Wirtschaftspolitik 24.08.2007, 19:29 Uhr

Polen: Attraktiv trotz steigender Löhne  

VDI nachrichten, Warschau, 27. 8. 07, ps – Mit Sonderwirtschaftszonen versucht Polen, ausländische Technologiefirmen ins Land zu holen. Gelockt wird mit Vergünstigungen wie niedrigen Steuersätzen. Allerdings müssen die Unternehmen mit stark steigenden Lohnkosten leben.

Wegen des Streits um die EU-Verfassung hat Polen in vielen europäischen Ländern an politischem Ansehen verloren. Auch die Kaczynski-Brüder Lech und Jaroslaw, die in dem jungen EU-Land die Ämter des Staatspräsidenten und des Premierministers innehaben, sind vielen westlichen Beobachtern wegen ihrer autoritären Regierungsart suspekt. Doch viele ausländische Investoren haben einen freundlicheren Blick auf das Land und bauen weiterhin neue Werke oder Dienstleistungszentren in Polen auf.

Zu den Unternehmen, die sich im Nachbarland tummeln, gehören große US-Konzerne wie Motorola oder General Motors aber auch deutsche Investoren wie die Duisburger Industrie- und Logistikholding PCC SE und die Verlagsgruppe Passau.

Nach wie vor locken die Größe des polnischen Marktes mit annährend 39 Mio. Konsumenten, die geografische Lage des Landes in der Mitte Europas und die Nähe zu den westeuropäischen Märkten.

Grundsätzlich gilt: Wer sich als Ausländer in Polen wirtschaftlich betätigen möchte, hat mit der Warschauer Regierung keine Probleme. Die gibt es nur dann, wenn Ausländer versuchen, staatliches Vermögen zu erwerben. Dann macht sich der Einfluss der nationalkonservativen Regierung schon bemerkbar, die als gute Patrioten Staatseigentum verteidigen wollen.

Wie groß das Interesse ist, lässt sich auch an Zahlen ablesen. „Die gesamten ausländischen Direktinvestitionen (FDI) lagen bis Ende 2006 bei 90 Mrd. €“, erklärte kürzlich der polnische Wirtschaftsminister Piotr Wozniak. 11 Mrd. € davon seien im Gesamtjahr 2006 angefallen. „Und im laufenden Jahr verzeichnen wir bereits eine weitere wachsende Dynamik. Bis Ende des ersten Quartals 2007 haben die FDI im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 30 % zugenommen.“

Besonders attraktiv für Investoren sind dabei die 14 Sonderwirtschaftszonen und mehr als 30 Technologieparks, die Unternehmen besondere Vergünstigungen anbieten. Sie liegen in Kattowitz, Wroclaw oder auch an der deutsch-polnischen Grenze bei Slubice.

Die Steuererleichterungen sehen in der Regel so aus: Die Unternehmen müssen nur 50 % der Gewinne versteuern, die sie aufgrund ihrer Investition erwirtschaften. Oft wird ein Gesamtpaket angeboten, zu dem auch der Zugang zur technischen Infrastruktur und die Unterstützung bei der Erledigung von Behördengängen gehört.

Wer die polnische Bürokratie kennt, weiß, wie nützlich gerade die Unterstützung bei Behördengängen sein kann. Flexibilität ist bei Beamten und Staatsangestellten oft noch ein Fremdwort.

Darüber hinaus ist die Zusammenarbeit zwischen den einzelnen Behörden unzureichend. Manchmal fehlt es auch an der nötigen IT-Infrastruktur. Die Formalitäten von den Sonderwirtschaftszonen erledigen zu lassen, ist folglich das Beste, was ein Unternehmen tun kann.

Die Vorbereitungen für eine Investition sehen folgendermaßen aus: „Wir müssen die Investition immer vorher genehmigen“, erklärt der Vorstandsvorsitzende der Kattowitzer Zone, Piotr Wojaczek. Seine Region ist mit einer Gesamtfläche von 1200 ha die größte in Polen. Die Unternehmen müssen eine Absichtserklärung einreichen, in der das gesamte Projekt beschrieben wird. „Wichtig ist dabei die Höhe der Investition und die Anzahl der möglicherweise geschaffenen Arbeitsplätze“, macht der Manager klar.

