Arbeitsmarkt in den USA 14.12.2012, 14:01 Uhr

Wirtschaftswachstum ohne neue Arbeitsplätze

Die US-Wirtschaft wächst, doch auf den Arbeitsmarkt wirkt sich das kaum aus. Gerade Start-ups sowie kleine und mittlere Unternehmen machen intensiven Gebrauch von freien Mitarbeitern. Viele können finanzielle Verpflichtungen nicht mehr eingehen, was sich schon bei der Investition von Immobilien bemerkbar macht.

Startups in den USA: Meist Einmannbetriebe.

Startups in den USA: Meist Einmannbetriebe.

Foto: Vodafone

„Wachstum bringt Jobs und Wohlstand“, sagten die beiden Präsidentschafts-Kandidaten Mitt Romney und Barack Obama in ihren Wahlkampfreden. Doch diese einfache Formel stimmt nicht mehr – zumindest nicht in den USA. So stieg das amerikanische Bruttosozialprodukt von 2008 bis 2011 um 6,3 %, wogegen die Zahl der Beschäftigten im gleichen Zeitraum um 2,9 % zurückging.

Eine der Ursachen für diese Diskrepanz ist in der neuen Startup-Szene zu finden, bei der es verpönt ist, frühzeitig Mitarbeiter einzustellen. Die meisten heutigen US-Start-ups sind nur noch Ein-Mann-Betriebe, die sich ein Netz an Freien Mitarbeitern schaffen, das genau dem entspricht, was das Unternehmen aktuell benötigt.

„Der Trend geht in Richtung einer ‚Agenten-Firma‘, wo jeder nicht mehr angestellt, sondern nur noch ein Agent oder ein Service-Provider ist“, sagt Mike Farmer, CEO des Ein-Mann-Start-ups Leap2. Er managt sein „Unternehmen“ in einer Bürogemeinschaft in Kansas City – weit weg von den schicken Büro-Suiten in Silicon Valley oder New York.

Arbeitsmarkt in den USA: Untersuchungen bestätigen Trend zu weniger Beschäftigung

Farmers Produkt ist eine Suchmaschine für mobile Geräte, die auf externen Servern gehostet ist. Seine Software-Entwickler sind allesamt Freie und müssen sich selbst um ihre Sozialversicherung und ihre Krankenversicherung kümmern. Einige davon machen deshalb den Job bei Level2 als Nebenjob zu einer Festanstellung, über die sie die erforderliche soziale Absicherung erhalten.

Den Trend zu weniger Beschäftigung bestätigen auch verschiedene Untersuchungen. So berichtet die Kauffman Foundation, dass von 1999 bis 2011 die Zahl der durchschnittlich bei einem Start-up beschäftigten Mitarbeiter von 7,7 auf 4,7 gefallen ist. Auch die Zahl der Firmen, die überhaupt einen Mitarbeiter beschäftigen, ist in den letzten fünf Jahren um 20 % gesunken, während die Zahl der Ein-Mann-Betriebe von 2000 auf 2010 um 33,8 % angestiegen ist.

Selbst wenn das Geschäft bei einem Start-up stark ansteigt, ändert sich an der Personalsituation nur sehr wenig. Ein Beispiel dafür ist die Foto-Sharing-Webseite Instagram. Diese wurde 2010 gegründet und im April dieses Jahres für 1 Mrd. Dollar von Facebook akquiriert. Am Tag der Meldung hatte die Firma nur rund ein Dutzend Mitarbeiter – dafür aber 35 Mio. Nutzer, und in den Tagen danach stieg diese Zahl sogar auf über 40 Mio. an.

Apple: Zahl der Neueinstellungen hinkt den Umsatzzuwächsen hinterher

Doch das alles führte nicht zu Neueinstellungen. Instagrams gesamter IT-Bereich ist bei Amazons Cloud-Plattform AWS gehostet, und dort war man in der Lage, den rasant ansteigenden IT-Bedarf problemlos abzufedern. Auch für die Standard-Büro-Funktionen wie Gehaltsabrechnung und Buchhaltung setzte man bei Instagram bis zur Akquisition nur auf externe Cloud-Provider.

Doch nicht nur die Start-ups und KMU haben die neuen Arbeitsformen für sich entdeckt. Auch große US-Konzerne machen von der Flexibilisierung des nationalen Arbeitsmarktes und der Globalisierung intensiv Gebrauch.

Ein Beispiel hierfür ist Apple Computer. Von 2005 auf 2012 ist deren Umsatz um mehr als das Elffache auf 156,5 Mrd. Dollar angestiegen, die Zahl der Mitarbeiter nur um knapp das Fünffache auf 72 800, wobei darin auch die rund 43 000 Mitarbeiter von Apples Einzelhandelsbetrieben enthalten sind. Das heißt, für das gesamte Kerngeschäft sind bei Apple nur 30 000 Mitarbeiter angestellt. Der Rest der für Entwicklung, Produktion, Marketing und Logistik erforderlichen Mitarbeiter ist bei den Zulieferern, wie Foxconn oder anderen Betrieben beschäftigt.

Trend zu freien Mitarbeitern verändert den Arbeitsmarkt und damit die gesamte Volkswirtschaft der USA

Der Trend zu einzelnen freien Mitarbeitern hat erhebliche Auswirkungen auf die gesamte Volkswirtschaft. „Nur Festangestellte haben einen relativ sicheren Arbeitsplatz mit Kranken- und Sozialversicherung sowie dem Recht auf Gewerkschaftsvertretung und Tarifverträge“, sagt Sabina Dewan vom Thinktank Center for American Progress. Und nur mit dieser Absicherung sind diese Personen bereit, langfristige finanzielle Verpflichtungen wie Hypotheken, College-Ausbildungen oder Kredite für hochpreise Konsumgüter einzugehen. Das wiederum führt ihrer Ansicht nach bereits zu einem veränderten Investitionsverhalten bei Immobilien und der Vergabe von Bankkrediten.

Eine weitere negative Folge für den US-Arbeitsmarkt ist die Verlagerung von Fertigungs-Jobs ins Ausland, so wie es Apple mit der Herstellung seiner iPhones und iPads sehr exzessiv betreibt. Dieses Auslagern erfolgt nur vordergründig aufgrund des unterschiedlichen Lohnniveaus. Bei einem Dinner im Februar 2011 fragte Präsident Obama den damaligen Apple-Chef Steve Jobs, was zu tun sei, damit die Fertigungsarbeitsplätze von China in die USA verlagert werden können. „Diese Arbeitsplätze werden niemals in die USA kommen. Hier fehlen das notwendige Know-how und die erforderliche Flexibilität“, war Jobs‘ knappe Antwort, in der er mit keinem Wort auf die Lohnunterschiede einging.

Von Harald Weiss

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