Export 13.08.2010, 19:48 Uhr

Steigende Lohnkosten in China vergraulen Firmen

Die steigenden Löhne in China bringen die Kalkulationen vieler Unternehmen durcheinander. Das trifft auch deutsche Unternehmen. Nach dem China Customs Magazine der chinesischen Zollverwaltung waren 2009 unter den 200 ersten Exporteuren des Landes nicht weniger als 153 Ausländer. Manche wollen jetzt in andere Länder verlagern.

Die King Sun Industry in Taipeh zählt zu den zahlreichen Unternehmen der fernöstlichen Hightech-Insel, die Betriebe auf dem chinesischen Festland managt. „Wir fertigen industrielle Kühlanlagen in Schanghai und Peking und das ist recht lohnintensiv,“ erzählt Lillian Chien, die das Auslandsgeschäft der Gruppe managt. „Einen Lohnschub von 60 % wie kürzlich bei der Foxconn in Shenzhen könnten wir sicher nicht verdauen. Auf alle Fälle nicht bei den Ausfuhren. Aufbesserungen der Löhne und Gehälter wie die, die durch die Arbeitsniederlegungen bei Honda, Denso oder Foxconn durchgeboxt worden waren, treffen vor allem auch die Firmen, die bisher billig in China fertigten, um preisgünstig exportieren zu können.“

Wie viele deutsche Unternehmen fallen in die gleiche Kategorie? Die meisten sind hier, um an chinesische Kunden zu liefern, aber der Anteil der Firmen, die einen größeren Teil exportierten, sei beträchtlich, heißt es in der deutschen Auslandshandelskammer in Hongkong. Darunter sind Chemiefirmen, Hersteller von Konsumgütern wie Adidas, aber auch die Siemens AG, Knorr Bremse sowie Bosch. Nach dem China Customs Magazine der chinesischen Zollverwaltung waren 2009 unter den 200 ersten Exporteuren des Landes nicht weniger als 153 Ausländer. Ein Jahr davor waren es 141. Huawei Technologies, ein Telekommunikationstechnik-Konzern in Shenzhen, war mit 7 Mrd. Dollar auf dem achten Platz das erste chinesische Unternehmen auf dieser Liste. Mit anderen Worten: Japanische, südkoreanische, finnische, taiwanische und auch deutsche Firmen halfen China, Deutschland den Titel Export-Weltmeister abzujagen.

Viele Firmen suchen nun nach einem neuen Business-Modell. Chien: „Da ist einmal der Umzug in eine chinesische Provinz oder ein Land der Region mit niedrigeren Löhnen. Automatisierung ist eine weitere Möglichkeit, die auch wir erwägen, oder auch schlicht und einfach die Rückkehr nach Taiwan. Auch die Foxconn denkt übrigens darüber nach“, sagt Chien. Auch die westliche Metropole Chongqing, wo die Löhne um die 20 % unter denen in Shenzhen liegen, böte sich an.

Dass Firmen zunehmend darüber nachdenken, China zu verlassen, machen auch Ergebnisse der European Chamber of Commerce sowie der American Chamber of Commerce deutlich, nach denen seit einigen Jahren die Zahl ihrer Mitglieder abschmilzt, die daran glauben, dass die besten Jahre in chinesischen Landen noch vor ihnen liegen.

Doch es gibt auch andere Stimmen. Andreas Gerstenmayer winkt ab. „Zuletzt sahen wir schon in Schanghai einen jährlichen Lohn- und Gehaltsanstieg von um die 12 %“, meint gelassen der CEO der AT&S im österreichischen Leoben. Der erste Leiterplattenhersteller Europas fertigt seit einigen Jahren in Schanghai. Gerstenmayer: „Allerdings in einem toptechnologisch ausgelegten Betrieb.

Der Anteil der Arbeitskosten liegt nicht höher als 10 %.“ Er sieht keine Hürden bei den Arbeitskosten, und eine Reihe anderer europäischer Unternehmen von ABB über Nestle bis zur BASF auch eher nicht . „Forschung und Entwicklung sind für uns eine größere Herausforderung“, meint Gerstenmayer. „Dass hier und da kopiert wird, kann nicht völlig verhindert werden, wir sind Realisten. Also muss in der Forschungs- und Entwicklungsbahn schneller gearbeitet werden. Das hat bei uns Priorität, nicht, was bei den Arbeitskosten passiert.“ AT&S führt eine auch von Brüssel gestützte internationale Forschungsgemeinschaft (Hermes), der unter anderem Siemens, Infineon, Thales, Bosch und Atotech angehören.

Doch welche Länder könnten für Firmen interessant sein, die die steigenden Lohnkosten als Bedrohung sehen? Lillian Chien erwähnt unter anderem auch Kambodscha. Die King Industry ist bereits in Indonesien und auch Thailand aktiv. „Was uns und anderen Firmen Kopfzerbrechen bereitet und es uns schwer macht, umzusiedeln, sind die zuliefernden Firmen“, fügt sie an. „Das lässt sich nicht so ohne Weiteres anderswo in wenigstens ähnlicher Weise wie hier in China wieder auf die Beine stellen. Auch passende Mitarbeiter zu finden, ist kein Kinderspiel.“ Das fand auch Intel in Vietnam heraus, wo die Löhne um 30 % bis 40 % unter denen der chinesischen Küstenregion liegen. Wie Ford muss auch der Chiphersteller finanz- und zeitaufwendige Bildungsprogramme ausrollen, um dem Ziel von 2500 Mitarbeitern näher zu kommen. Im laufenden Jahr sollte das erreicht werden. Daraus wird nun nichts. Vor allem mit den Englischkenntnissen, auch der Hochschulabgänger, sind Intels Personalmanager alles andere als zufrieden. JAN HOEHN

Von Jan Hoehn

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