Energiepolitik 18.02.2011, 19:51 Uhr

„Das EEG ist bisher trotz aller Nachteile sehr erfolgreich“

Nach Meinung des VDI ist es für erneuerbare Energien wesentlich, wettbewerbsfähig zu werden, sollen sie mehr im Energiemarkt genutzt werden. Martin Kaltschmitt, Leiter des Instituts für Umwelttechnik und Energiewirtschaft der TU Hamburg-Harburg und Obmann des VDI-Fachausschusses Regenerative Energien, erläutert, wie die Politik die Rahmenbedingungen für einen erfolgreichen Ausbau erneuerbarer Energien gestalten sollten.

VDI nachrichten: Was sind die dringendsten Aufgaben im Bereich erneuerbarer Energien, die zu bewältigen sind?

Kaltschmitt: Zum Ersten sollten die Energiegestehungskosten einer Wärme-, Strom- und Kraftstofferzeugung – unter Minimierung möglicher kostentreibender Konkurrenzen – weiter reduziert werden. Zum Zweiten gilt es die damit erzielbare Klima- und Umweltentlastung zu maximieren.

Als dritter, nicht technologiebezogener Punkt sollte die Akzeptanz bei einer zunehmend technikkritischeren Bevölkerung deutlich verbessert werden. Dazu sollten die jeweils erreichten Fortschritte den Bürgern kontinuierlich nahegebracht werden, und zwar mithilfe griffiger und nachvollziehbarer Nachhaltigkeitsindikatoren. Dies fördert die Bereitschaft und das Verständnis, die damit verbundenen Lasten zu tragen.

Was sind die zentralen Forderungen des Fachausschusses „Regenerative Energien“ an die Politik?

Die Bundesregierung sollte verbindlich und parteiübergreifend für jedes Jahr konkrete Zielkorridore für den Wärme-, den Strom- und den Kraftstoffmarkt festlegen. Um diese jeweiligen Jahresziele sicher und konfliktarm zu erreichen, ist eine langfristige Hand in Hand gehende Doppelstrategie aus Markteinführung und Forschungsförderung notwendig.

Diese Doppelstrategie gilt es konsequent – auch über die Legislaturperioden hinweg – zu verfolgen. Die dafür nötigen energie- und umweltpolitischen Rahmenbedingungen sind belastbar und langfristig stabil zu definieren.

Bei der Markteinführung erneuerbarer Energien im Bereich Wärme, Strom und Kraftstoffe sollte die Politik darauf achten, die einzelnen Technologien weder zu über- noch zu unterfördern beides ist kontraproduktiv. Auch darf sie bei der turnusgemäßen Novellierung des energiepolitischen Rahmens die Marktteilnehmer – im Sinne einer kontinuierlichen Entwicklung – nicht verunsichern.

Bei der Forschung muss die jeweilige Anlagentechnik mit dem primären Ziel weiterentwickelt werden, wirtschaftlich und ökologisch effizienter zu werden.

Auch müssen wir Konzepte erarbeiten, wie sich die verschiedenen Varianten zur Nutzung erneuerbarer Energien zukünftig besser miteinander kombinieren lassen. So können wir die physikalisch bedingten Nachteile einzelner Energieerzeugungssysteme durch die Stärken anderer Systeme ausgleichen.

Zusätzlich sollten wir versuchen, vermehrt ideologiefrei die Synergiepotenziale zwischen konventionellen und regenerativen Energien zu nutzen.

Zurzeit besteht eine Akzeptanzdiskussion bei erneuerbaren Energien. Wie stellt sich dies aus Ihrer Sicht dar?

Eine Akzeptanzdiskussion besteht bei vielen größeren Projekten auch außerhalb des Energiesektors. In einer zunehmend technikkritischeren Gesellschaft in Deutschland, die durch das Internet einfach und schnell Zugriff auf immer mehr Information hat, werden derartige Probleme zukünftig auch eher noch zunehmen. Lösbar sind die damit verbundenen Herausforderungen kurz- bis mittelfristig nur durch nachvollziehbare und begründete Konzepte. Landläufig heißt das: dicke Bretter bohren.

Wir sollten hier mit überzeugenden Sachargumenten vorhandene Fronten sukzessive aufweichen. Dazu brauchen wir oft eine deutlich bessere Informationspolitik und eine weitergehende Einbindung der wesentlichen gesellschaftlichen Gruppen in den Entscheidungsfindungsprozess auch wenn dies zeit- und damit kostenintensiv ist.

Langfristig ist es nötig, dass es im Rahmen eines gesellschaftlichen Diskurses zu einem Paradigmenwechsel kommt und der Beitrag der Technik zur Problemlösung wieder mehr in den Vordergrund und in das Bewusstsein der Bevölkerung tritt.

Es wird langsam bewusst, dass der Umbau der Energieversorgung Geld kostet. Wie beurteilen Sie in diesem Zusammenang das Erneuerbare-Energien-Gesetz?

Die Diskussion beim Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) dreht sich zurzeit fast ausschließlich um die Kosten. Sie muss aber durch eine Debatte um die Kosten-Nutzen-Relation abgelöst werden. Denn der Verbraucher trägt langfristig letztlich nur die Differenz zwischen Kosten und Nutzen beziehungsweise, wenn der Nutzen überwiegt, profitiert er entsprechend. Vor diesem Hintergrund ist das EEG ein Instrument, das sich bisher trotz aller Nachteile in vielerlei Hinsicht als sehr erfolgreich erwiesen hat.

Auch ist das EEG ein integraler Bestandteil der deutschen Energie- und Klimaschutzpolitik. Und eine hier verankerte Zielgröße ist eine sichere Energieversorgung, die essenziell für jede Volkswirtschaft ist. Deshalb gibt es praktisch keinen Energieträger, der nicht in der einen oder anderen Form durch die politische Rahmensetzung beeinflusst und gesteuert wird. Die dabei anfallenden Belastungen haben zu allen Zeiten die Verbraucher getragen. Das Erneuerbare-Energien-Wärmegesetz (EEWG), das EEG und das Biokraftstoffquotengesetz sind da keine Ausnahme.

Ein grundsätzliches Problem des EEG ist, dass die Vergütung sich an der Strommenge orientiert, die der Netzbetreiber abnehmen muss, in dessen Netz der Strom eingespeist wird. Zwangsläufig werden so Gesamtsystemaspekte außer Acht gelassen, wie sie bei höheren Anteilen regenerativer Energien im Stromnetz auftreten können. Für die Zukunft sollte daher entweder das EEG im Hinblick auf Systemaspekte weiterentwickelt werden, oder man löst es mittelfristig durch ein anderes Instrument ab. Die bisherige Diskussion lässt hier noch keinen Königsweg erkennen. Aus Sicht des Fachausschusses „Regenerative Energien“ spricht aber vieles für ein um Systemaspekte erweitertes EEG. S. W. EDER

Von S. W. Eder

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