Austritt Großbritanniens mit ungewissen Folgen 25.01.2019, 11:31 Uhr

Brexit: Was Arbeitnehmer und Studierende nun beachten müssen

Der Brexit rückt näher und noch immer ist völlig unklar, welchen Status EU-Bürger, die in Großbritannien arbeiten und studieren, ab dem 30. März 2019 haben werden. Wir haben uns einige Szenarien angesehen.

Menschen an einem Tisch, darüber Symbole der EU und Großbritanniens und zwei Pfeile in jeweils eine Richtung

Foto: panthermedia.net/Rawpixel

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Grundsätzliche Gedanken zum Beginn

Es ist sehr schwierig die Folgen des Brexit aktuell abzuschätzen. Dies liegt vor allem daran, dass aktuell nur über die Austrittsmodalitäten verhandelt wurde. Tiefergehende Verhandlungen über die späteren Folgen wurden überhaupt noch nicht umfassend geführt. Dementsprechend stehen die meisten Menschen mit dem Brexit in der Schwebe. Es ist völlig unklar, welche Regularien mit dem Stichtag des Austritts gelten werden. Wir gehen in diesem Artikel davon aus, dass die bisher geltenden Regelungen etwa für Nicht-EU-Ausländer in Großbritannien in Zukunft auch für Mitglieder der EU gelten werden. Nur so können wir verlässliche Aussagen hinsichtlich der Folgen treffen. Es kann allerdings durchaus sein, dass sich Großbritannien entschließt, einige der Regeln abzuschwächen oder zu verändern. Dies wird allerdings wohl erst nach dem erfolgten Austritt geschehen, was die Unsicherheit für viele Menschen zusätzlich erhöht.

Brexit-Folgen für Arbeitnehmer

Immer noch schwebt der drohende Brexit wie ein Damoklesschwert über den vielen Arbeitern in Großbritannien. Sowohl deutsche Arbeitnehmer und Studierende in Großbritannien, als auch britische Arbeitnehmer und Studierende in den übrigen EU-Staaten leiden unter dem geplanten Ausstieg der Briten aus der EU. Doch welche Änderungen sind zu erwarten und welche Möglichkeiten gibt es für die betroffenen Personen? Betrachten wir die verschiedenen Szenarien einmal genauer. Der aktuelle Stand der Brexit-Verhandlungen gibt leider kein eindeutiges Bild her. Aktuell scheint es sogar so, dass sich der gesamte britische Regierungsapparat auf keinen gemeinsamen Weg durch die aktuelle Situation entscheiden kann. Ein echtes Problem für die Menschen, deren berufliche Existenz durch den Brexit gefährdet wird.

Arbeitserlaubnis nur für Gutverdiener?

EU-Bürger, die aktuell in Großbritannien leben und arbeiten, stehen durch den geplanten Brexit vor einem Problem. Denn sie benötigen in Zukunft ein Visum und eine Arbeitserlaubnis, um weiterhin in Großbritannien arbeiten und leben zu dürfen. Allerdings kann es da durchaus zu Schwierigkeiten kommen. Denn aktuell ist die Lage in Großbritannien folgendermaßen: Menschen aus Nicht-EU-Ländern, die im Land arbeiten möchten, müssen einen Mindestverdienst von rund 44.000 Euro im Jahr vorweisen, um überhaupt eine Arbeitserlaubnis zu bekommen. Damit möchte das Land vor allem hochqualifizierte Menschen anlocken. Wird diese Vorgabe nun allerdings auch für die Arbeiter aus den EU-Staaten gültig, wird sich das Bild der Insel nachhaltig verändern.

Aktuell gehen rund 2,2 Millionen Menschen aus dem EU-Ausland in Großbritannien einer Arbeit nach. Gelten die neuen Regeln nun ab dem Stichtag des Ausstiegs, also dem 30. März 2019, stehen zwischen 71 % und 80 % der Menschen ohne eine Arbeitserlaubnis da, da sie nicht in ausreichendem Maße verdienen. In einem solchen Fall verlören diese Menschen nicht nur ihre Arbeit, sondern auch ihren Aufenthaltsstatus auf der Insel. Der Brexit kann also für die meisten Arbeitnehmer zu existenziellen Problemen führen. Besonders dramatisch wird der Effekt in den traditionell eher schlecht bezahlten Berufszweigen in der Gastronomie, in der Landwirtschaft und dem Hotelgewerbe. Ingenieure und Informatiker werden es da deutlich besser haben.

Die meisten Experten gehen davon aus, dass dieser Effekt durch eine entsprechende Gesetzgebung abgemildert werden könnte. Denn tritt das oben genannte Szenario in Kraft, würden viele Betriebe in Großbritannien Personal verlieren und könnten ihren alltäglichen Betrieb nicht mehr aufrechterhalten. Vor allem die Landwirtschaft leidet bereits jetzt unter einem massiven Rückgang der Erntehelfer aus Osteuropa. Dieser Zustand wird sich mit dem Brexit nochmals deutlich verstärken. Es ist also davon auszugehen, dass die Vertragspartner eine Regelung finden werden, die sich für Gering- sowie Gutverdiener gleichermaßen positiv auswirkt.

