Ranking 07.09.2021, 10:24 Uhr

Bundestagswahl: Knappstes Wahlergebnis aller Zeiten

1,8%: So hauchdünn war der Abstand zwischen Union und SPD bei der ersten Bundestagswahl. Es war nicht das einzige Kopf-an-Kopf-Rennen in der Geschichte der Republik.

Bisweilen entscheiden wenige Prozentpunkte über den Ausgang der Bundestagswahl - manchmal wird es sogar noch knapper. Foto: panthermedia.net/seewhatmitchsee

Bisweilen entscheiden wenige Prozentpunkte über den Ausgang der Bundestagswahl - manchmal wird es sogar noch knapper.

Foto: panthermedia.net/seewhatmitchsee

Die erste Bundestagswahl fand am 14. August 1949 statt und war die erste freie Wahl seit der Machtübernahme der Nationalsozialisten. Zugelassen waren Männer und Frauen mit deutscher Staatsbürgerschaft ab einem Alter von 21 Jahren. Erst 1972 wurde die Altersgrenze auf 18 gesenkt. Jüngst gab es Bemühungen seitens der Grünen und der FDP, das Wahlalter für die Bundestagswahl auf 16 Jahre zu senken, was jedoch scheiterte. Jedoch haben auch junge Wähler vor dem Erreichen des 18. Lebensjahres Einfluss auf der Kommunal- und Landtagsebene, zumindest in manchen Bundesländern.

Zur ersten Wahl traten CDU/CSU, SPD sowie die FDP und acht kleinere Parteien an. Mit einem Vorsprung von lediglich 1,8% gewann die CDU/CSU und einigte sich mit der FDP zu einer gemeinsamen Regierungsbildung. Die erste Bundestagssitzung wurde darauf in der neuen Bundeshauptstadt Bonn abgehalten. Rund zwei Wochen später stand der erste Kanzler der Bundesrepublik Deutschland, Konrad Adenauer, fest. Seither finden in der Bundesrepublik in der Regel alle 4 Jahre Wahlen zum Deutschen Bundestag statt.

Bundestagswahl: Grüne verfehlen zu Beginn die Fünfprozenthürde

Bereits bei der ersten Bundestagswahl konnte das Ergebnis zwischen den beiden Spitzen-Kontrahenten CDU/CSU und SPD kaum knapper ausfallen. Doch auch Parteien mit weniger Stimmen kämpfen (in der Regel) alle 4 Jahre um den Einzug in den Bundestag. Darunter befindet sich auch die FDP, die seit den frühesten Anfängen mitmischt, aber nie die absolute Mehrheit erreicht.

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1980 lassen sich erstmals auch Die Grünen zur Bundestagswahl aufstellen, verfehlen aber zu ihrem Auftakt mit nur 1,5% der Stimmen die 5%-Hürde. Im Jahr 1990 fusioniert die Partei mit dem Bündnis 90, einem Zusammenschluss von Bürgerbewegungen und Oppositionsgruppen der DDR. Im selben Jahr erreicht die PDS (bilden 2007 gemeinsam mit der WASG – eine Abspaltung der SPD – „Die Linke“) 2,4% der Stimmen. Erst 2017 zieht die AfD nach – mit einem Stimmenanteil von 12,6% bei ihrem Debüt. Dabei waren einige spannende Wahlergebnisse zu sehen.

Viel Spaß mit den spannendsten Ergebnissen.

1949: Union haarscharf vor der SPD

Am 14. August 1949 fand die erste Bundestagswahl in der neu gegründeten Bundesrepublik statt. Die Wähler hatten hier nicht wie bei den folgenden Wahlen zwei Stimmen, sondern nur eine. Zur Wahl standen 11 Parteien, von denen aber nicht alle die 5%-Hürde stemmen konnten. Gelang es einer Partei, mehr als 5% innerhalb eines Landes oder Wahlkreises zu gewinnen, konnte diese dennoch in den Bundestag einziehen – mit dem Unterschied, dass dabei keine Sitze in den Bundesländern gewährt wurden.

