Industrie 02.05.2008, 19:34 Uhr

Zulieferer sehen sich in beklemmender Margensituation  

VDI nachrichten, Hannover, 2. 5. 08, Si – Die Auftragsbücher der mittelständisch geprägten deutschen Zulieferindustrie sind derzeit gut gefüllt. Wer aber auf der Hannover Messe die Branchensituation genau unter die Lupe nahm, stellte schnell fest, dass die Stimmung nur auf den ersten Blick gut ist. Denn nicht nur die steigenden Rohstoff- und Energiekosten schmälern ihren wirtschaftlichen Erfolg.

Trotz leichter Abschwächungstendenzen der Weltkonjunktur konnte Theodor Lutz Tutmann, Sprecher der Arbeitsgemeinschaft Zulieferindustrie (ArGeZ), Düsseldorf, zu Beginn der Hannover Messe (21. bis 25. April) melden: „Die gegenwärtige Auftragslage bei den deutschen Zulieferern ist unverändert gut.“ Doch ausgelastete Fertigungskapazitäten kennzeichnen die Branchensituation nur auf den ersten Blick als gut. Denn beim Pressegespräch am ersten Messetag machte Tutmann klar, wo in der Branche der Schuh schon stark drückt: „Besondere Sorgen machen uns aktuell die weiter steigenden Vormaterialpreise.“

Stahl (Halbzeug und Stabstahl) zum Beispiel ist laut Tutmann heute fast doppelt so teuer wie vor vier Jahren. Und die Energiekosten seien im gleichen Zeitraum um durchschnittlich 50 % gestiegen (bei Strom 30 %, Erdgas über 50 %, Heizöl mehr als verdoppelt). Auch die Personalkosten tendieren nach den Worten des ArGeZ-Sprechers inzwischen „wieder deutlich nach oben“. Hinzu komme, dass die Zulieferer der Automobilindustrie mit harten Sparprogrammen konfrontiert würden.

Die unangenehme Position, in der sich der mittelständische Zulieferer befindet, verglich Tutmann mit dem Bild eines Sandwiches. In der Mitte, wo das Leckere sitze, sei der Zulieferer positioniert. Er stecke zwischen Vormaterialindustrie und Großabnehmer. Und wenn das Sandwich dem Markt schmecken soll, dürften sowohl der Kunde als auch der Vormateriallieferant nicht zu fest drücken. „Denn sonst wird der Zulieferer erdrückt und es gibt ihn nicht mehr“, gab Tutmann zu bedenken.

Viele Zulieferer kämpften bereits heute gegen den weiteren Rückgang ihrer speziell bei den Automobilherstellern zu erzielenden mageren Margen. Aber nur wirtschaftlich gesunde Zulieferer könnten mit Innovationen und kompetenten Entwicklungsleistungen dienen und so mit dazu beitragen, die Wettbewerbsposition ihrer Kunden zu verbessern. Es sei deshalb wichtig, bei allen Sparprogrammen Augenmaß walten zu lassen und die Schraube nicht zu überdrehen, warnte Tutmann.

Ein weiteres Problem, das sich aus den immer knapper werdenden Rohstoffen ergibt, sprach Volkswirtschaftsexperte Stefan Beißwenger vom Berliner Hauptstadtbüro der Wirtschaftsvereinigung Metalle, Düsseldorf, auf der Hannover Messe an. In den letzten Jahren habe sich die Welt dramatisch verändert. Länder wie Russland oder China betrieben eine geostrategisch ausgerichtete Wirtschaftspolitik mit dem klaren Ziel, ihrer Wirtschaft mit massiver politischer Unterstützung den strategischen Zugang zu den wichtigen Industrierohstoffen zu sichern, gab Beißwenger zu bedenken. Russland nutze seine riesigen Rohstoffvorkommen konsequent als Vehikel der Außenpolitik und des Wiederaufstiegs zur Supermacht. Dies sei nicht nur bei den energetischen Rohstoffen zu beobachten, sondern zeige sich zunehmend auch im nichtenergetischen Bereich.

Als historisch beispiellos bezeichnete Beißwenger den Aufstieg Chinas und seinen damit einhergehenden Rohstoffhunger. Innerhalb weniger Jahre sei die Volksrepublik zum weltgrößten Konsumenten von Stahl, Kupfer und Kohle sowie zum zweitgrößten Konsumenten von elektrischer Energie und Erdöl aufgerückt. Russland und China – aber auch andere Länder wie Indien, die Ukraine oder Pakistan – schützten ihre Wirtschaft mit gezielten handelspolitischen Maßnahmen, die sich auf dem Weltmarkt höchst wettbewerbsverzerrend auswirkten.

„Deutschland braucht jedoch freien Handel sowie funktionierende Spielregeln“, sagte Beißwenger. Zur Lösung der politisch bedingten Wettbewerbsverzerrungen forderte er deshalb ebenfalls politische Unterstützung. Die deutsche Industrie habe in den vergangenen Jahren mit aktiver Beteiligung der Zulieferindustrien im intensiven Dialog mit der Bundesregierung eine gemeinsame Rohstoffstrategie mit dem Ziel entwickelt, eine Antwort auf die Herausforderungen zu finden. Hierzu sei im vergangenen Jahr durch die Bundeskanzlerin der Interministerielle Ausschuss Rohstoffpolitik (IMA) eingerichtet worden, dem auch das Bundeskanzleramt und das Wirtschaftsministerium angehöre. Der IMA habe die Aufgabe, sich mit den politischen Problemen der Rohstoffsicherheit zu befassen, damit die heimische Industrie nicht in existenzielle Bedrängnis gerate. ROLF MÜLLER-WONDORF/Si

Von Rolf Müller-Wondorf/Jürgen Siebenlist

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