Beratung 03.12.2004, 18:35 Uhr

Noch ist der Innovationsstandort Deutschland besser als sein Ruf

VDI nachrichten, Düsseldorf, 3. 12. 04 -Unternehmer wollen auch zukünftig in Deutschland forschen und entwickeln – vor allem wegen des hier vorhandenen Knowhows. Ihre Investitionen machen den Standort wettbewerbsfähig und schaffen laut Markus Diederich Arbeitsplätze. Der Berater beklagt im folgenden Artikel, dass sie noch immer durch Bürokratiebelastungen gebremst werden. Viele Innovationspotenziale blieben dadurch ungenutzt.

Das Jahresgutachten des Sachverständigenrates zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Lage hat es soeben bestätigt: Es besteht kein Anlass, die Zukunft der Nation „in düsteren Farben zu malen“. Die Wirtschaft verfüge über eine „im Grundsatz wettbewerbsfähige unternehmerische Basis“. Sind also die nicht abreißenden Klagen über den Standort Ausdruck eines unbegründeten Pessimismus? Keineswegs! Das Land leidet unter einer strukturellen Wachstumsschwäche, die primär binnenwirtschaftlich induziert ist. Täglich gehen etwa 600 Jobs in der Produktion verloren – seit Mitte der neunziger Jahre insgesamt 2,2 Mio. Der schleichende Veränderungsprozess der Wirtschaft schlägt mittlerweile auf den industriellen Kern durch.
Was aber muss getan werden, damit das Hochlohnland Deutschland wettbewerbsfähig bleibt? Nur Innovationen und deren rasche und zielgenaue Umsetzung können Wachstum generieren und Arbeitsplätze schaffen. Diese Befunde erhärtet eine aktuelle Studie, die wir gemeinsam mit dem Marktforschungsinstitut TNS Emnid erstellt haben. (Siehe auch Kasten rechts.)
Ein erfreuliches und unerwartetes Ergebnis der Untersuchung: Entgegen landläufigen Annahmen will die überwältigende Mehrheit der Konzern-Manager und mittelständischen Unternehmer am F&E-Standort Deutschland festhalten und ihre Aktivitäten weiter forcieren. Die positive Einschätzung des diesbezüglichen Potenzials wird dadurch gestützt, dass das Land im Forschungsbereich bei den zehn wichtigsten Zukunftstechnologien – etwa Werkstoff- oder Nanotechnologie – international als hervorragend aufgestellt gilt. In diesem Zusammenhang spielt die gute bis sehr gute Qualifikation der Mitarbeiter und Anwender, eine intakte Infrastruktur mit modernen Forschungseinrichtungen sowie die überragend hohe Zahl von Patentanmeldungen eine wichtige Rolle. Zwar würde er „niemals eine Kühlschrankfabrik in Deutschland bauen“, differenziert Jeffrey R. Immelt, CEO von General Electric. Aber „was das menschliche Kapital angeht“, lobte er kürzlich, sei der Standort Deutschland „von höchster Qualität“.
Wenn die Globalisierung eine zwingende Erkenntnis vermittelt, dann diese: Die Internationalisierung von Produktion und Supply-Chains bringt nicht nur eine veränderte Arbeitsteilung hervor. Sie schafft auch ganz neue Wachstumsfelder für potenzielle Hightech-Kandidaten wie Deutschland, die beim Kampf um den billigsten Produktionsstandort auf Dauer nicht werden mithalten können.
Eine weitere, allerdings bedenkliche Erkenntnis der Celerant-Studie: Große wie mittlere Unternehmen verlieren nach eigenem Eingeständnis allzu oft den Kunden aus dem Auge. Dabei muss vor allem eines klar sein: Innovation ist vor allem das, was der Kunde wünscht und nicht das, was unsere Ingenieure und Spezialisten entwickeln können.