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Rund 31,2 Mio. Einwohner waren wahlberechtigt. Mit einer Beteiligung von 78,5% fielen von den knapp 24 Mio. abgegebenen Stimmen 7,36 Mio. (31%) auf die CDU/CSU und 6,93 Mio. (29,2%) auf die SPD. Noch etwas knapper verlief das Ergebnis zwischen Bayernpartei (BP) und Deutsche Partei (DP) mit 4,2 gegen 4,0%.

Aufgrund der Stimmenverteilung schien eine Koalition mit der SPD wahrscheinlich, jedoch konnte Bundeskanzler Konrad Adenauer eine Koalition mit der FDP durchringen. Dafür wurde zusätzlich die DP mit aufgenommen, um die absolute Mehrheit zu erreichen. Daraus resultierte am Ende eine Koalitionsregierung aus CDU/CSU, FDP und DP, die sich zum Ziel gesetzt hat, die Lebensstandards mit einem selbstständigen Deutschland und einer umfangreichen Sozialreform zu erhöhen.

Bundestagswahl 1972: CDU/CSU (44,9%) – SPD (45,8%)

Im Jahr 1972 wurde die Bundesrepublik Deutschland nicht nur Europameister im Fußball, es wurden unter Willy Brandt zwei wichtige Verträge zwischen BRD und DDR geschlossen, um die Beziehungen zu normalisieren. Das Jahr war aber auch geprägt von einem überaus knappen Wahlergebnis zwischen CDU/CSU und der SPD, wobei Letztere das beste Ergebnis in ihrer Geschichte erreichte. Die Soziale Partei Deutschlands lag dabei um 0,9% vor der CDU/CSU.

Die Wahl selbst war die erste vorgezogene Bundestagswahl in der Geschichte der Bundesrepublik. Grund dafür war die durch viele Mandatswechsel bröckelnde Koalition und ein knapp gescheitertes Misstrauensvotum gegen den amtierenden Kanzler. 1972 waren rund 41,5 Mio. Einwohner wahlberechtigt, und etwa 37,7 Mio. gaben ihre Stimmen ab. Daraus resultierte ebenfalls ein Rekord bei der Wahlbeteiligung von 91,1%.
Unter dem Leitsatz “Ein neuer Anfang” beinhaltet das Wahlprogramm der CDU/CSU das Ziel einer humanen Leistungsgesellschaft mit sozialer und finanzieller Sicherheit für jeden.

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Erreicht werden sollte dieser Gedanke etwa durch den Ausbau der Gesundheitspolitik und sozialen Diensten, einer verbesserten Chancengleichheit im Bildungssektor sowie einer gerechteren Streuung des privaten Eigentums. Hier entstand auch die Phrase “Gemeinsam werden wir es schaffen” – ähnlich der Signatur der Kanzlerschaft Merkels “Wir schaffen das!”.

1980: CDU/CSU (44,5%) – SPD (42,9%)

Am 5. Oktober 1980 fand die Wahl zum 9. Deutschen Bundestag statt, bei welcher sowohl CDU/CSU als auch die SPD-Spitzenplätze einnahmen. Im Vergleich zur vorangegangenen Wahl 1976 erlitt die CDU/CSU – auch als Union betitelt – jedoch Verluste. In Zahlen bedeutete das für die Union 44,5% der Stimmen, für die SPD 42,9% bei einer Differenz von 1,6%. Die Wahlbeteiligung der rund 43,2 Mio. Wahlberechtigten lag 1980 bei 88,6%. Bei dieser Wahl kandidierten auch erstmals Die Grünen auf Bundesebene und erreichten einen Wert von 1,5%.

Der Wahlkampf selbst war jedoch von gewalttätigen Protesten, zum Beispiel bei einem feierlichen Gelöbnis der Bundeswehr geprägt. Auch kam es zu weiteren Ausschreitungen bei Kundgebungen. Einen großen Schatten wirft außerdem das Oktoberfestattentat, der bisher schwerste Terrorakt der Geschichte der Bundesrepublik, auf die Wahlen.
Das Ergebnis der 9. Bundestagswahl war nicht nur die Ernennung von Helmut Schmidt als neuen Kanzler, sondern das Bröckeln der sozialliberalen Koalition bereits 2 Jahre später. In einem erneuten konstruktiven Misstrauensvotum wurde schlussendlich am 1. Oktober 1982 Helmut Kohl zum neuen Kanzler gewählt.

