Wirtschaftspolitik 21.03.2008, 19:33 Uhr

Polen will sich von vielen Staatsunternehmen trennen  

VDI nachrichten, Warschau, 20. 3. 08, ps – In Polen stehen derzeit öffentliche Unternehmen aus nahezu allen Branchen zum Verkauf – von der Warschauer Börse über Maschinenbauer bis zu Energieversorgern. Auch deutsche Firmen zeigen sich interessiert.

Die neue polnische Regierung aus liberaler Bürgerplattform PO und Bauernpartei PSL drückt bei der Privatisierung aufs Tempo. „Die Entpolitisierung der staatlichen Gesellschaften und die Entblockierung der Privatisierung sind die wichtigsten Leistungen, die wir innerhalb der ersten hundert Tage unserer Arbeit erreicht haben“, sagte Schatzminister Alexander Grad. Sein Ministerium ist für den Verkauf staatlichen Vermögens zuständig. Die Regierung wolle dadurch in den kommenden Jahren jährliche Einnahmen von bis zu 1,9 Mrd. € erzielen.

2008 will die Regierung mehr als 300 Unternehmen (komplett oder teilweise) an Investoren verkaufen. Dabei gibt es unterschiedliche Verkaufsprozeduren, die allesamt sehr komplex sind. Die Firmen stammen aus nahezu allen Branchen. Finanzdienstleistungen, Energie, Pharmazie, Medien sind ebenso vertreten wie das metallverarbeitende Gewerbe, der Maschinenbau oder der Bausektor.

Verkaufen will die Regierung unter anderem Anteile an der Warschauer Börse. Der polnische Staat behält jedoch die Mehrheit von 51 %. Von den restlichen Aktien soll ein Teil in der zweiten Jahreshälfte über die Börse in den Handel gelangen. Ein anderer Teil ist für Makler- oder Investmenthäuser gedacht.

Der Deutschen Börse wird nachgesagt, sie interessiere sich für einen Einstieg. Früheren Schätzungen zufolge beträgt der Wert der Gesellschaft, die die Börse führt, 500 Mio. €.

Der polnische Staat wird zudem die restlichen 37 % seiner Anteile an der Genossenschaftsbank BGZ an die Warschauer Börse bringen. Die Hauptaktionäre sind die niederländische Rabobank und die Europäische Bank , die rund 46 % hält. Das polnische Finanzinstitut gehört zu den zehn größten Banken in Polen.

Auch das Eigentum an der Fluglinie PLL LOT soll neu geregelt werden. Derzeit hält der Staat noch etwas mehr als 67 % der Aktien. Fürs laufende Jahr ist ein Börsengang in Warschau geplant.

Mit Spannung warten die Investoren auch auf das Börsen-Debüt des staatlichen Energie-Riesen PGE, den das Land im vergangenen Jahr ins Leben gerufen hat. „Der Börsengang ist für das vierte Quartal 2008 geplant“, erklärte eine Sprecherin. Details wollte sie noch nicht bekannt geben. PGE besteht aus Energielieferanten, Erzeugern und Vertriebsunternehmen. Aufgrund seiner Größe soll der Konzern in der Lage sein, am liberalisierten europäischen Energiemarkt zu bestehen.

Doch nicht nur Energieunternehmen stehen zum Verkauf. Das polnische Gesundheitssystem ist zwar derzeit noch unzureichend finanziert und muss dringend reformiert werden. Doch stellt die Gesundheitsbranche grundsätzlich einen riesigen Wachstumsmarkt dar. Davon sollte auch der Medikamentenhändler aus Warschau, Centrala Farmaceutyczna S.A. (Cefarm), profitieren.

Das Vertriebsunternehmen gehört zu den zehn größten seiner Art in Polen. Es bietet 12 000 Produkte an und arbeitet mit etwa 600 ausländischen und einheimischen Pharmaherstellern und Arzneimittelzulieferern zusammen.

Polen bietet zudem einige Spirituosenbrennereien zum Verkauf an, die unter dem Namen „Polmos“ firmieren, wie die kleinen Fabriken in Torun (Thorn), Szczecin (Stettin) oder Krakau. Wenn es um den Wodka-Absatz geht, ist Polen nach der Ukraine, Russland und den USA der viertgrößte Markt weltweit.

Darüber hinaus stehen Medienunternehmen wie die Gesellschaft Rzeczpospolita zum Verkauf, die 49 % der Anteile an dem Verlagshaus Presspublica kontrolliert. Die Mehrheit ist im Eigentum des britischen Fonds Mecom. Dieses Haus gibt die Tageszeitung „Rzeczpospolita“ heraus, eine der größten Tageszeitungen des Landes. Presspublica hat 2006 einen Umsatz von 68 Mio. € erzielt und einen operativen Gewinn von knapp 1 Mio. €.

S. BECKER

Von S. Becker

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