Wirtschaft 27.02.2009, 19:39 Uhr

Die etwas anderen Geschäftsideen  

Die Suche nach zündenden Geschäftsideen führt zuweilen in komische Gefilde. Ob Geldvernichtungsmaschinen, essbare Unterwäsche, Sockenabonnements, Miethunde oder Gebetautomaten: keine Idee ist zu kurios – solange der Erfolg stimmt. VDI nachrichten, Düsseldorf, 27. 2. 09, sta

In Comics gibt es die verrücktesten Maschinen: Kaffeemühlen in Auspufftöpfen, Knackwurst-Bringanlagen oder Fliewatüüts, die mit Himbeersaft angetrieben werden. Alles Unsinn? Nicht unbedingt. Auch im echten Leben gibt es außergewöhnliche Geräte oder Dienstleistungen, die sehr wohl nachgefragt werden.

Ein Beispiel ist der Regenschirmautomat von Charles Ejogo. Die Idee dazu entstand 2005 – natürlich in London. Der ehemalige Banker Ejogo war nach Feierabend einmal mehr vom Regen an der Themse überrascht worden und erreichte sein Zuhause erst, als er triefend nass war. Unterwegs hatte er sich gewünscht, dass ein Automat auftauchen möge und ihm einen Schirm anbiete.

Ein Jahr später war der erste Prototyp fertig. Heute wird der 45 Schirme fassende Automat längst in großen Stückzahlen produziert. Er hängt beispielsweise in den Clubs, Bars und Pubs der Kette Novus Leisure. Viele der Kunden gestalten den Automaten in ihrem Corporate Design, nutzen ihn also als Werbeträger. Die Schirme selbst kosten bis zu 3,50 €. Inzwischen stehen die „Umbrolly“-Maschinen auch auf dem europäischen Festland und in den USA.

Einen solchen Siegeszug hat der „Gebetomat“ noch vor sich – vielleicht. Erfinder Oliver Sturm glaubt daran. Bisher hat der Opernregisseur drei Exemplare des umgebauten Passbildautomaten aufgestellt. Er strebt nicht das große Geld an, kann sich aber vorstellen, dass seine spirituellen Rückzugsräume künftig Verbreitung in Flughäfen, Bahnhöfen, Raststätten oder Fußgängerzonen finden. Für 50 Cent können Gläubige und Interessierte sich darin fünf Minuten lange Gebete aus verschiedensten Religionen und in verschiedensten Sprachen der Welt anhören.

Auf ein besonderes Angebot setzt auch das US-Unternehmen FlexPetz. Es bietet lebendige Hunde an – aber nur zur Miete. Hundeliebhaber, deren Lebensumstände keinen Platz für einen eigenen Vierbeiner lassen, können sich hier stunden-, tage- oder wochenweise einen wohlerzogenen, zwei- bis maximal fünfjährigen, tierärztlich versorgten und vorsorglich mit GPS-Halsband ausgerüsteten Waldi leihen. Die Gebühr ist happig: Der monatliche Grundbeitrag beträgt 99,95 $, zu denen nochmals 45 $ pro angebrochenem Tag mit dem Hund kommen. Wer nicht dazu kommt, einen Hund zu holen, zahlt monatlich mindestens vier Tagessätze. Zudem sind einmalig 99,95 $ Verwaltungsgebühr und 150 $ für ein Einführungstraining und die Registrierung im Online-Buchungssystem fällig. Trotz dieser Preise scheint das Geschäft zu laufen. Gründerin Marlena Cervantes will neben den bisherigen Standorten New York, Los Angeles und London weitere Stationen in San Francisco, Boston, Washington und Paris eröffnen.

Auf ganz andere Art und Weise macht die Münchener Zweinullvier Werbeagentur GmbH ihre Kunden zu Tierhaltern. Sie zaubert ihnen Hunde, Pferde oder auch Elefanten in die Garage. Das zumindest könnten Passanten auf den ersten Blick denken. Bei genauem Hinsehen wird jedoch klar, dass es sich bei dem animalischen Treiben lediglich um aufgedruckte Bilder handelt.

Wer keine Tiere mag, kann sich auch Düsenjets, Formel-1-Boliden oder Panzer aus Garagentor heften lassen. Bezahlen muss er dafür 199 € – plus Lieferkosten. Dafür gibt es das torgroße Bild auf wetterfestem, lichtechten Hochleistungsgewebe. Die Montage mit Klettverschlüssen ist laut Anbieter in 15 Minuten erledigt.

Eines der Garagenmotive zeigt zwei spärlich bekleidete junge Damen. Sicher nicht Jedermanns Sache – was auch auf die essbare Unterwäsche zutrifft. Wie auf gleichnamiger Webseite unschwer zu erkennen ist, handelt es sich dabei nicht um eine umweltschonende Alternative zum Waschen. Vielmehr buhlen diverse Anbieter um Paare, die sich die knappe Wäsche aus Weingummi und anderem Süßkram vom Leibe beißen wollen. Fester Glauben an Ideen und Beharrlichkeit machen es möglich.

Das trifft auch für den inzwischen boomenden Markt der Socken-Abonnements zu. Die Idee, Kunden regelmäßig mit Socken zu beliefern, geht auf Samy Liechti zurück. Seit 1999 hat der Schweizer über 1 Mio. Paar Wadensocken verschickt. Seine Blacksocks AG hat inzwischen auch Unterwäsche im Programm – und der Rubel rollt.

Das ist bei der Penny Press Europe GmbH zunächst mal nicht der Fall. Die Berliner bieten nämlich Automaten an, die herkömmliche Centmünzen in ovale Erinnerungsmünzen mit standortbezogenem Motiv umpressen. Was genau auf die Münze kommt, bestimmen die Aufsteller, denen keine Kosten entstehen. Vielmehr werden sie am Automaten-Umsatz beteiligt und können über „Penny Press Touren“ neue Besuchergruppen erschließen. Auf den Touren will Penny Press seine geldzerstörende Klientel von Automat zu Automat bringen. Darauf muss man erstmal kommen… P. TRECHOW

Ein Beitrag von:

  • Peter Trechow

    Peter Trechow ist Journalist für Umwelt- und Technikthemen. Er schreibt für überregionale Medien unter anderem über neue Entwicklungen in Forschung und Lehre und Unternehmen in der Technikbranche.

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