Gleichstand bei der Bundestagswahl 2002: CDU/CSU (38,5%) – SPD (38,5%)

Das Jahr 2002 war das Jahr des Beinahe-Gleichstands der beiden meistgewählten Parteien CDU/CSU und SPD. Die Wahl zum 15. Deutschen Bundestag erreichte eine Beteiligung der 61,4 Mio. Wahlberechtigten von 79,1%. Während in den alten Bundesländern alles beim Alten blieb, sprich Union vor SPD, schnitt Letztere in den neuen Bundesländern mit einem Vorsprung von über 10% deutlich besser ab. Am Ende lag die Differenz, deutschlandweit betrachtet, bei nur 0,01% oder etwa 6.000 Stimmen. Die SPD siegte und schickte Gerhard Schröder als Kanzlerkandidat in seine zweite Amtsperiode.

Knapp verlief die Wahl außerdem für Die Grünen und die FDP, welche nun in allen 16 Bundesländern vertreten waren. Erstere erreichten einen Anteil von 8,6%, zweitere 7,4%. Beiden Parteien gemein war, dass sie im Vergleich zu 1998 an Wählerschaft gewinnen konnten.

Im Wahlkampf ging es parteiübergreifend um Themen wie die Bildungswesen-Reform (aufgrund der schlechten Ergebnisse der PISA-Studie 2000), Ökosteuer, Position zum Irakkrieg sowie die Arbeit der Hartzkommission. Erstmals duellierten sich 2002 die Kanzlerkandidaten auch im Fernsehen – mit den Vereinigten Staaten als Vorbild für diese Art medienwirksamer Wahlwerbung.

2005: CDU/CSU (35,2%) – SPD (34,2%)

Mit einer Differenz von lediglich 1% beziehungsweise rund 1,1 Mio. Stimmen zogen die beiden großen Parteien 2005 in den Bundestag ein. In diesem Jahr traten insgesamt nur 77,7% von 62 Mio. Wahlberechtigten den Gang zur Urne an. Als mögliche Gründe wurden etwa gebrochene Wahlversprechen oder das sinkende Vertrauen in die Parteien genannt. Darüber hinaus waren ungenau kommunizierte Parteiziele der Auslöser für den Rückgang der Stimmabgaben. Außerdem ist anzunehmen, dass die sinkende Wahlbeteiligung auf einen Generationeneffekt zurückzuführen war.

Die Wahlen fanden vorgezogen statt, da der 15. Deutsche Bundestag aufgrund einer sogenannten auflösungsgerichteten Vertrauensfrage aufgelöst wurde. Nach den Wahlen gab es Probleme mit der Regierungsbildung, da keine der Parteien im Bundestag eine Mehrheit besaß. Die bevorzugte Schwarz-Gelb- oder Rot-Grün-Koalition war demnach unmöglich. Nach langen Sondierungsgesprächen und Koalitionsverhandlungen stellten die Parteien Kandidaten für die Ressorts und schlugen Angela Merkel für das Amt der Bundeskanzlerin vor. Mit 397 von 611 Stimmen gewann Merkel die Wahl und geht sowohl als jüngste als auch erste Frau in diesem Amt in die Geschichte ein.

Die längsten Amtszeiten im Kanzleramt

Während die Bürger Deutschlands im 4-Jahres-Takt über ihre Vertretung im Parlament entscheiden, wird dort beschlossen, wer an der Spitze der Regierung stehen soll. Dabei hat die Geschichte gezeigt, dass es für den Kanzler oder die Kanzlerin durchaus nicht unwahrscheinlich ist, über mehrere Amtsperioden hinweg dabei zu sein. Hier sind die 3 Spitzenkandidaten mit der längsten Amtszeit.

