Währungspolitik 29.04.2005, 18:38 Uhr

Ungleiche Nachbarn auf dem Weg nach Europa  

Rumänien und Bulgarien haben am Montag die Verträge über ihren EU-Beitritt im Jahre 2007 unterzeichnet. Schon heute wirken die beiden Länder wie ein Magnet auf ausländische Direktinvestitionen.

Schon seit einigen Jahren gelingt es den einstigen Armenhäusern Europas, ihr Image aufzupolieren und sich internationalen Investoren als Zukunftsmärkte zu präsentieren. Die makroökonomischen Parameter haben sich tatsächlich während der letzten vier Jahre durchweg positiv entwickelt (siehe Grafik). Im vergangenen Jahr schloss der Staatshaushalt erstmals mit einem Überschuss und die ausländischen Direktinvestitionen erreichten das Rekordniveau von 2 Mrd. €.

Als Produktionsstandort ist Bulgarien auf Grund seines konkurrenzlos günstigen Lohnniveaus und seiner geographischen Zentralität an der Schnittstelle zwischen Europa, Asien und dem Nahen Osten interessant fünf der zehn von der EU definierten paneuropäischen Transportkorridore tangieren bzw. durchqueren das Land.

Obwohl die Wiederwahl der regierenden Nationalen Bewegung Simeons II. bei den Parlamentswahlen im Juni zweifelhaft erscheint, sind nach Milen Veltchev in Bulgarien unabhängig vom Wahlausgang keine gravierenden Kursänderungen zu erwarten: „Alle politischen Parteien in Bulgarien und 80 % der Bevölkerung unterstützen die EU-Integration des Landes“, versicherte Veltchev.

In scharfem Kontrast zu ihren unbestreitbaren Erfolgen stehen in Rumänien wie in Bulgarien allerorten offensichtliche Entwicklungsdefizite: heruntergekommene Plattenbausiedlungen, marode Infrastrukturanlagen und ein auffälliges Auseinanderklaffen von existenzieller Armut und zur Schau gestelltem Reichtum.

Selbst kühnste Optimisten werden nicht erwarten, dass sich die dortigen Lebensbedingungen während der nächsten zwei Jahre europäischem Standard angleichen ließen. Entsprechend kritisch hinterfragten die Abgeordneten im Europaparlament bei ihrer letzten Debatte den für die EU-Integration vorgesehenen Finanzrahmen von immerhin über 43 Mrd. €.

Und doch sind es gerade die zu lösenden Probleme, die die Geschäftsinteressen großer internationaler Konzerne wecken. Der Energieversorger Eon hat im vergangenen Jahr eine Mehrheitsbeteiligung beim nordost-bulgarischen Stromnetz übernommen und sich Anfang diesen Monats mit der rumänischen Regierung auf eine Beteiligung an dem Stromerzeuger Electrica Moldova verständigt.

Siemens liefert dem staatlichen bulgarischen Bahnunternehmen DBZ in diesem Jahr 25 Desiro-Dieselloks, die vor einigen Jahren bereits auch nach Rumänien verkauft wurden. Damit wird der grenzüberschreitende Zugverkehr zwischen beiden Ländern erleichtert.

Auch die großen Handelskonzerne wie Metro und Kaufland sind mittlerweile in beiden Ländern unübersehbar präsent. Im Gefolge der Großen wächst auch die Zahl kleiner und mittlerer Unternehmer, die die künftigen EU-Mitgliedstaaten als günstige Produktionsstandorte oder Vertriebsstützpunkte für ganz Südosteuropa mit ca. 60 Mio. Konsumenten für sich erschließen wollen.

