Erneuerbare-Energien-Gesetz 24.02.2012, 12:00 Uhr

EEG macht Ökostrom direkt vermarktbar

Zum Jahreswechsel begann eine neue Zeitrechnung beim Verkauf von Strom aus Biogas-, Wind-, Wasser- oder Solarkraftwerken. Das Marktprämien-modell im Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) macht es seither möglich, Ökostrom direkt zu vermarkten. Zu einem virtuellen Kraftwerk zusammengefasst können kleinere Ökostromerzeuger dadurch auch im Regelenergiemarkt mitmischen.

„So richtig los ging es erst zum Jahreswechsel“, erklärt Andreas Keil, Geschäftsführer der Energy2market (E2M) aus Leipzig. Sein Unternehmen vermarktet nicht nur Ökostrom, der meist bäuerlichen Biogasanlagen entstammt und verkauft ihn direkt an Energiekunden. E2M vertreibt ihn auch als Sekundärregelleistung oder positive wie negative Minutenreserveleistung an die Übertragungsnetzbetreiber (ÜNB) in Deutschland.

„Ist zu viel Strom im Netz, werden heute die Vertragspartner angerufen, um die Anlagen herunterzufahren. Das wird später automatisiert passieren“, erklärt Hartmut Bauer vom ÜNB 50Hertz in Berlin zur negativen Minutenreserve.

Der Grund für den Abschaltbedarf liegt hauptsächlich beim hohen Stromaufkommen aus Solarkraftwerken bei vollem Sonnenschein oder aus Windmühlen an stürmischen Tagen. Nicht zu vergessen: Auch der Überschussstrom aus Heizkraftwerken in kalten Nächten wie Anfang Februar erfordert den Einsatz negativer Minutenreserven. Mit der Sekundärregelleistung werden die Strombedarfsspitzen abgedeckt, zum Beispiel zur Kochzeit am Sonntagmittag.

Bisher gingen solche Zu- und Abschaltaufträge der ÜNB meist alleine an die größeren Stromproduzenten. Dafür gab und gibt es Geld vom jeweils zuständigen ÜNB.

Ökostrom-Produzenten bekommen dank EEG ein Stück vom Reservekuchen ab

Von diesem Reservekuchen können jetzt auch die Produzenten von Ökostrom etwas abhaben. Allerdings: Einen Vertrag mit ihrem ÜNB abschließen, das können zum Beispiel Bauern, die eine 500-kW-Biogasanlage betreiben, aber nicht alleine. Die ÜNB verlangen eine Mindestregelleistung von 5000 kW. Daher treten nun neue Energiedienstleister wie E2M auf den Plan: Sie bündeln Kraftwerke, vor allem die Erzeuger von Ökostrom und können am Markt damit als Anbieter der gepoolten Gesamtleistung auftreten. „Virtuelles Kraftwerk“ heißt so ein Konzept.

Wegen der geforderten Regelleistung von mindestens 5 MW sind neue Produktionskonzepte gefordert, „Schwarmkraftwerke“ zum Beispiel. So nannte vor zwei Jahren die Hamburger Lichtblick AG ihre Idee, Tausende stromproduzierender Hausheizungen zu einem virtuellen Kraftwerk zu verbinden und auf Bedarf hoch- und runterzuregeln.

„Zuhausekraftwerk“ von Lichtblick: Ökostrom-Produktion von Zuhause

Heute heißt das Lichtblick-Konzept „Zuhausekraftwerk“. Von denen sind mittlerweile 400 eingebaut, meist in den Ballungsräumen Hamburg, Berlin, Niedersachsen, Bremen, NRW. Die „Präqualifikation“, die Vorphase für Geschäftspartner der ÜNB, haben die Hamburger noch nicht abgeschlossen. Dafür sind inzwischen ein paar andere Anbieter auf der von den ÜNB veröffentlichten Liste im Internet zu finden.

E2M ist einer der Neuen, der sich auf dem Regelenergiemarkt mit dem „Virtuellen Grünen Kraftwerk“ einen Namen machen will. Andere sind zum Beispiel die Kölner Next Kraftwerke („Next Pool“) und Terajoule Energy aus Frankfurt/Main („Grünes Internet der Energie“). Aber auch die Großen mischen mit: RWE und Siemens nahmen bereits Ende 2008 gemeinsam ein virtuelles Pilotkraftwerk in Betrieb.

„Die Kommunikationskästen werden relativ trivial übers Mobilfunknetz angesteuert“, erklärt Matthias Karger, Geschäftsbereichsleiter Virtuelle Regelkraftwerke bei Terajoule, wie sich die angeschlossenen Anlagen mit der Leitzentrale des virtuellen Kraftwerkes verständigen. Doch könne die Elektronik – anders als vom EEG gefordert – die Anlagen „nicht nur runter-, sondern auch stufenlos raufregeln“, je nachdem, was der ÜNB gerade bestellt habe.

Während die Ökokonkurrenz bislang nur mit Minutenreserve auf der ÜNB-Liste vertreten ist, kann E2M seit Anfang Februar wie Stadtwerke und Großkonzerne „auch deutlich höherwertige Sekundärregelleistung zur Verfügung stellen und leistet damit künftig einen noch stärkeren Beitrag zur Netzstabilität“, wie Geschäftsführer Keil feststellt.

Dezentrale Ökostrom-Produktion über die Vermarktung abbilden

Keil sagt, es gehe darum, „die dezentralen Erzeugungsstrukturen der Erneuerbaren auch im Bereich der Vermarktung zu erhalten“. Der E2M-Strom stamme großteils aus Biogas und Holzverbrennung, also landwirtschaftsnah.

„Wir möchten mit regionalen Erzeugergruppen zusammenarbeiten und die auch mitentwickeln“, bekräftigt Keil. Aber „wir sprechen auch mit kleinen und mittleren Stadtwerken und Industriekunden“, man biete auch denen die Infrastruktur zur Vermarktung von Regelleistung, also „Marktzugang durch Bündelung“.

Als Ziele für 2012 nennt der E2M-Chef: „Im Gesamtkraftwerk über alle Technologien über 2500 MW vereinen, im Bereich der Regelbaren 500 MW. Die sind bei den regelbaren Bioenergien zur Hälfte, bei Wind oder Sonne zu zwei Drittel bereits erreicht“, lautet sein Zwischenergebnis nach gerade mal zwei Monaten Marktprämie.

Weil – wie offiziell bekannt ist – inzwischen 14 500 MW Windkraftwerke nicht mehr über das EEG, sondern direkt vermarktet werden, ist für Hendrik Sämisch von Next Kraftwerke „jetzt schon klar: Das Marktprämienmodell wird angenommen“. Seine Firma selbst habe bislang etwa 10 MW unter Vertrag, doch seien das vor allem konventionelle Notstromaggregate für negative Minutenleistung. Aber Next wolle noch im Jahr 2012 „Leistung im dreistelligen MW-Bereich vermarkten“, möglichst von Bauern in Biogas-BHKW (Blockheizkraftwerken) erzeugt.

Laut Katinka Königstein liegt Lichtblicks „Zielmarke langfristig bei 100 000 Zuhausekraftwerken“. Während die Sprecherin über konkrete Vertragspläne ihres Unternehmens mit den ÜNB nichts sagt, setzt die Netzwirtschaft wohl große Hoffnung auf breit verteilte, virtuelle Kraftwerke: „Lichtblick dürfte in einem Jahr Sekundärregelung anbieten und Minutenreserve. Um die 1000 Anlagen wären uns wegen Verteilung und Wetter ganz lieb“, gibt 50Hertz-Mann Bauer ungeniert zu.

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