Platz 1: Helmut Kohl (1982-1998)

Mit insgesamt 5 Amtsperioden geht der erste Platz an Helmut Kohl mit einer Amtszeit von 16 Jahren und 26 Tagen. Er wurde durch ein Misstrauensvotum gegen seinen Vorgänger gewählt und führte bereits zu Beginn seiner Amtszeit die Auflösung des Bundestages herbei – inklusive Neuwahlen. Helmut Kohl setzte sich vor allem für die Abschaffung stationärer Grenzkontrollen im Rahmen des Schengener Abkommens sowie für die Einführung des Euro ein. Allerdings wurde Kohl unter anderem wegen einer Rekordarbeitslosigkeit abgewählt. Seine lange Amtszeit brachte ihm die Bezeichnung “ewiger Kanzler” ein. Außerdem wurde er auch als Kanzler der Einheit bezeichnet, da die DDR und die BRD in diesem Zeitraum wiedervereinigt wurden.

Platz 2: Angela Merkel (2005-2021)

Bereits seit 2005 steht Angela Merkel im Amt der Bundeskanzlerin und ist somit nicht nur die erste Frau und jüngste Person mit dem höchsten Amt, sondern bekleidet den Posten außerdem mit der zweitlängsten Amtszeit. Die wichtigsten Errungenschaften während ihrer Ära liegen in der Verringerung der Arbeitslosigkeit, welcher diverse Reformen Schröders zugrunde liegen. Des Weiteren zählen die Bewältigung der Finanzkrise seit 2007, der Eurokrise seit 2009 und der Flüchtlingskrise seit 2015 zu ihren größten Herausforderungen. Seit Beginn des Jahres 2020 führt sie das Land zudem durch die Pandemie. 2021 tritt Merkel nicht mehr zur Wahl an.

Platz 3: Konrad Adenauer (1949-1963)

Mit einer Amtszeit von 14 Jahren belegt der erste Kanzler der Bundesrepublik Deutschland den dritten Platz des Rankings. Seine Amtszeit wurde geprägt durch den NATO-Beitritt, die Gründung der Europäischen Gemeinschaft für Kohle und Stahl sowie der Legung des Grundsteins der Europäischen Union. Ebenso setzte sich Adenauer für die deutsch-jüdische Versöhnung sowie die Entschädigung von Opfern des Zweiten Weltkrieges ein. Bei seinem Amtsantritt war der Kanzler bereits 73 Jahre alt – was dem bis zu seinem 88. Lebensjahr regierenden Bundeskanzler seinen Beinamen “der Alte” einbrachte.

Bundestagswahl 2021: Wer macht das Rennen?

Die Sonntagsfrage zur Bundestagswahl 2021 gibt Aufschluss darüber, in welche Richtung sich die Wahlergebnisse bewegen könnten. In diesem Jahr gab es Entwicklungen, mit denen vor wenigen Monaten kaum jemand gerechnet hatte. Die drei Parteien, um die es 2021 geht: CDU, Grüne und SPD. Eine Zeitlang sah es so aus, als könnte es mit Annalena Baerbock die erste grüne Bundeskanzlerin geben, dann überholte die CDU mit Armin Laschet. Inzwischen wird die SPD mit ihrem Kanzlerkandidaten Olaf Scholz plötzlich zum Favoriten, die CDU ist im Sinkflug und die Grünen verlieren massig an Zustimmung.

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Aktuell (Stand 6.9.) würden sich laut dem Meinungsforschungsinstitut Insa 20% für die CDU entscheiden, 26% für die SPD und 15,5% für die Grünen. Die Einschätzung deckt sich ungefähr mit den wenige Tage älteren Ergebnissen des Instituts Yougov. Bei der Befragung der Forschungsgruppe Wahlen liegt die Union bei 22%, die SPD bei 25% und die Grünen bei 17%.

Ein Beitrag von:

  • Silvia Hühn

    Porträt Silvia Hühn

    Silvia Hühn ist freie Redakteurin mit technischem Fokus. Sie schreibt unter anderem über die Rekorde dieser Welt und verfasst Ratgeber.

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