Export 17.04.2009, 19:40 Uhr

Viele Währungen fahren in der Krise Achterbahn  

Mit Wechselkursrisiken lebt die deutsche Exportwirtschaft schon lange. Selten aber waren die Schwankungen an den Devisenmärkten so stark wie im letzten Jahr. Die weltweite Wirtschaftskrise führt zudem zu weiteren Unsicherheiten. VDI nachrichten, Düsseldorf, 17. 4. 09, ps

Schon im letzten Jahr erkannten viele Exporteure, dass eine Absicherung gegen starke Währungsschwankungen hilfreich wäre. Der Dollar etwa hatte kräftig gegenüber dem Euro verloren. In den letzten Monaten aber erholte sich die US-Währung wieder. „Es ist wichtig, diese Unsicherheit bei der Währungssicherung zu berücksichtigen“, meint Stefan Bender, Leiter des Währungshandels bei der Deutschen Bank. Klassische Termingeschäfte, die in der Vergangenheit bei der Währungsabsicherung dominiert haben, bieten aber keine Flexibilität. Dabei sichern sich z. B. Unternehmen, die ins Ausland exportieren, einen festen Wechselkurs für den Termin, an dem der Fremdwährungs-Zahlungseingang des ausländischen Kunden erwartet wird. Ein Exporteur sichert sich z. B. mit einem Termingeschäft gegen steigende Wechselkurse.

Da man sich mit solchen Termingeschäften gegen fallende Wechselkurse absichert, geht die Rechnung nicht auf, wenn die Fremdwährung stattdessen gegenüber dem Euro steigt – oder man nicht so hohe Umsätze erwirtschaften kann wie geplant. Denn das Geschäft muss das Unternehmen auf jeden Fall erfüllen.

„Solche Ansätze mögen in normalen Zeiten mit berechenbaren Kursschwankungsrisiken und einigermaßen planbaren Umsätzen eine gute Strategie sein. In sehr unsicheren Phasen wie beispielsweise im letzten Quartal stoßen sie jedoch an Grenzen“, meint auch Thomas Flury, Währungsanalyst der schweizerischen UBS.

In der Vergangenheit stand in der Regel das Wechselkursrisiko im Vordergrund, heute aber gehe es eher darum, ob der vereinbarte Preis beim zugrunde liegenden Geschäft tatsächlich gehalten werden könne – oder im Extremfall die Kunden des Unternehmens den Auftrag nicht sogar stornierten. „Deshalb muss man alle Risiken zusammen betrachten“, sagt Bender, „Währungs-, Zins- und Kreditrisiken.“ Auch Länderrisiken hätten zugenommen, meint er mit Verweis auf die wirtschaftliche Lage Islands oder Ungarns.

Um genügend Flexibilität zu bewahren rät der Manager dazu, maximal 30 % des Währungsrisikos mit einem Termingeschäft abzusichern – nicht mehr, weil es eben zwingend erfüllt werden müsse. 40 % könne man mit Optionen absichern – etwa eine Put-Option auf den Dollar abschließen, wenn man der Ansicht sei, dass der Euro in einer bestimmten Zeit steigt.

Bei einer solchen Verkaufsoption hat der Käufer das Recht, aber nicht die Pflicht, den zugrunde liegenden Basiswert, in dem Fall also die Währung, zu einem bestimmten Zeitpunkt zu veräußern, und das zu einem Preis, der im Voraus feststeht.

Wenn der Wechselkurs bei Fälligkeit über diesen Basiswert gestiegen ist, wird er die Option ausüben. Ist der Euro-Dollar-Kurs allerdings gefallen und hat sich damit zu Gunsten des Unternehmens entwickelt, wird er die Option verfallen lassen, da er für seinen Zahlungseingang in Dollar in diesem Fall einen besseren Kurs erzielen kann.

Diese Option sei wie eine Vollkasko-Versicherung – aber eben auch entsprechend teuer. Auf ein Jahr gesehen fallen dafür Kosten, eine Prämie, von 7 % auf die zu versichernde Summe an. Deshalb empfiehlt sich vielleicht eher die „Teilkasko“-Lösung, nämlich nur eine bestimmte Spannbreite abzusichern – und das zu entsprechend günstigeren Kosten.

Außerdem bieten sich Optionen mit gestaffelter Prämienzahlung an – zu Beginn zahlt das Unternehmen eine deutlich geringere Prämie, weitere Zahlungen werden in bestimmten Abständen fällig. Zahlt das Unternehmen nicht, erlischt damit die Option. Dadurch seien die Kunden flexibler – und die Kosten geringer, erklärt Bender.

Während man die kurzfristigen Schwankungen so noch relativ einfach in den Griff bekommen kann, ist es schwieriger, sich auf langfristige Verschiebungen im Währungsgefüge einzustellen. „Solche Trends führen zu Niveauverschiebungen der Jahresdurchschnittskurse, die mit den üblichen Instrumenten nicht einfach weggefiltert werden können“, sagt Währungsanalyst Flury von der UBS.

Neben dem Dollarraum sieht Stefan Bender künftige Risiken auch in Osteuropa. Die Finanzkrise trifft die östlichen Nachbarländer hart. „Dadurch könnten einige deutsche Unternehmen sogar in ihrer Existenz gefährdet werden“, warnt der Währungsexperte.

BRIGITTE SCHOLTES

Von Brigitte Scholtes

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