Kaum Änderungen für Briten in Deutschland erwartet

Mit dem Brexit ändern sich selbstverständlich auch die Bedingungen für britische Arbeitnehmer in Deutschland. Allerdings wurde bereits verkündet, dass es hier von deutscher Seite aus keine Schwierigkeiten geben solle. Es wird zwar ein wenig mehr Bürokratie notwendig sein, da eine Arbeitserlaubnis eingeholt werden muss, doch die ist in der Regel an keine Bedingungen geknüpft. Somit wird der Brexit für britische Staatsbürger in Deutschland und vielen anderen europäischen Ländern eher glimpflich verlaufen.

Brexit-Folgen für Studierende aus der EU

Sowohl für Studierende im Rahmen des Erasmus-Programms als auch für alle anderen Studenten aus EU-Ländern wird sich in Zukunft einiges ändern. Denn die Folgen des Ausstiegs Großbritanniens aus der EU trifft auch diese Gruppe ungebremst. Vor allem wird sich das finanziell bemerkbar machen, aber auch bei der Anerkennung von Studienleistungen und Studienbescheinigungen. Die letzten Punkte werden zwar nicht lange Bestand haben, doch solange es hier keine verbindlichen Verträge gibt, sieht es aktuell auch in diesem Bereich schwierig aus.

Der finanzielle Aspekt steht allerdings deutlicher im Fokus. Denn aktuell müssen Studenten aus dem EU-Ausland in Großbritannien dieselben Gebühren bezahlen wie die Studenten des Königreichs selbst. Ein gutes Beispiel ist die Universität von Oxford. Hier zahlen sowohl Einwohner Großbritanniens als auch EU-Studierende rund 4.000 Pfund Sterling pro Semester, was derzeit etwa 4.600 Euro entspricht. Studierende aus Ländern außerhalb der EU müssen allerdings einen Betrag von rund 15.000 Pfund bezahlen. Mit dem Brexit ist es sehr wahrscheinlich, dass diese Regeln auch für EU-Studenten gelten werden.

Der Preis für ein Studium an einer bekannten Universität wie Oxford wird somit für die meisten Studenten unerschwinglich. Es ist allerdings fraglich, ob die Universitäten diese Lösung auf Dauer tragen können und wollen. Denn die Studenten aus dem EU-Ausland sind nicht nur ein wichtiger Kapitalgeber für viele der Universitäten, sie tragen durch ihre Forschung auch zum Ruhm und zum Bekanntheitsgrad mit bei.

Diese Deadlines sollten in jedem Fall beachtet werden

Der wirklich wichtige und entscheidende Tag für den Austritt Großbritanniens aus der EU wird der 29.03.2019 sein. Wenn es zu keinen weiteren Verhandlungen, zu keiner Verschiebung der Deadline und zu keinem Rücktritt vom Brexit kommt, wird Großbritannien an diesem Tag die Europäische Union verlassen. Das bedeutet für die Menschen in Großbritannien, egal ob Arbeitnehmer oder Student, dass sich die Verhältnisse deutlich ändern können. Es ist nicht garantiert, dass es zu einer Übergangszeit oder einer Übergangsregelung kommt. Aktuell scheint sich die britische Politik vor allem um die Modalitäten des Ausstiegs zu kümmern, sie gibt aber kaum klare Richtlinien für den weiteren Umgang mit EU-Ausländern im eigenen Land vor. Wichtig ist in jedem Fall, sich nach dem offiziellen Austritt bei den Behörden vor Ort zu melden und dort nach dem aktuellen Stand zu fragen. Schließlich liegt ab diesem Zeitpunkt weder ein Visum noch eine Arbeitserlaubnis vor. Ohne eine Übergangsregelung können Arbeitnehmer und auch Studierende in einem solchen Fall gegen das Gesetz verstoßen. Da der erste Austrittstag auf einen Samstag fällt, wäre der nächstmögliche Termin, um sich offiziell zu erkundigen, also Montag, der 1. April 2019.

Betrachtet man die verschiedenen Szenarien und Möglichkeiten, so wird sich in Zukunft einiges ändern. Allerdings ist noch immer nicht klar, für welche Variante man sich in London entscheiden möchte. Aktuell sieht es eher danach aus, als dass ein ungeregelter Austritt eintritt. In diesem Fall ist von massiven Veränderungen auszugehen. Wer aktuell als Deutscher in Großbritannien lebt und arbeitet, sollte sich daher mit dem Gedanken vertraut machen, dass es zumindest eine gewisse Phase der Ungewissheit geben wird. Sprechen Sie im Zweifel mit Ihrem Arbeitgeber über die nächsten Schritte. Auch für Studierende kann das Leben in Großbritannien in Zukunft deutlich schwieriger, vor allem aber teurer werden.

 

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Von ingenieur.de

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