Beschaffung 16.07.2010, 19:48 Uhr

Starker Dollar muss Einkäufer nicht schrecken

Der Höhenflug der US-Währung bringt Einkäufer in eine prekäre Lage. Wer viele Rohstoffe und Vorprodukte aus dem Dollarraum bezieht, muss mit deutlich steigenden Preisen kalkulieren. Doch die Flucht aus dem Greenback ist keine Lösung, warnt Marc Kloepfel, Geschäftsführer der auf internationales Beschaffungsmanagement spezialisierten Kloepfel Consulting, im folgenden Beitrag.

Viele Marktbeobachter rechnen damit, dass der US-Dollar gegenüber dem Euro weiter zulegt. Die Parität zur europäischen Gemeinschaftswährung scheint keineswegs ausgeschlossen. Importe aus dem Dollarraum dürften sich deshalb deutlich verteuern.

Für deutsche Industrieunternehmen, die im vergangenen Jahr unter der schwersten Rezession der Nachkriegszeit zu leiden hatten, ist dies ein schweres Los. Viele Firmen kämpfen noch immer mit den Folgen des Krisenjahres 2009. Starke Wechselkursschwankungen können ihnen leicht erneut die Bilanz verhageln.

Einkäufer wären dennoch schlecht beraten, Beschaffungsmärkte, die in Dollar fakturieren, zu vernachlässigen. Zum Global Sourcing gibt es keine Alternative. In Südamerika und Asien liegen die Beschaffungsmärkte der Zukunft. Breite und Qualität des Angebots haben in den vergangenen Jahren deutlich zugenommen – ein Trend, der sich in Zukunft eher verstärken als abschwächen wird. Da beide Regionen jedoch zum Dollarraum zählen, wird das Einkaufsvolumen in US-Währung zunehmen.

Parallel zu dieser Entwicklung gewinnen Asien und Südamerika auch als Verkaufsmärkte an Bedeutung. Der vermehrte Einkauf in diesen Regionen öffnet dem Verkauf die Türen. Er unterstützt „harmonische Geschäftsbeziehungen“, denen gerade in Asien ein hoher Stellenwert zukommt. Er trägt dazu bei, mögliche Offset-Verpflichtungen zu erfüllen. Und er sorgt auf gesamtwirtschaftlicher Ebene für ausgeglichenere Handelsbilanzen.

Darüber hinaus zwingt diese Einkaufsstrategie europäische Lieferanten dazu, ihre Wertschöpfungs- und Beschaffungskonzepte zu verändern. Das Global Sourcing ihrer Kunden nötigt sie, die Produktivitäts- und Lohnkostenvorteile der Schwellenländer auch selbst zu nutzen. Nur so werden sie im Wettbewerb bestehen.

Trotz aller genannten Vorteile des Global Sourcing lassen sich die damit verbundenen Wechselkursrisiken nicht bestreiten. Einiges spricht dafür, dass die Volatilität der Devisenmärkte in der nächsten Zeit sogar eher noch zu- als abnehmen wird.

Wie können deutsche Unternehmen die Chancen der Globalisierung nutzen und zugleich die Gefahr minimieren, die von Währungsturbulenzen (wie der gegenwärtigen Dollaraufwertung) ausgeht? Vier Strategien haben sich in der Praxis bewährt:

Dollar als Vertragswährung: Im Einkauf wird grundsätzlich keine Währungskursspekulation betrieben, keine Zuschläge für Währungen akzeptiert. Immer häufiger legen Unternehmen deshalb den Dollar als verbindliche Vertragswährung fest: Alle Lieferanten werden gebeten, in Dollar anzubieten und gegebenenfalls selbst einen Teil des Währungsrisikos zu übernehmen.

Ein solches Vorgehen erleichtert es dem Einkauf überdies, die eingereichten Angebote rasch zu vergleichen. Ob in Dollar eingekauft wird, hängt im Übrigen auch von der Warengruppe ab. Dabei spielen verschiedene Faktoren eine Rolle, wie etwa die Größe von Lieferanten, die je nach Warengruppe erheblich variiert. Ein weiterer Faktor sind typische Vertragslaufzeiten. Für Warengruppen mit langen Vertragslaufzeiten ist die Vermeidung von Währungsrisiken, also der Einkauf in Dollar, unverzichtbar. Bei kurzfristigen Verträgen zählt eher der unmittelbare Kostenvorteil zum Zeitpunkt der Transaktion.

Natural Hedging: Hat das Unternehmen viele Kunden im Dollarraum, sollte der Einkauf versuchen, in gleichem Maße im Dollarraum zu beschaffen. So können Nachteile im Einkauf durch Vorteile im Vertrieb (und umgekehrt) ausgeglichen werden. Natural Hedging ist für viele Unternehmen der mit Abstand größte Hebel zur Reduzierung von Währungskursrisiken.

Den Kurstrend vorwegnehmen: Gerade wenn Unternehmen auf die Zulieferung wichtiger Komponenten angewiesen sind, sollten sie sowohl mit Lieferanten aus dem Euro- als auch mit Lieferanten aus dem Dollarraum zusammenarbeiten. Bei starkem Euro wird der Lieferant im Dollarraum stärker berücksichtigt, bei schwachem Euro der Lieferant in der Eurozone. Ein sinnvolles Verhältnis könnte beispielsweise ein Drittel zu zwei Drittel sein. Dabei ist es wichtig, vorauszuschauen. Dreht der Kurstrend, ist es oft zu spät, da Lieferantenfreigaben in der Regel mehrere Monate, teilweise Jahre, dauern.

Währungshedging: Die Absicherung gegen Wechselkursschwankungen ist ein weiteres wichtiges Instrument zur Risikovermeidung. Als Financial Hedging werden Währungstermingeschäfte bezeichnet, bei denen etwa ein definierter Betrag von US-Dollar zu einem bestimmten Zeitpunkt in der Zukunft zu einem vorher festgelegten Kurs verkauft wird. Damit lässt sich der Wechselkurs quasi einfrieren – vorausgesetzt es findet sich ein Partner für das geplante Währungsgeschäft, das heißt den gewünschten Betrag und Zeitraum. Üblicherweise übernehmen Banken diese Aufgabe. Wegen der Finanzkrise gibt es allerdings bei diesen Transaktionen unter Umständen Engpässe. MARC KLOEPFEL

Von Marc Kloepfel

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