Wirtschaftspolitik 07.12.2007, 19:32 Uhr

Spätere Entnahme kann teuer werden  

Sie sollen steuerlich mit Kapitalgesellschaften weitgehend gleich gestellt werden. Deshalb werden einbehaltene Gewinne künftig niedriger besteuert. Doch die Neuregelung hat einen Pferdefuß. Diese und weitere wichtigen Änderungen erläutert der Gelsenkirchener Steuerberater im folgenden Beitrag.

Thesaurierungsbegünstigung nach § 34a EStG n.F.: Kern der Unternehmensteuerreform 2008 ist der Versuch, die Besteuerung von Einzelunternehmen bzw. Personengesellschaften (GbR, oHG, KG) der von Kapitalgesellschaften (GmbH, AG) anzunähern. Diese Anpassung ist erforderlich, weil der Körperschaftsteuertarif auf 15 % abgesenkt wird, um die Gesamtsteuerbelastung (Körperschaftsteuer, Solidaritätszuschlag, Gewerbesteuer) einer Kapitalgesellschaft auf unter 30 % zu begrenzen. Der Ausgleich bei Einzelunternehmern bzw. Personengesellschaften soll durch Einführung der „Thesaurierungsbegünstigung“ erfolgen.

Mit dieser Regelung können auf Antrag nicht entnommene Gewinne im Jahr des Entstehens lediglich mit 28,25 % zuzüglich Solidaritätszuschlag und gegebenenfalls Kirchensteuer belastet werden.

Wenn aus diesem begünstigten Betrag dann in späteren Jahren Entnahmen getätigt werden, erfolgt eine Nachversteuerung mit 25 % zzgl. Solidaritätszuschlag und ggf. zzgl. Kirchensteuer im Entnahmejahr. Als nachversteuerungspflichtiger Betrag gilt vereinfacht der bislang begünstigt besteuerte Gewinn abzüglich der darauf entfallenden Einkommensteuer- und Solidaritätszuschlagbelastung.

Gestaltungshinweis: Auf Grund der relativ hohen Nachversteuerung macht die Inanspruchnahme der Thesaurierungsbegünstigung nur dann Sinn, wenn im Jahr, in dem der Gewinn entsteht, mit einer Spitzenbelastung zu rechnen ist. Schon bei einer individuellen Einkommensteuer von 40 % ist die Nachversteuerung um rund sechs Prozentpunkte teurer. Es kann somit zwar kurzfristig ein Stundungseffekt erreicht werden, die Gesamtbelastung und das zukünftige Entnahmeverhalten müssen aber im Auge behalten werden.

Investitionsabzugsbetrag nach § 7g EStG: Eine ebenfalls wichtige Änderung erfährt der § 7g EStG. Die bisherige „Ansparrücklage für geplante Investitionen“ wird in einen Investitionsabzugbetrag umgestaltet. Während einerseits die Voraussetzungen für bilanzierende Betriebe günstiger geworden sind (bislang durfte das Betriebsvermögen max. 204 517 € betragen, ab 2008 beträgt die Grenze 235 000 €), haben sich für nichtbilanzierende Unternehmer (Gewinnermittlung mittels Einnahme-Überschuss-Rechnung) andererseits die Voraussetzungen verschlechtert. Während bislang für diese Unternehmer die Bildung der Ansparrücklage ohne Einschränkung möglich war, hängt die Inanspruchnahme des Investitionsabzugbetrags nunmehr davon ab, dass der Gewinn 100 000 € nicht übersteigt. Bei Personengesellschaften gilt dieser Betrag pro Gesellschaft und darf nicht mit der Anzahl der Gesellschafter multipliziert werden.

Neu ist, dass auch gebrauchte Wirtschaftsgüter begünstigt sind und die Investitionsfrist von zwei auf drei Jahre verlängert wird. Die Neuregelung gilt erstmals zum 31.12.2007.

Geringwertige Wirtschaftsgüter: Die Wertgrenze zur Anerkennung von geringwertigen Wirtschaftsgütern im betrieblichen Bereich ist gesenkt worden. Bislang waren solche Wirtschaftsgüter in voller Höhe als Betriebsausgaben abziehbar, wenn die Kosten nicht mehr als 410 € betrugen. Diese Grenze ist auf 150 € ab dem 01.01.2008 gesenkt worden.

Für Wirtschaftsgüter, die mehr als 150 €, aber weniger als 1000 € kosten, ist ein Sammelposten zu bilden, der linear über fünf Jahre abzuschreiben ist. Sofern ein Wirtschaftsgut des Sammelpostens veräußert wird, erfolgt keine Verminderung des Sammelpostens, er wird vielmehr unverändert abgeschrieben. Bei Überschusseinkünften (Arbeitslohn, Vermietung / Verpachtung) gilt weiterhin die Grenze von 410 €.

Bei sämtlichen Einkunftsarten fällt für Investitionen ab dem 01.01.2008 die degressive AfA weg.

Änderungen bei der Gewerbesteuer: Ab 2008 ist die Gewerbesteuer nicht mehr als Betriebsausgabe abzugsfähig. Für Einzelunternehmer und Personengesellschaften entfällt der Staffeltarif, der Freibetrag von 24 500 € bleibt für diesen Personenkreis erhalten. Als Ausgleich wird die Messzahl von 5 % auf 3,5 % gesenkt und die Anrechnung der Gewerbesteuer auf das 3,8fache (bisher 1,8fache) des Messbetrags erhöht.

Hinweis: Mit Urteil vom 18.10.2006 (Az XI R 10/06) hat der BFH entschieden, dass ein Ingenieur, der schlüsselfertig Gebäude errichtet, nicht freiberuflich tätig und damit gewerbesteuerpflichtig ist. Schuldet er seinem Auftraggeber die schlüsselfertige Erstellung des Gebäudes, sind seine Einkünfte auch insoweit gewerblich, als er ggf. Ingenieurleistungen oder Architektenleistungen erbringt.

Pendlerpauschale: Der Bundesfinanzhof hält die im Jahressteuergesetz 2007 verankerte Regelung für verfassungswidrig, wonach die ersten 20 km der Fahrten zwischen Wohnung und Arbeits-/Betriebsstätte steuerlich unbeachtlich sind. Die Finanzverwaltung will den Ausgang des beim BVerfG anhängigen Verfahrens abwarten, trägt aber im Lohnsteuerermäßigungsverfahren auf der Lohnsteuerkarte auch die ersten 20 km als Werbungskosten ein. Die bald ergehenden Einkommensteuerbescheide 2007 werden die Kürzung allerdings umsetzen, so dass letztlich nur das Einspruchsverfahren bleibt. Entsprechende Verfahren lässt man dann bis zur Entscheidung ruhen.

Erbschaftsteuer: Noch keine Klarheit gibt es bei der Umsetzung der geplanten Änderung des Erbschaftsteuerrechts im Hinblick auf die zukünftige Bewertung bei Übergang von privaten Immobilien bzw. der Besteuerung im Falle der Unternehmensnachfolge. Ein entsprechendes Gesetz wurde bislang nicht verabschiedet. Da die bisherigen Entwürfe für die Betroffenen ein Wahlrecht bis zum 31.12.2008 vorsehen, besteht hier kein unmittelbarer Handlungsdruck. DETLEV SAMAGGA

Der Autor ist Dipl.-Finanzwirt und Partner der Steuerberatersozietät Hübner, Samagga & Kollegen, Gelsenkirchen.

www.stb-huebner.de

Von Detlev Samagga

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