Stromtrassen in Bayern 04.11.2014, 14:00 Uhr

Betreiber legten leicht veränderte Pläne für den Ausbau des Stromnetzes vor

Die Stromtrassen in Bayern sollen weiter ausgebaut werden. Dafür legten die Netzbetreiber heute die leicht veränderten Pläne vor. Sie waren in den vergangenen Monaten auf Widerstand unter anderem bei Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer gestoßen.

Viele Bayern wehren sich gegen die Pläne, die Stromtrassen weiter auszubauen. Unterstützt werden sie dabei von ihrem Ministerpräsidenten Horst Seehofer.

Viele Bayern wehren sich gegen die Pläne, die Stromtrassen weiter auszubauen. Unterstützt werden sie dabei von ihrem Ministerpräsidenten Horst Seehofer.

Foto: dpa/Sven Hoppe

Drei große Stromtrassen von Norden nach Süden sind geplant. Sie sollen vor allem Wind- und Sonnenstrom nach Bayern bringen. Die ursprünglichen Pläne wurden leicht verändert, an der grundsätzlichen Notwendigkeit halten die Netzbetreiber Tennet, Amprion, 50 Hertz und TransnetBW aber fest. 2800 Kilometer neue Höchstspannungstrassen sehen die Pläne bis 2022 vor. Im bestehenden Netz sollen 2900 Kilometer für die zunehmende Einspeisung von Ökostrom optimiert werden.

Start und Ziel der Ost-Süd-Trasse verändert

Leichte Änderungen sieht der Ausbauplan für die Ost-Süd-Trasse vor. Sie soll nun nicht mehr in der Nähe von Augsburg enden, sondern beim bayerischen Atomkraftwerk Grundremmingen weiter westlich. Auch der Startpunkt der Trasse ist verändert: Geplant war der Anfang in der Nähe eines Braunkohlereviers in Sachsen-Anhalt, jetzt sollen die ersten Strommasten schon 110 Kilometer nördlich davon stehen und damit näher an den Windparks in Mecklenburg-Vorpommern.

Dadurch würde die Trasse insgesamt mehr als 560 Kilometer lang. Sie stieß in Bayern auf besonders starken Protest. Ministerpräsident Seehofer kritisierte, dass sie vor allem dazu genutzt würde, Braunkohlestrom in den Süden zu bringen. Mit der Verlängerung im Norden würde jedoch der Transport von Windstrom verstärkt.

Für die Stromtrassengegner aus Niederschönenfeld ändert eine mögliche Verlegung des Endpunkts aber nichts an ihrer Haltung zum Projekt, erklärte Martin Stegmair von der Bürgerinitiative Niederschönenfeld in einer ersten Reaktion im Bayerischen Rundfunk. „Wir sind gegen das Sankt Floriansprinzip. Wir wollen keine Stromtrasse in Bayern, nicht bei uns und auch nicht anderswo. Deshalb werden wir weiter kämpfen“, sagte er.

SuedLink kommt näher nach Stuttgart

Auch die Trassenführung des insgesamt 800 Kilometer langen SuedLinks ist leicht verändert. Er soll näher als geplant an die Industrieregion Stuttgart herangeführt werden. Deswegen soll er nun nicht mehr in Goldshöfe, sondern im Raum Wendlingen enden. Damit könnte sich der Bau der Leitung zwischen Bünzwangen im Kreis Göppingen und Goldshöfe an Schwäbisch Gmünd vorbei erledigt haben. Die Planung der etwa 60 Kilometer langen Leitung hatte Netzbetreiber TransnetBW bereits wegen massiver Proteste ausgesetzt. Die neue Trassenführung Richtung Wendlingen würde unterirdische Leitungen ermöglichen.

22 Milliarden Euro Gesamtkosten

Die Gesamtkosten für die Realisierung des neuen Netzentwicklungsplans veranschlagen die Betreiber auf insgesamt 22 Milliarden Euro. Die Neuplanung war aus ihrer Sicht mit dem Erneuerbare-Energien-Gesetz und geänderten Ausbauzielen für die Windkraft notwendig geworden. So soll der SuedLink bis zum Jahr 2022 Windstrom von Schleswig-Holstein über Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen und Hessen nach Bayern und Baden-Württemberg bringen, um die Stilllegung mehrerer Atomkraftwerke auszugleichen.

Nun muss die Bundesnetzagentur die Vorschläge der Netzbetreiber genehmigen, anschließend müssen Bundesregierung, Bundestag und Bundesrat bewerten, ob das Bundesbedarfsplangesetz, das 2013 auch mit den Stimmen aus Bayern beschlossen worden ist, noch einmal ergänzt wird.

Von Andrea Ziech

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