Doch wie können Kundenbedürfnisse stärker in die Innovations- und Entwicklungsprozesse integriert werden? Eine zentrale Antwort lautet: Der Kunde muss als strategischer Partner von Anfang an ernst genommen werden. Erforderlich ist ein zielgerichtetes Management von Kundeninformationen an den Wissensschnittstellen des Unternehmens, so dass mit Hilfe von Dialoginstrumenten sowie Mitarbeiter- und Führungskräfteschulungen die richtigen zukünftigen Kundenprofile und Nachfragekurven herausgearbeitet werden können. Entscheidend bei der Innovationssteuerung ist darüber hinaus die direkte Einbindung von ausgewählten Lead-Usern in die Entwicklung. So können früh Trends erkannt und Fehlentscheidungen vermieden werden. Der Mittelstand zeigt, wie es gehen kann: Er ist im Vergleich zu den Großunternehmen der agilere Innovationsmotor, der mutiger, schneller und kundenorientierter am Markt agiert.
Ein weiteres Ergebnis der Studie: Entscheider verbringen zu viel Zeit mit dem operativen Tagesgeschäft, statt sich mehr mit zukunftsorientierten Fragestellungen, Kundenbedürfnissen und Forschung und Entwicklung zu beschäftigen. Nach eigenen Angaben widmen Top-Manager rund 40 % ihrer Arbeitszeit dem „Tagesgeschäft“, nicht einmal 10 % bleiben für F&E. Die gute Nachricht dabei: Der Missstand scheint erkannt und es besteht Übereinstimmung darin, dass Innovation neben der zeitlichen Priorisierung auf der Management-Agenda auch als Kernprozess verankert und sich bis in die Organisations- und Entscheidungsstrukturen eines Unternehmens abbilden muss. So kann das interne Innovationspotenzial besser genutzt und die damit einhergehende, notwendige Veränderungsbereitschaft im Unternehmen gestützt werden.
All das kann jedoch nur funktionieren, wenn die Mitarbeiter aller Ebenen auch darüber hinaus für neue Ideen und deren Umsetzung motiviert werden. Ein wesentliches, retardierendes Element bei der Entwicklung neuer Produkte ist der Eindruck, dass gute Ideen oft in der Organisation versanden. Diesen Umstand bemängeln über 70 % der Arbeitnehmervertreter. Es fehlt offenbar immer noch an einer betriebsinternen Systematik, die die Ressourcen der Mitarbeiter durch Motivation, Anleitung und Vernetzung erkennt und ausschöpft. Ein weiterer, verbreiteter Schwachpunkt ist die fehlende Kopplung variabler Vergütungsanteile und Incentivemodelle an Innovation und deren Umsetzung. Die aufgeführten Instrumente zur besseren Nutzung des internen Potenzials werden auch hier vom Mittelstand bereits in einem höheren Umfang genutzt als innerhalb der Großunternehmen.
Neben diesen innerbetrieblichen Hürden gibt es aber einen weiteren Bremsklotz für Innovationen in Deutschland: die Bürokratie. Sie liegt noch immer wie Mehltau über dem Land und lähmt die Veränderungsbereitschaft. Denn ohne den gezielten Abbau von Bürokratie werden viele gute Ideen und Initiativen wirkungslos verpuffen. Das fängt beim im internationalen Vergleich überhöhten Zeitaufwand für Gründungen an und hört bei der beispiellosen Gesetzes- und Regulierungsflut auf. Deshalb die dringende Aufforderung an Politiker und Wirtschaftsverbände, die Beseitigung dieses Missstandes zum obersten Agendapunkt zu erklären. Die vorhandene Innovationskraft und der Mut vieler Führungskräfte in Deutschland darf nicht derart behindert werden.
Deutschland – so das Fazit – ist besser als sein Ruf. Es muss allerdings noch konsequenter die vorhandenen Innovationspotenziale erkennen, und vor allem umsetzen. Unverzichtbar ist deshalb der Fokus und die Erhöhung der Investitionen im F&E-Bereich – was über den Gewinn an Innovationsfähigkeit hinaus auch einen Stimulus für neue Arbeitsplätze in den betreffenden Unternehmen und dem wirtschaftlichen Umfeld bedeuten würde.
MARKUS DIEDERICH

Von Markus Diederich

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