Klimapolitik 23.03.2007, 19:27 Uhr

„Die Industrialisierung beschleunigt die Verarmung“  

den Klimawandel und den rasanten Verlust der Artenvielfalt. Wissenschaftler sollen nun die ökonomischen Folgen das Artensterbens klären.

Zurzeit überzieht ein rätselhaftes Bienensterben den Erdball. In Teilen der USA sind bereits 70 % der Bestände ausgelöscht. Auch in Europa gehen immer mehr Bienenvölker zugrunde. Stürbe die Biene aus, ginge es auch dem Mensch an den Kragen. Denn ein Drittel unserer Nahrung ist direkt oder indirekt von den natürlichen Bestäubern abhängig.

Die ökonomischen Folgen des Artensterbens macht sich kaum jemand bewusst. Das soll sich ändern, war der Tenor auf dem informellen Treffen von Umweltministern der acht wichtigsten Industriestaaten (G8) und der fünf Schwellenländer Chinas, Indien, Mexiko, Brasilien und Südafrika letzte Woche in Potsdam.

„Wir werden einen Stern-Report zur Artenvielfalt in Auftrag geben“, erklärte Bundesumweltminister Sigmar Gabriel. Der Report soll analog zum Klimareport von Nicholas Stern klären, welche ökonomischen Konsequenzen durch den Artenverlust drohen. Zudem beschlossen die Minister das Thema auf die Tagesordnung des G8-Gipfels in Heiligendamm zu setzen.

„Wir löschen die Datenbank der Natur in rasender Geschwindigkeit“, so Gabriel – täglich sterben 150 Arten aus. Damit gehe eine ernste Bedrohung für den Welthandel einher. Beispiel Fischfang: Mittlerweile sind 46 % der Fischarten in ihrer Existenz bedroht. Schon 2050 drohe nach Angaben von Gabriel das Ende der kommerziellen Fischerei, weil es dann in den Meeren einfach nichts mehr zu fischen gebe.

Verschärft wird die Lage durch die Bevölkerungsexplosion bei gleichzeitig schrumpfenden Rohstoffreserven. Um künftig 9 Mrd. Menschen zu ernähren und mit Energie zu versorgen, muss die Nutzung nachwachsender Rohstoffe intensiviert werden. Doch schon heute, wo Biomasse erst wenige Prozent des Bedarfs deckt, werden Regenwälder für Biokraftstoffe abgeholzt und Energiepflanzen in riesigen Monokulturen angebaut.

Die Minister wollen Zertifizierungssysteme, um einen nachhaltigen Anbau der pflanzlichen Rohstoffe zu erreichen. Doch das Problem des Flächenfraßes und der Zersplitterung natürlicher Lebensräume bleibt. Zudem steigen die Ansprüche. Aktuell leben 1,5 Mrd. Menschen in industrialisierten Regionen. Bald werden es 4 Mrd. sein. „Anders als oft behauptet, beschleunigt Industrialisierung die Verarmung, statt sie zu verringern“, sagte der Bundesumweltminister.

Die Minister waren sich laut Gabriel in diesen Analysen weitgehend einig, wobei etwa die japanische Delegation zur Fischerei dezent schwieg. Doch der Konsens reichte, um das Artensterben weit nach oben auf der politischen Agenda zu rücken. Noch vor dem Gipfel in Heiligendamm soll der Report in Auftrag gehen und im Mai nächsten Jahres vorliegen.

Zudem soll künftig eine ähnliche internationale Organisation wie der Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC) über den Schutz der Arten wachen. Die EU-Kommission hat dafür bereits maßgebliche finanzielle Unterstützung zugesagt.

In Potsdam machten die Entwicklungsländer deutlich, dass sie sich mit einer Außenseiterrolle im Umweltschutz nicht mehr zufrieden geben. Sie haben seit Rio ihre Aktivitäten enorm erhöht. Brasilien hat den Holzeinschlag in den Regenwäldern um die Hälfte reduziert, China riesige Aufforstungsprogramme gestartet und Südafrika weite Küstengebiete unter Schutz gestellt. „Der Zuwachs der Naturschutzgebiete von 8 % auf 11 % unserer Erde geht vor allem auf Entwicklungsländer zurück“, betonte Gabriel.

Zwietracht auch beim zweiten Thema des Gipfels, dem Klimawandel. Die Umweltminister konnten sich nur zur Anerkennung jüngster wissenschaftlicher Erkenntnisse durchringen. Wie es nach dem Kyoto-Abkommen konkret weitergehen könnte, blieb offen.

Zumindest hat die Ministerrunde direkte Zusammenhänge zwischen Klimawandel und Artensterben ausgemacht. So drohe am Amazonas ein Temperaturanstieg von bis zu 8 °C. Das würde nicht nur das Ökosystem in dem wohl artenreichsten Gebiet der Erde völlig auf den Kopf stellen. Darüber hinaus werde die Speicherfähigkeit der wichtigen CO2-Senke dramatisch sinken. Und das wiederum beschleunigt die Erderwärmung. Konsens sei, so Gabriel, dass künftig die Verbindung von Wirtschaftsentwicklung und Klimaschutz im Mittelpunkt stehen müsse. PETER TRECHOW

Datenbank der Natur in rasendem Tempo gelöscht

  • Peter Trechow

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