Wirtschaftspolitik 06.05.2005, 18:38 Uhr

„So entsteht Eurosklerose“  

Die EU-Osterweiterung sei mit dem Wiederaufbau kaum zu vergleichen.

Nicht nur aus der Politik, auch aus der Wissenschaft kommen mahnende Stimmen zur EU-Osterweiterung. Hans-Werner Sinn, Chef des Münchner Ifo-Instituts verlangt, die Politik sollte die Expansion der EU abbremsen. Es sei naiv, den „bösen Kapitalisten“ vorzuwerfen, dass sie in Billiglohnländer gingen. „Wir waren auch einmal arm. Das deutsche Wirtschaftswunder ist nach dem Krieg durch ähnliche Mechanismen erzeugt worden wie die, die wir jetzt beklagen“, kritisiert Sinn. Die Probleme auf dem Arbeitsmarkt seien die Folge von „30 Jahren überzogener Anspruchspolitik bei Sozialleistungen wie Lohnentwicklung.“

Was ist dran an dieser These? Nach Ansicht von Werner Abelshauser, Professor an der Universität Bielefeld, ist die Osterweiterung der EU mit dem Wiederaufbau Deutschlands nach dem Zweiten Weltkrieg nicht vergleichbar. Die deutsche Wirtschaft war 1945 weder „arm noch rückständig, sondern reich an hoch entwickeltem Sachkapital, qualifizierter Arbeit und Know-how.“ Das Wirtschaftswunder habe vor allem deswegen stattfinden können, weil Deutschland schon Jahrzehnte an der Spitze der europäischen Entwicklung gelegen habe. Ausländisches Kapital habe beim Wiederaufbau bis 1958 kaum eine Rolle gespielt, erklärt der Wirtschaftshistoriker.

Für Gerd Hardach, Professor für Wirtschaftsgeschichte an der Universität Marburg, sind die hohen Wachstumsraten zwischen 1950 und 1973, die in den späten 50er Jahren zu Vollbeschäftigung führten, Teil einer Wachstumsphase der Weltwirtschaft. Dieses Wachstum sei in Westeuropa und Japan höher gewesen als in den USA, aber im Trend sehr stark. „Niemand wurde durch das westdeutsche Wachstum geschädigt, die nationalen Wachstumsdynamiken haben sich im Gegenteil wechselseitig gestärkt.“

Der Wettbewerbsvorteil der deutschen Wirtschaft als Folge von Lohnzurückhaltung bei festen Wechselkursen – darin sehen manche Ökonomen den Grund für die internationale Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Wirtschaft in den Nachkriegsjahren – kann nach Ansicht von Hardach aber nur marginal gewesen sein: „Wirtschaftliches Wachstum und Exportüberschüsse hielten auch bei steigenden Löhnen an.“ Seit Mitte der 70er Jahre aber habe sich das Wachstum – wenn auch unterschiedlich – in allen entwickelten Ländern abgeschwächt.

Doch nicht nur wirtschaftsgeschichtlich, auch wirtschaftspolitisch bewege sich Sinn auf dem Holzweg. Die ökonomische Entwicklung Osteuropas und anderer Teile der Welt werde den Wohlstand in Deutschland nicht gefährden, hält der Wirtschaftswissenschaftler Ronald Schettkat von der Universität Wuppertal dem Ifo-Chef entgegen: Wenn dort der Wohlstand wachse, steige auch die Kaufkraft für deutsche Produkte. „Nur so kann es zu einer weltweiten dynamischen Wirtschaftsentwicklung kommen.“

Auslandsinvestitionen, so Schettkat weiter, würden vor allem aus Gründen der Marktnähe vorgenommen, wenngleich, so räumt er ein, auch spektakuläre Verlagerungen aus Kostengründen stattfinden. Ausschlaggebend sei aber der Netto-Exportüberschuss, der Deutschland, trotz einer enormen Steigerung des Außenwertes seiner Währung, weltweit eine Spitzenposition beim Export gebracht habe. Deutschland sei keine Basarökonomie, die von importierten Vorleistungen lebe, die hier nur noch montiert würden. Schettkat: „Je besser es unseren Nachbarn geht, desto besser wird es uns gehen.“

Eine restriktive Finanz-, Geld- und Lohnpolitik ist nach Ansicht von Schettkat katastrophal, weil sie der binnenwirtschaftlichen Entwicklung die Dynamik nehme, die letztlich ausschlaggebend für die Innovationsfähigkeit der deutschen Wirtschaft sei. Um die Innovationskraft zu sichern, müsse der Staat auch die „Grundlagen der physischen und humanen Infrastruktur zumindest erhalten“. Ein Staat, der Schlaglöcher in die Straßen spare und die Ausbildung zusammenstreiche, treibe, zusammen mit an Inflationsphobie leidenden Zentralbankern, die Ökonomie in die Stagnation. Schettkat: „So entsteht Eurosklerose.“

Ein Schlüssel für Innovationen sind Investitionen in Bildung. Deutschland, daran erinnert der Wirtschaftshistoriker Werner Abelshauser, habe auf absehbare Zeit vor allem ein Problem: Ein Drittel aller Erwerbstätigen sei einfach oder gar nicht qualifiziert. „Diese Menschen haben keine Chance im globalen Wettbewerb, wir brauchen deshalb mehr hoch qualifizierte Arbeitskräfte“. Die übrigen zwei Drittel der Erwerbstätigen in Deutschland sei jedoch auf dem Weltmarkt „äußerst wettbewerbsfähig.“ AP/has

Das Wachstum hat sich in den 50er Jahren wechselseitig gestärkt

Von Ap/Hartmut Steiger

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