Klimapolitik 14.09.2007, 19:30 Uhr

Den Gegnern war die Beweislage zu schwach  

das Montreal-Protokoll zum Schutz der Ozonschicht. Langsam, aber sicher zeigt es Erfolge.

Klare Ziele für das schrittweise Verbot der Ozon zerstörenden Fluor-Chlor-Kohlenwasserstoffe (FCKW) waren die Errungenschaft des Montreal-Protokolls. Doch dabei blieb es nicht. Seit 1987 wurde es immer wieder an neue wissenschaftliche Erkenntnisse und technische Entwicklungen angepasst. Die Industrieländer finanzierten einen Fonds, der den Entwicklungsländern beim Ausstieg helfen soll.

Dass es überhaupt so weit kam, galt schon als großer Erfolg. Neben den umweltbewussten skandinavischen Ländern hatten sich vor allem die USA für den Schutz der Ozonschicht eingesetzt. Man vertraute den aktuellen Forschungsergebnissen, und auch ein umweltbewusstes Echo der Carter-Zeit war wohl noch im Spiel die USA hatten 1978 als erstes Land FCKW in Spraydosen verboten.

Es waren die Vertreter der Europäischen Gemeinschaft, auch aus Deutschland, die verbindliche Ziele zum Verbot von FCKW verhinderten – hier hatte sich die chemische Industrie durchgesetzt.

Den Gegnern war die Beweislage zu schwach. Das Abkommen basierte allein auf der Theorie der amerikanischen Chemiker Sherwood Rowland und Mario Molina von der University of California in Irvine.

Sie hatten herausgefunden, dass die FCKW, die aus Spraydosen, Schaumstoffen oder kaputten und Kälteanlagen in die untere Atmosphäre gelangen, dort nicht abgebaut werden, sondern bis in die Stratosphäre gelangen. Dort, so Rowland und Molina, werden sie durch die harte UV-B-Strahlung zerlegt, es entstehen aggressive Chlor-Radikale, die mit Ozon reagieren. So könne peu à peu die Ozonschicht zerstört werden, die das Leben auf der Erde vor dieser UV-Strahlung schützt. Beweisen konnten die Chemiker ihre 1974 veröffentlichte Theorie jedoch nicht.

Entscheidend für das Zustandekommen des Montreal-Protokolls war ein Artikel, der im Mai 1985 im Wissenschaftsmagazin Nature erschien: Drei Mitarbeiter des British Antarctic Survey – Joe Farman, Brian Gardiner and Jonathan Shanklin – berichteten, dass der Ozongehalt der Stratosphäre über dem Südpol seit den 70er-Jahren dramatisch zurückgehe – als Folge der zunehmenden FCKW-Konzentration in der Atmosphäre.

Ihre Erkenntnisse basierten auf Messungen seit Mitte der 50er-Jahre. „Es war schon ein bisschen frech, den Rückgang des Ozons auf die Wirkung von FCKW zurückzuführen“, meint Jonathan Shanklin, einer der drei Ozonloch-Entdecker. „Der Zusammenhang war so deutlich, dass die Leute es für bare Münze nahmen – obwohl wir keine passende Theorie dafür hatten.“ Denn was sie entdeckt hatten und bald den Namen „Ozonloch“ bekam, war mit der Theorie von Rowland und Molina nicht zu erklären.

„Es gab Reaktionen, die wir nicht kannten an Oberflächen, von denen wir nichts wussten“, sagt Sherwood Rowland. Die Reaktionen, die das Ozonloch über der Antarktis verursachen, laufen an den Oberflächen kleiner Eiskristalle in den so genannten Polaren Stratosphären-Wolken ab, in 12 km bis 20 km Höhe, wo sich auch ein Großteil des Ozons befindet. Von denen hatten Rowland und Molina nichts geahnt – ihre Hypothese bezog sich auf Abläufe in rund 30 km Höhe.

In Industrieländern sind FCKW heute nur noch in geringen Mengen mit Ausnahmegenehmigung im Gebrauch, z. B. in Asthmasprays oder Dämmstoffen für feuergefährdete Räume die sehr ähnlichen Halone stecken noch in Feuerlöschanlagen von Flugzeugen.

Für Entwicklungsländer gelten zum Teil längere Ausstiegsfristen. In den meisten Kühl- und Kälteanlagen zirkulieren FCKW-Ersatzstoffe wie R134a, die zwar nicht die Ozonschicht schädigen, dafür aber den Treibhauseffekt verstärken. Und es werden immer mehr, vor allem durch den Boom bei Gebäudeklimaanlagen in Asien.

Diese FCKW-Ersatzstoffe schädigen indirekt auch wieder die Ozonschicht, erklärt Jonathan Shanklin: „Durch die zusätzlichen Treibhausgase erwärmt sich die Troposphäre, aber die Stratosphäre darüber kühlt sich ab. Deshalb entstehen über den Polen mehr Stratosphären-Wolken, und in denen laufen die chemischen Reaktionen ab, die das Ozon abbauen. So verlangsamt der Treibhauseffekt die Erholung der Ozonschicht um einige Jahrzehnte.“

In 50, 60 Jahren, so die Prognosen, wird sich die Ozonschicht erholt haben, wenn auch nicht kontinuierlich – verschiedene atmosphärische Einflüsse sorgen für Schwankungen von Jahr zu Jahr. „Aber die Menge der Ozon zerstörenden Substanzen in der Atmosphäre sinkt – und das ist eindeutig ein Erfolg des Montreal-Protokolls und all seiner Ergänzungen“, resümiert Jonathan Shanklin. RENATE ELL

Beim Ozonloch sperrten sich die Deutschen gegen den notwendigen Umweltschutz

Ein Beitrag von:

  • Renate Ell

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