Obwohl Rumänien und Bulgarien in direktem Wettbewerb um die Gunst internationalen Kapitals stehen, sollten sie künftig ihre Interessen stärker gemeinsam wahrnehmen. Allerdings stehen sich Bulgaren und Rumänen meist gleichgültig gegenüber, bisweilen auch mit unverhohlener Geringschätzung. Während der für beide Länder schwierigen 90er Jahre hagelte es auf Regierungsebene wie über die Medien regelmäßig giftige Vorwürfe wegen Umweltverschmutzung etwa durch Abwassereinleitungen in die Donau oder Schadstoffemissionen veralteter Industriebetriebe. Damit solle Schluss sein, erklärte der rumänische Ministerpräsident Calin Popescu-Tariceanu, als er Ende März Sofia besuchte. In diesem Jahr soll endlich mit dem von der EU unterstützten Bau der seit über zehn Jahren geplanten zweiten Donau-Brücke zwischen dem südwestrumänischen Kalafat und dem nordwestbulgarischen Vidin begonnen werden. Ein energiewirtschaftlich wichtiges Großprojekt ist die Bulgarien und Rumänien passierende Nabucco-Pipeline, durch die ab 2009 Gas aus der kaspischen Region nach Westeuropa transportiert werden soll – ihre gemeinsame Eingliederung in die Europäische Union könnte die beiden Balkanländer einander näher bringen. FRANK STIER

Chronik des EU-Beitritts
– Wenn Bulgarien und Rumänien zum 1. Januar 2007 der EU beitreten, kommt ein mehrjähriger Integrationsprozess zum Abschluss. Für beide Staaten hatte er im Frühjahr 1993 mit der Unterzeichnung von Assoziationsabkommen mit der Europäischen Gemeinschaft begonnen.
– Im Juni 2004 schloss Bulgarien die EU-Beitrittsverhandlungen ab, ein halbes Jahr später Rumänien. Mitte April dieses Jahres bestätigte das Europäische Parlament den Vorschlag der EU-Kommission, die EU-Beitrittsverträge Rumäniens und Bulgariens am 25. April zu unterzeichnen.
– Die Verträge enthalten eine Vorbehaltsklausel: Sollten die halbjährlichen Fortschrittsberichte der EU-Kommission feststellen, dass Bulgarien und Rumänien ihren noch ausstehenden Verpflichtungen (etwa bei der Reform der Justizsysteme und der Bekämpfung von organisierter Kriminalität und Korruption) nicht nachkommen, könnte ihr Beitritt um ein Jahr verschoben werden. fs

Von Frank Stier

Stellenangebote im Bereich Einkauf und Beschaffung

über ifp | Personalberatung Managementdiagnostik-Firmenlogo
über ifp | Personalberatung Managementdiagnostik Ressortleiter Produktion, Technik und Einkauf (m/w/d) deutschlandweit
Bürkert Fluid Control Systems-Firmenlogo
Bürkert Fluid Control Systems Technischer Einkäufer für den Bereich Elektronik (m/w/d) Ingelfingen
Plansee SE-Firmenlogo
Plansee SE Supplier Quality Engineer (m/w/d) Reutte (Österreich)
Euroglas GmbH-Firmenlogo
Euroglas GmbH Prozessingenieur Floatglasherstellung (m/w/d) Haldensleben
Panasonic Industrial Devices Europe GmbH-Firmenlogo
Panasonic Industrial Devices Europe GmbH Supplier Quality Engineer (m/w/d) für elektronische und Halbleiter-Komponenten (Automotive) Lüneburg
Richard Hönig Wirtschaftsberatungen-Firmenlogo
Richard Hönig Wirtschaftsberatungen Leitung Einkauf (m/w/d) Gruppe Metall Süddeutschland
Bundesamt für das Personalmanagement der Bundeswehr-Firmenlogo
Bundesamt für das Personalmanagement der Bundeswehr Ingenieur/in (m/w/d) in Leitungsfunktion – Bereich Beschaffung Köln
GESOBAU AG-Firmenlogo
GESOBAU AG Ingenieur / Architekt als Mitarbeiter (m/w/d) Einkauf / Vergabe Berlin
STAUFEN.AG-Firmenlogo
STAUFEN.AG Partner / Principal (m/w/d) Supply Chain Management verschiedene Einsatzorte

Alle Einkauf und Beschaffung Jobs

Top 5 Konjunktur

Zu unseren Newslettern anmelden

Das Wichtigste immer im Blick: Mit unseren beiden Newslettern verpassen Sie keine News mehr aus der schönen neuen Technikwelt und erhalten Karrieretipps rund um Jobsuche & Bewerbung. Sie begeistert ein Thema mehr als das andere? Dann wählen Sie einfach Ihren kostenfreien Favoriten.