„Dann muss die Investition von den Kattowitzer Behörden abgesegnet werden“, fügt Wojaczek hinzu. Beim Erwerb von Immobilien findet anschließend noch eine öffentliche Ausschreibung statt. Der Investor hinterlegt bei der Sonderwirtschaftszone sein Angebot. Geht er aus dem Wettbewerb als Sieger hervor, erhält er die Genehmigung für sein Projekt. Nach Angaben von Wirtschaftsförderern ist es noch nie vorgekommen, dass ein Investor diese Ausschreibung nicht gewonnen hat. Meist ist er ohnehin der einzige, der überhaupt daran teilnimmt. Das Gesetz sieht das aufwändige Procedere halt vor – ein anschauliches Beispiel für die Blüten, die die polnische Bürokratie bisweilen treibt.

Zu den Unternehmen, die ihre Aktivitäten dennoch ausweiten wollen, gehört der US-Konzern Motorola. Das Unternehmen hat vor, ein Back-Office-Zentrum in der Sonderwirtschaftszone von Krakau zu errichten. „Motorola engagiert sich bereits bei uns und betreibt ein Zentrum für Forschung und Entwicklung mit 800 Arbeitsplätzen“, sagte der Vorstandsvorsitzende der Zone, Krzystof Poradzisz. Nun wolle das Unternehmen in diesem neuen Zentrum zunächst 200 neue Arbeitsplätze schaffen. „Später sollen es dann 300 werden“, so der Manager. Motorola wartet zurzeit noch auf die Genehmigung des Wirtschaftsminsisteriums, damit die neue Investition der Zone angegliedert wird. Man rechnet damit, dass sie Ende des laufenden Jahres erteilt wird.

Auch die Duisburger Industrie- und Logistikholding PCC setzt auf die Vergünstigungen, die der Staat anbietet. Seine polnische Chemie-Tochter PCC Rokita engagiert sich in dem Technologiepark in der zentralpolnischen Stadt Plock. „Der polnische Ölkonzern PKN Orlen hat hier ganz in der Nähe eine Fabrik“, erklärt der Vorstandsvorsitzende von PCC Rokita, Miroslaw Krutin, den Grund, warum das Unternehmen diesen Standort gewählt hat. „Hier haben wir den besten Zugang zu unseren Rohstoffen für die Produktion“, so Krutin.

„Ein Unternehmer sollte aber immer sehr genau in Polen den Standort analysieren, an dem er sich engagieren will“, gibt er anderen Investoren einen Tipp. Und dabei insbesondere daran denken, tatsächlich das aktuellste Datenmaterial zu erhalten, weil sich der Markt sehr dynamisch entwickele. „Man kann Polen nicht auf der Grundlage von Zahlen analysieren, die ein oder zwei Jahre alt sind“, so Krutin.

Zu den deutschen Investoren, die auf Polen setzen, gehört auch die Verlagsgruppe Passau, die ein neues Verwaltungs- und Lagergebäude in der Sonderwirtschaftszone von Kattowitz in Betrieb nehmen will. Die Investitionssumme beträgt rund 11,8 Mio €. Verwaltung und Lager werden neben der Druckerei errichtet, die das Unternehmen bereits im laufenden Jahr hochgezogen hat. Die polnische Tochter Polskapresse verfügt in Polen über ein regionales Zeitungsimperium, das 760 Journalisten beschäftigt.

Es gibt allerdings Projekte, die mit Problemen zu kämpfen haben. Ein Beispiel ist die Fabrik von General Motors. Das US-Unternehmen hatte im Frühjahr seinen Mitarbeitern im Gleiwitzer Produktionswerk höhere Löhne für das laufende Jahr gewähren müssen, nachdem die Gewerkschaften massiv Druck gemacht hatten. „Im September stehen dann die nächsten Verhandlungen über Lohnerhöhungen für das kommende Jahr an“, erklärte ein Sprecher der Gewerkschaft „Solidarnosc“.

