Wirtschaft 18.03.2011, 19:52 Uhr

Das Beben hat Japans Wirtschaft tief erschüttert

Erdbeben und Tsunami haben in Japan immensen Schaden angerichtet. Viele Fabriken müssen geschlossen bleiben. Vor allem Chipindustrie und Fahrzeugbau leiden unter Produktionsausfällen.

„Das ist die schwerste Krise für unser Land seit dem Zweiten Weltkrieg“, erklärt der japanische Premierminister Naoto Kan Anfang dieser Woche. Die Regierung erwartet, dass sich die Stimmung der Haushalte verschlechtern und die Produktion als Folge des Bebens einbrechen wird. Japans Wirtschaft war bereits im letzten Quartal des vergangenen Jahres geschrumpft. Auch wenn für die beiden ersten Quartale 2011 eine Rezession erwartet wird, rechnen die meisten Analysten damit, dass Japans Wirtschaft bis Ende des Jahres auf einen Wachstumspfad zurückkehrt.

Dabei spielt nicht zuletzt eine Rolle, dass die drei am stärksten betroffenen Präfekturen lediglich 2,5 % des Bruttoinlandsprodukts erwirtschaften. Das Wachstum dürfte vor allem durch den beginnenden Wiederaufbau angefacht werden – immer vorausgesetzt, dass eine radioaktive Verstrahlung weiter Teile des Landes verhindert werden kann.

Wichtige japanische Branchen sind in unterschiedlicher Weise von der Katastrophe betroffen – ein Überblick:

Fahrzeugbau: Japans Autoproduzenten haben Mitte der Woche teilweise begonnen, ihre Fabriken wieder zu öffnen. Toyota, das nach dem Erdbeben alle japanischen Werke geschlossen hatte, nahm am Donnerstag wieder sieben Anlagen zur Herstellung von Autoteilen in Betrieb. Die eigentliche Autoproduktion ist aber noch nicht wieder angelaufen. Mitsubishi Motors hat am Mittwoch die Fertigung wieder aufgenommen. Bei Nissan lagen am Mittwoch noch sechs Fabriken still. Mazda kündigte an, seine Werke bis mindestens Ende dieser Woche geschlossen zu halten.

Goldman Sachs schätzt die Produktionsausfälle bei Toyota auf umgerechnet 53 Mio. € täglich, bei Honda und Nissan auf jeweils 17 Mio. € pro Tag. Dazu kommen die Schäden an mehreren Tausend Neuwagen, die der Tsunami mitgerissen und komplett zerstört hat.

Auch Automobilzulieferer wie Denso, Bridgestone, Aisin, Bosch, Autoliv oder Panasonic sind mit einzelnen Werken in der Krisenregion vertreten. Teils melden sie Schäden an Gebäuden oder leicht verletzte Mitarbeiter.

Vor allem aber sind sie durch die zerstörte Verkehrs-, Elektrizitäts- und Kommunikationsinfrastruktur betroffen. Ob lokale Zulieferer ausfallen und inwieweit sich die Produktion trotz der katastrophalen Lage fortsetzen lässt, werde derzeit analysiert, heißt es in den Erklärungen der Unternehmen.

Ohnehin treibt sie vorerst um, wie sie helfen können. So schickt Toyota Hilfstransporte, öffnet Denso seine intakten Gebäude vor Ort für Evakuierte, und haben diverse Unternehmen, darunter Toyota, Johnson Controls, Bridgestone oder Continental spontan Millionenspenden zugesagt.

Halbleiterindustrie: Das verheerende Beben hat auch der Chipindustrie zugesetzt. Ein Fünftel der weltweiten Chips kommen aus Japan. Rund 40 % aller Flash-Speicherchips, die bei Handys, Tablets und Computern zum Einsatz kommen, werden hier produziert. Unter den Folgen des Bebens leidet vor allem Toshiba. Der Konzern deckt rund ein Drittel des weltweiten Bedarfs an Flash-Speichern vom Nand-Typ. Die Japaner wissen nicht, wann sie ihre Fabrik in Iwate, wo Mikroprozessoren und Bildsensoren gebaut werden, wieder öffnen können. Chiphersteller Texas Instruments teilte mit, seine beiden Fabriken in Japan würden erst im Juli wieder ihre volle Leistungsfähigkeit erreichen. In der Zeit müssen sich die Kunden von japanischen Zulieferern nach Alternativen umschauen. Auch wenn die Lieferungen von Bauteilen für die Chipproduktion bereits in zwei Wochen wieder beginnen, wirkten sich die Engpässe und Preiserhöhungen bis ins dritte Quartal aus, vermutet das Forschungsinstitut iSuppli.

Chipfabriken brauchen in der Regel eine ununterbrochene Stromversorgung, die durch die geplanten Abschaltungen im japanischen Elektrizitätsnetz gefährdet ist. Nach einem Stromausfall kann es mehrere Wochen dauern, bis ein Werk wieder ordnungsgemäß läuft.

Die besonders gefragten Nand-Flashspeicher, die auch im iPad2 verwendet werden, kosteten Mitte der Woche ein gutes Fünftel mehr als noch vor der Krise. Auch die Preise für Dram-Speicherchips kletterten erneut, nachdem sie zu Wochenbeginn um 7 % gestiegen waren, wie die Preisermittler von DRAMeXchange berichteten.

Stahlindustrie: Japan ist nach China der zweitgrößte Stahlproduzent der Welt. Der weltweit drittgrößte Hersteller Sumitomo Metal Industries hält sein Hauptwerk in der Präfektur Ibaraki geschlossen. Der Aktienkurs brach ein. Auch die Nummer vier und fünf, Nippon Steel und JFE Steel, haben Fabriken dichtgemacht. Angesichts weltweiter Überkapazitäten gehen Analysten von Macquarie davon aus, dass der Ausfall durch andere Länder ausgeglichen werden kann. rts/bod/pt/ps

Ein Beitrag von:

  • Peter Schwarz

    Ressortleiter Wirtschaft bei VDI nachrichten. Fachthemen: Wirtschaftspolitik, Konjunktur, Unternehmen.

  • Peter Trechow

    Peter Trechow ist Journalist für Umwelt- und Technikthemen. Er schreibt für überregionale Medien unter anderem über neue Entwicklungen in Forschung und Lehre und Unternehmen in der Technikbranche.

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