Konjunktur 23.02.2007, 19:26 Uhr

Zwischen Tsunami und Bürgerkrieg  

VDI nachrichten, Colombo, 23. 2. 07, moc Zwei Jahre nach dem Tsunami im Dezember 2004 hat sich Sri Lanka gut erholt. Der Wiederaufbau hat der Wirtschaft und der Börse einen kräftigen Schub gegeben. Nicht einmal der wieder aufflammende Bürgerkrieg scheint den Boom bremsen zu können. Nur die Tourismus-Branche leidet unter der Lage im Land.

Stolz schimmern sie in der Sonne von Sri Lanka. Mit ihren 40 Stockwerken überragen die Zwillingstürme des World Trade Centers von Colombo das Gewimmel der Stadt. In den Stolz mischt sich die Angst vor Terroranschlägen: Kein öffentliches Gebäude ist denn auch so stark bewacht wie das World Trade Center. Gleich zweimal hintereinander werden die Besucher und ihr Gepäck von schwer bewaffneten Militärs kontrolliert.

Im WTC residieren Flug- und Immobiliengesellschaften neben westlich angehauchten Cafés und Luxus-Boutiquen.

Im zweiten Stock liegt einer der Hoffnungsträger des Landes: Die Colombo Stock Exchange. Auch hier hat der elektronische Handel längst Einzug gehalten. Auf einer riesigen Anzeigetafel sind die Kurse der 240 notierten Firmen angezeigt.

Es ist kurz nach 14 Uhr. Auf einfachen Stühlen sitzen rund 20 Broker um ein paar Monitore herum und verfolgen die Kurse. In knapp einer halben Stunde ist Handelsschluss. Der All Share Price Index liegt leicht im Plus – wieder einmal. Seit Oktober 2006 hat er über 1000 Punkte zugelegt. „Da ist noch viel Luft nach oben“, meint einer der Händler, „die Gewinndynamik der Unternehmen hält an“. Für das laufende Quartal rechnet er mit Gewinnzuwächsen von durchschnittlich 14 %.

Um rund 7 % wuchs das Bruttoinlandsprodukt 2006, in diesem Jahr soll es sogar 7,5 % zulegen. „Die Wirtschaft boomt dank dem Tsunami“, meint Karl Eyerkauf, Ex-Landrat aus dem Main-Kinzig-Kreis und langjähriger Sri Lanka-Experte.

Milliarden an Spenden und Entwicklungsgeldern wurden in das Land und den Aufbau der Infrastruktur gepumpt. Nutznießer waren vor allem die Banken und die Bauindustrie.

Nach dem Tsunami, der mehr als 35 000 Menschen tötete und 120 000 Häuser zerstörte, vergaben die Banken eine Rekordzahl von Krediten und kassierten dafür hohe Zinsen.

Die Baufirmen wiederum konnten sich vor Aufträgen kaum retten. „Zeitweise ging der Zement aus“, erinnert sich Landrat Eyerkauf. Laut der nationalen Wiederaufbaubehörde RADA wurden seit dem Tsunami 98 000 neue Häuser und 13 Schulen wieder errichtet. Bis Ende 2008/2009 sollen 1173 km Straße und 25 wichtige Brücken wieder hergestellt sein.

Wo die nach Sri Lanka gepumpten Millionen bleiben, sieht man in der Küstenstadt Beruwala, 80 km südlich von Colombo. Nahezu alle Häuser am malerischen Ufer des Indischen Ozeans sind neu. „Die meisten Gebäude wurden mit Hilfe deutscher Privatleute neu aufgebaut“, erklärt Suresh, der am Strand Geschäfte mit Touristen macht.

Auch das Stadtzentrum von Beruwala ist nicht wiederzuerkennen. Die Gebäude schillern in tropischen Farben. Maßgeblich dazu beigetragen hat Karl Eyerkauf. Er hat mit seiner Stiftung „Hilfe für Beruwala“ 300 000 € Spenden gesammelt. Von dem Geld wurden ein Krankenhaus, eine Zahnklinik, Schulen, Kindergärten, eine Bibliothek sowie ein Abwasserkanal gebaut.

Um auch vielen in ihrer Existenz bedrohten Kleinbetrieben neue Zukunftsperspektiven zu geben, schufen die deutschen Sparkassen aus den Spendengeldern einen Wiederaufbau-Fonds in Höhe von 15 Mio. €. Daraus vergaben sie Mikrokredite. 4000 solcher Mikrokredite mit einem Volumen von über 700 Mio. Rupien (knapp 4,9 Mio. €) wurden bisher aufgelegt.

Auch Wimal Kottihiwa erhielt einen Kredit von 300 000 Rupien. Der Betreiber einer Zimtplantage in Ambalangoda 100 km südlich von Colombo schaffte davon eine zweite Schneidemaschine an und stellte 20 Leute ein, erzählt er stolz. Seitdem kann er im Monat 100 000 kg Zimt bearbeiten – ein Viertel mehr als vorher.

