Interview: VDI-Zukunftskongress 14.09.2012, 11:52 Uhr

„Der VDI gestaltet den Diskurs mit“

Immer mehr Bürger erheben ihre Stimmen, wenn es um große Infrastrukturprojekte geht. Der VDI reagiert und veranstaltet am 16. Oktober einen Zukunftskongress zu dem Thema in Frankfurt. VDI-Direktor Willi Fuchs erklärt, welche Rolle Ingenieure im gesellschaftlichen Diskurs einnehmen könnten.

VDI-Direktor Willi Fuchs.

VDI-Direktor Willi Fuchs.

Foto: VDI

VDI nachrichten: Herr Fuchs, am 16. Oktober veranstaltet der VDI einen Zukunftskongress unter dem Motto „Infrastruktur für unsere Zukunft – Gesellschaftlich tragfähige Lösungen entwickeln“. Welches Ziel verfolgen Sie?

Fuchs: Es geht um die Problematik der großen Infrastrukturprojekte, die jetzt notwendigerweise auch mit der Energiewende zusammenhängen. Die Menschen in unserem Land verhalten sich ambivalent: Sie wissen, dass sie von der Technik leben und diese gerne für den täglichen Gebrauch nutzen, aber wenn es um Großprojekte geht, herrscht oft Verunsicherung. Bürgerinnen und Bürger verlangen nach mehr Integration.

Bisher haben wir als Ingenieure eine eher technokratische Sichtweise bevorzugt. Wir waren der Meinung: Das ist aus technischer Sicht notwendig und somit für jeden auch logisch. Aus technischer Sicht scheint dies richtig zu sein, denn wir müssen zum Beispiel die Versorgungssicherheit während der Energiewende garantierten. Und auch die Logistik muss sichergestellt werden. Diese Anforderungen müssen Ingenieure technisch lösen.

Der VDI-Zukunftsprozess richtet sich daher an Fachleute, um aufzuzeigen, wo unsere Möglichkeiten der Einflussnahme liegen. Wir wollen weg von der technokratischen Sichtweise hin zur gesellschaftlich-ganzheitlichen Sichtweise.

Kann es Aufgabe von Ingenieuren sein, gesellschaftliche Akzeptanz für technische Neuerungen zu kreieren?

Wir müssen an diesem Prozess teilnehmen! Ingenieure können sich nicht ausklammern und im Zweifelsfall anderen Gruppen das Feld überlassen oder ihnen die Schuld zuschieben. Der moderne Ingenieur darf nicht nur Problemlöser, er muss vor allem auch Zukunftsgestalter sein. Wenn wir das sein wollen, müssen wir uns auch mit Fragestellungen außerhalb der technischen Welt auseinandersetzen.

Welche Rolle muss die Politik in dieser Frage spielen?

Die Politik ist dafür da, die Rahmenbedingungen zu setzen. Die Umsetzung muss dann aber von den Experten und Fachorganisationen gestaltet werden. Die Politik kann sagen: „Ja, wir wollen die Energiewende.“ Aber bei dem „Wie?“ sollte sich die Politik zurückhalten.

Gibt es einen Mangel an Technikakzeptanz im Land?

Diese Frage mit einem klaren Ja oder Nein zu beantworten, ist nicht möglich. Wir haben deshalb Ende 2011 vier interdisziplinäre Arbeitsgruppen zu den Themen Bürgerbeteiligung, Kommunikation, Planungsrecht sowie Ingenieur und Gesellschaft eingesetzt, die auf diese Frage Antworten finden sollen. Ich möchte die Antworten nicht vorwegnehmen, aber eines kann ich sagen: Die Arbeitsgruppen haben über den Tellerrand geschaut und dadurch eine Vielzahl neuer Lösungsvorschläge erarbeitet. Somit wurde nicht nur die Technik, sondern viele Befindlichkeiten und Bedenken betrachtet, die wir nicht mehr ausblenden dürfen!

Können Sie die Bedenken der Menschen verstehen, auch wenn sie damit die Technik ausbremsen?

Natürlich. Wenn ich als Bürger nach und nach über Probleme informiert werde, wie zum Beispiel beim Berliner Flughafen: Wie sich nach und nach herausstellt, dass es deutlich teurer wird, immer mehr technische Probleme auftauchen, sich das gesamte Projekt verzögert, dann schürt das das Misstrauen und der Glaube an Experten geht verloren. Beim nächsten Projekt fragen sich die Menschen, ob man den Informationen überhaupt noch trauen kann.

Hat der VDI den Dialog zwischen Ingenieur- und Gesellschaftswissenschaften in den letzten Jahren vernachlässigt?

Nein, weil wir sehr stark versucht haben, Technik und Gesellschaft durch interdisziplinäre Gruppen zu verbinden. Da aber den gesamtgesellschaftlichen Diskurs nicht nur der VDI allein führen kann, veranstalten wir den Zukunftskongress in Kooperation mit 14 weiteren Ingenieurorganisationen.

Der Zukunftskongress richtet sich an Fachleute. Wann erreicht der Prozess den Bürger?

Wir fangen mit dem Zukunftskongress an, auf dem wir mit Fachleuten die Ergebnisse der Arbeitsgruppen diskutieren und reflektieren. Die Rückmeldungen werden in Arbeitsgruppen erneut diskutiert. Mit diesem abgerundeten Bild findet im Februar 2013 ein Dialog mit der Politik statt. Die endgültigen Verlautbarungen veröffentlichen wir im Mai 2013 auf dem Deutschen Ingenieurtag.

Manche sagen: Wenn die Bürger zu Großprojekten befragt würden, wären viele infrastrukturelle Errungenschaften der letzten Jahre nicht möglich gewesen. Teilen Sie diese Ansicht?

Wenn Sie diese Frage auf die Zukunft projizieren, sage ich eindeutig: Nein! Die Menschen, die bei Stuttgart 21 protestierten, waren bei den Genehmigungsverfahren nicht dabei. Aber sie haben sich über moderne Kommunikationskanäle zusammengefunden und Proteste organisiert.

Das wird in Zukunft noch intensiver werden. Es wird darauf ankommen, wie man informiert – und da machen wir als VDI Lösungsvorschläge, die wir Firmen und handelnden Personen, die Infrastrukturprojekte umsetzen müssen, anbieten und mit ihnen diskutieren.

Bei einer Befragung und Diskussion mit den Bürgern lernt jeder von uns, was akzeptabel für mein Gegenüber ist und was nicht. Das heißt, man muss auch zuhören können. 

  • Lisa Diez-Holz

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