicherungsjahren oder mit dem 65. Lebensjahr. Die niedersächsischen Metall-Arbeitgeber setzen darauf, dass in den Betrieben Mitarbeiter und Management nach Lösungen für altersgerechtes Arbeiten suchen.

Neben einem späteren Rentenbeginn sollte, so die Fünf Weisen, auch das Arbeitsvolumen ausgeweitet werden. Dazu fordern sie mehr Zuwanderung. Doch seit 1991 ist die Zahl der Erwerbstätigen um 5 % gestiegen, das Arbeitsvolumen (die Zahl der gesamtwirtschaftlich geleisteten Stunden) hingegen um 4 % gesunken. Gestiegen ist im gleichen Zeitraum das Bruttoinlandsprodukt: von 1,53 Billionen € auf 2,40 Billionen € – um fast 60 %. 

Ein Beitrag von:

  • Hartmut Steiger

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