Es sieht so aus, also ob die Rechnung des US-Konzerns in diesem Fall nicht ganz aufginge. Das Unternehmen hatte sich nämlich unter anderem für Gleiwitz entschieden, weil dort die Arbeitskosten wesentlich geringer als in Deutschland sind.

Diese Produktionsverlagerung in die oberschlesische Industriestadt hatte vor knapp drei Jahren viel Staub aufgewirbelt, weil sie zu Lasten des deutschen Standortes ging.

Die deutschen Gewerkschaften hatten sich heftig dagegen gewehrt – so sehr, dass sogar der damalige Bundeskanzler Gerhard Schröder die erhitzten Gemüter beruhigen musste. Das ist ein Problem, das sich den Investoren stellt. Die Gewerkschaften haben sich zwar in den vergangenen Jahren in der Defensive befunden, doch nehmen sie an Einfluss zu, je mehr die Unternehmen verdienen und je besser die Gesamtwirtschaft läuft.

Eine weitere Schwierigkeit: Viele Fachkräfte wandern in westliche Länder aus, weil sie dort mehr Lohn erhalten. Mit den Gehältern, die viele Investoren anbieten, geben sie sich nicht zufrieden – auch wenn die Löhne im regionalen Vergleich nicht niedrig sind: Polen liegt mit einem durchschnittlichen Monatslohn von 722 € noch hinter Ungarn (749 €), aber noch vor Tschechien (714 €). Am geringsten sind die Gehälter in der Slowakei mit 538 €.

Die polnische Regierung hat deswegen die Formalitäten vereinfacht, um in Branchen wie dem Bausektor die Beschäftigung von osteuropäischen Arbeitnehmern aus der Ukraine oder Weißrussland zu ermöglichen. SEBASTIAN BECKER

Von Sebastian Becker

Stellenangebote im Bereich Einkauf und Beschaffung

über ifp | Personalberatung Managementdiagnostik-Firmenlogo
über ifp | Personalberatung Managementdiagnostik Ressortleiter Produktion, Technik und Einkauf (m/w/d) deutschlandweit
Bürkert Fluid Control Systems-Firmenlogo
Bürkert Fluid Control Systems Technischer Einkäufer für den Bereich Elektronik (m/w/d) Ingelfingen
Plansee SE-Firmenlogo
Plansee SE Supplier Quality Engineer (m/w/d) Reutte (Österreich)
Euroglas GmbH-Firmenlogo
Euroglas GmbH Prozessingenieur Floatglasherstellung (m/w/d) Haldensleben
Panasonic Industrial Devices Europe GmbH-Firmenlogo
Panasonic Industrial Devices Europe GmbH Supplier Quality Engineer (m/w/d) für elektronische und Halbleiter-Komponenten (Automotive) Lüneburg
Richard Hönig Wirtschaftsberatungen-Firmenlogo
Richard Hönig Wirtschaftsberatungen Leitung Einkauf (m/w/d) Gruppe Metall Süddeutschland
Bundesamt für das Personalmanagement der Bundeswehr-Firmenlogo
Bundesamt für das Personalmanagement der Bundeswehr Ingenieur/in (m/w/d) in Leitungsfunktion – Bereich Beschaffung Köln
GESOBAU AG-Firmenlogo
GESOBAU AG Ingenieur / Architekt als Mitarbeiter (m/w/d) Einkauf / Vergabe Berlin
STAUFEN.AG-Firmenlogo
STAUFEN.AG Partner / Principal (m/w/d) Supply Chain Management verschiedene Einsatzorte

Alle Einkauf und Beschaffung Jobs

Top 5 Konjunktur

Zu unseren Newslettern anmelden

Das Wichtigste immer im Blick: Mit unseren beiden Newslettern verpassen Sie keine News mehr aus der schönen neuen Technikwelt und erhalten Karrieretipps rund um Jobsuche & Bewerbung. Sie begeistert ein Thema mehr als das andere? Dann wählen Sie einfach Ihren kostenfreien Favoriten.