Ein Hauch von Weihnachten und Zimtsternen schwebt durch die Produktionshalle, in der Männer die Zimtstangen maschinell zurechtschneiden. Vor dem Tsunami war das noch Handarbeit: „Da gab es viele gut ausgebildete Fachkräfte im Zimt-Business“, so Kottihiwa. „Doch jetzt ist das anders. Einige sind ertrunken, andere sind wegzogen.“

Mit dem Kredit und den neuen Maschinen aber hat sein Betrieb sich „zum führenden Zimtverarbeiter in Sri Lanka entwickelt“, erklärt Kottihiwa stolz und zündet ein Räucherstäbchen an – zu Ehren Buddhas.

Dass es auch ohne Kredite geht, hat Hotelier Manick Rodrigo bewiesen. 17 Mio. Rupien investierte er in die Modernisierung seines verwüsteten Ayurveda-Hotels in Beruwala. Seither kommen auch die Stammgäste wieder zu ihm. Die meisten Zimmer befinden sich jetzt 5 m über dem Boden – als Schutz vor neuen Tsunamis.

Rodrigo hatte Glück im Unglück. Er war einer der wenigen Hoteliers, die versichert waren. „Das war meine Rettung“, sagt er – und blickt mit einer Mischung aus Ehrfurcht und Trotz auf den friedlich schimmernden Indischen Ozean.

Sorgen macht dem Hotel-Chef eher ein neues Problem: der wieder aufflammende Bürgerkrieg. Die Folgen sieht man überall: Vor allem in Colombo, aber auch in anderen Städten, patrouillieren schwer bewaffnete Militärs in den Straßen, in Colombo sieht man auch vereinzelt Straßensperren.

Nach dem Angriff der Tamilen-Rebellen auf die Marinebasis in der Touristenhochburg Galle erließen die Auswärtigen Ämter eine Reisewarnung für das Urlaubsparadies – prompt brach die Zahl der ausländischen Touristen ein. Da helfen auch die schwer bewaffneten Militärs in den Straßen von Galle nichts.

Noch leidet lediglich die Tourismusbranche unter dem wieder aufflammenden Bürgerkrieg. Die übrige Wirtschaft zeigt sich erstaunlich robust. „Wir spüren keinen negativen Effekt“, sagt Kiran Atapattu vom Hafenlogistiker Colombo Engineering. Im Gegenteil: Sein Unternehmen habe derzeit „jede Menge neuer Aufträge“, berichtet Atapattu in seinem klimatisierten Büro hoch über dem belebten Hafengelände. „Ausländische Reedereien lassen vermehrt ihre Schiffe in Colombo warten und reparieren.“

Aber auch ausländische Investoren bauen ihr Engagement in Sri Lanka aus. Der schwedische Industriereifenhersteller Trelleborg etwa gab vor kurzem die Verlagerung seiner Reifenproduktion von den USA nach Sri Lanka bekannt. Hier hat er unmittelbar Zugriff auf einen seiner wichtigsten Rohstoffe: Gummi. Und Gummi ist laut Dkay Rajapaksa, Präsident der National Chamber of Exporters, zugleich eines der wichtigsten Exportgüter des Landes neben Tee, Kokosnussprodukten und Textilien.

Doch auch in anderen Branchen tut sich was. So hat Stefan Mahrdt, Chef der Deutschen Bank in Colombo, die allmähliche Verlagerung der Hightech-Industrie von Indien nach Sri Lanka beobachtet.

Andere deutsche Konzerne sind ebenfalls mit Vertretungen präsent. Siemens etwa entwickelt mit Partnern Pläne für den Bau einer Metro in der Hauptstadt Colombo.

Die könnte Colombo im Kampf gegen das tägliche Verkehrschaos gut gebrauchen. An der vierspurigen Hauptstraße, der Galle Road, stauen sich bis spät in den Abend kilometerweise Pkw, Pick-ups, Lkw, Busse und Tuk-Tuks, dreirädrige Mini-Taxis, Stoßstange an Stoßstange.

Doch weder Staus noch der Bürgerkrieg bringen die Sri-Lankesen ernsthaft um ihre Zuversicht. Als Anfang Dezember ein Attentat auf den Verteidigungsminister Gothabaya Rajapakse scheiterte und die Galle Road zeitweise gesperrt wurde, rollte schon wenig später der Verkehr wieder, als wäre nichts gewesen. „Das Leben geht weiter“, meint ein Tuk-Tuk-Fahrer und drückt auf die Hupe, um neue Fahrgäste anzulocken. NOTKER BLECHNER

www.nce.lk (National Chamber of Exporters of Sri Lanka);
www.cse.lk (Börse Colombo)

Von Notker Blechner

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