Exportfinanzierung 02.07.2010, 19:47 Uhr

Trotz wirtschaftlicher Erholung setzen viele Firmen weiter auf staatliche Exportabsicherung

Die deutsche Wirtschaft erholt sich von der Krise auf traditionellem Weg: Sie steigert die Exporte. Doch die Risiken des Auslandsgeschäfts bleiben hoch. Damit die Unternehmen vom Export tatsächlich profitieren, bieten Staat und private Finanzwirtschaft verschiedene Instrumente an.

Made in Germany ist wieder gefragt“, sagt Ulrich Schürenkrämer, Mitglied der Geschäftsleitung Firmenkunden Deutschland der Deutschen Bank. Gerade der für die deutsche Wirtschaft so wichtige Mittelstand profitiere von der Erholung.

Doch die Eigenkapitalausstattung kleiner und mittlerer Firmen, die vor der Krise auf einem passablen Niveau angelangt war, ist durch den Crash wieder geschrumpft. Wegen knapper Liquidität darf deshalb zwischen Lieferung und Zahlung nicht viel Zeit vergehen. Auch deshalb sind Instrumente der Exportfinanzierung immer noch stark gefragt.

„Kreditfinanzierungsangebote für Abnehmer deutscher Exportgüter waren in ihren lokalen Kredit- und Kapitalmärkten nur noch eingeschränkt verfügbar“, blickt Stefan Böhlig auf die Krise zurück. Er ist als „head of structured export and trade finance“ bei der Commerzbank für die Exportfinanzierung zuständig. „Und dies nicht nur für Importeure in Entwicklungs- und Schwellenländern, sondern teilweise auch für Abnehmer in Industriestaaten.“

Das hat auch Ilko Jantschev beobachtet, stellvertretender Leiter Exportfinanzierung der DZ-Bank, eines der beiden Spitzeninstitute der Genossenschaftlichen Bankengruppe: „Es sind vor allem die Kunden der deutschen Exportunternehmen, die nach einer Finanzierung fragen“, sagt er.

Im Auslandsgeschäft gilt es derzeit nicht nur, den möglichen Ausfall eines Kunden zu bedenken. Es müssen auch Länder-, Währungs- und Zinsrisiken berücksichtigt werden. „Alles, was mit Risiko zu tun hat, erscheint in einem neuen Licht“, sagt Schürenkrämer.

Die staatliche Exportabsicherung durch Hermes-Kredite ist dabei wichtige Grundlage für die Zusammenarbeit der Banken mit ihren Kunden. Erst in der vergangenen Woche hatte die Bundesregierung die Risikoabschirmung der Lieferantenkredite durch Hermes von 95 % bis Ende 2013 verlängert – zu normalen Zeiten sichert der Staat nur 85 % des Risikos ab.

„Diese Möglichkeit wird von den Exporteuren sehr gerne und häufig genutzt, da die erhöhte staatliche Absicherung die Refinanzierung solcher gedeckten Forderungen bei den Banken erleichtert“, sagt Stefan Böhlig von der Commerzbank.

„Der Kunde nutzt zur Zeit vorwiegend die Möglichkeit von Garantien und Akkreditiven“, erläutert Kees Hoving, Leiter Zahlungsverkehr und Handelsfinanzierung Deutschland bei der Deutschen Bank: Dabei beauftragt der Importeur seine Bank, bei der Hausbank des Exporteurs ein Akkreditiv zu eröffnen. Es garantiert dem Exporteur, bei Vorlage spezieller Dokumente den vereinbarten Rechnungsbetrag auch zu erhalten.

Avalgarantien sind eine weitere Möglichkeit für die Unternehmen, ihre Liquidität zu schonen: Auch hier hatte der Bund während der Krise das von ihm übernommene Risiko von 80 Mio. € auf 300 Mio. € pro Unternehmen erweitert – gelegentlich sogar darüber hinaus. Dieses erweiterte Volumen gilt bis Ende dieses Jahres. Zudem werden Forfaitierungen gern genutzt, also der Ankauf einzelner Auslandsforderungen.

Neben den staatlichen Hermeskrediten sichern die Unternehmen ihre Geschäfte über private Kreditversicherer ab. Die aber hatten in der Krise weniger Risiken übernehmen wollen. Hilfreich sind deshalb auch die Möglichkeiten der öffentlichen Förderbanken. „Die Zusammenarbeit mit der KfW und den regionalen Förderinstituten ist intensiv“, sagt Ulrich Schürenkrämer. „Bei jeder Finanzierung versuchen wir auch beim Export oder der Investitionsfinanzierung im Ausland das günstigste Paket für den Kunden zu schnüren.“

Die Refinanzierungssituation der Banken habe sich noch nicht wieder ausreichend entspannt, erläutert IIko Jantschev von der DZ Bank. Deshalb würden die Instrumente der Exportfinanzierung noch stark nachgefragt.

Eine grundsätzliche Veränderung hat Jantschev aber beobachtet: Trat früher in der Regel die ausländische Bank als Kreditnehmer auf, so wollten heute die importierenden Unternehmen selbst mit ihren deutschen Lieferanten bzw. mit deren Hausbanken etwa über Bestellerkredite verhandeln: „Das macht die Vertragsverhandlungen schwieriger“, sagt Jantschev.

Starke Exportzuwächse melden generell der Maschinenbau, die Elektro- und Elektronikindustrie und die Autobranche. So individuell wie die Produkte, die die deutschen Unternehmen ins Ausland liefern, sind aber auch ihre Anforderungen an ihre Finanzierung oder die ihrer Kunden. „Wir bieten dem Kunden einen umfassenden Service“, meint Kees Hoving von der Deutschen Bank. Die Auswahl der Produkte, die Beratung über Zins- und Devisenrisiken in den verschiedenen Ausfuhrländern gehörten dazu.

Der Preis allein sollte nach Meinung der Bank nicht ausschlaggebend sein. Immerhin habe die Krise die Margen im Exportfinanzierungsgeschäft wieder auf ein auskömmliches Niveau gehoben, so Ilko Jantschev von der DZ Bank. Mit zunehmender Gesundung der Wirtschaft steige der Wettbewerbsdruck unter den Banken und damit der Druck auf die Margen wieder an. Die Unternehmen dürften das nicht unbedingt als schlechte Nachricht ansehen.

BRIGITTE SCHOLTES

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