Währungspolitik 20.06.2008, 19:35 Uhr

Mit 40 D-Mark fing alles an…  

In 5000 Holzkisten hatten die Amerikaner die neuen Banknoten nach Frankfurt geschafft. Schon nach wenigen Jahren entflammten die Deutschen in heißer Liebe zu ihrer neuen Währung, die bei vielen Älteren bis heute anhält. Dabei ist die Bilanz der D-Mark keineswegs so rosig wie Nostalgiker meinen.

Heute Abend haben die Militärregierungen die ersten Mitteilungen über die Neuordnung der deutschen Währung bekannt gegeben. Mit dem kommenden Sonntag werden die drei Zonen, also der größte Teil Deutschlands, eine neue Währung haben. Die neue Währung heißt Deutsche Mark „, so verkündete es Jack Bennet, Finanzberater des amerikanischen Generals und Militärgouverneurs Lucius D. Clay, am 18. Juni 1948 über den Rundfunk der amerikanischen, britischen und französischen Zone.

Die Vorgängerin der D-Mark, die Reichsmark, hatte ihren Wert durch die Kriegswirtschaft eingebüßt. Zur Kriegsfinanzierung war die Notendruckpresse kräftig angeheizt worden. Einer riesigen Geldmenge standen am Ende des II. Weltkrieges kaum noch Güter gegenüber. Die Inflation feierte fröhliche Urständ. Lebensmittel und andere Konsumgüter wurden den Deutschen nur noch auf Karte und Bezugsschein zugeteilt. Tauschhandel und Schwarzmarkt blühten und viele Menschen hungerten.

Die vier Besatzungsmächte hatten sich nicht auf eine Währungsreform für ganz Deutschland einigen können. Deshalb beschlossen die USA, Großbritannien und Frankreich das Projekt allein voranzutreiben. Ein Plan war bereits 1946 für die Militärregierung von dem amerikanischen Ökonomen Raymond W. Goldsmith und dem damaligen Kieler Finanzwissenschaftler Gerhard Colm ausgearbeitet worden.

Die neuen Banknoten waren bereits seit 1947 in den USA gedruckt worden und wurden bis April 1948 unter strengster Bewachung in 5000 Holzkisten nach Frankfurt am Main transportiert. Am 20. Juni 1948 wurden sie in der Operation „Big Dog“ durch die US-Army in den Verkehr gebracht.

Nachdem die Westmächte für ihre Westzonen gehandelt hatten, zogen die Sowjets für die damalige Ostzone nach. Am 21. Juni fand ein erster Bargeldumtausch in die im Volksmund genannte „Tapetenmark“ statt. Die alten Reichsmark-noten wurden zunächst einfach mit Kupons überklebt, da noch keine neuen Geldscheine zur Verfügung standen.

Vier Wochen später kam es in der Ostzone zu einem weiteren Geldumtausch, mit dem die „Deutsche Mark“ der Deutschen Notenbank als alleiniges gesetzliches Zahlungsmittel im östlichen Teil Deutschlands eingeführt wurde.

In den drei Westzonen lief derweil der Umtausch von Reichsmark in die D-Mark auf vollen Touren. Jeder konnte zunächst nur 60 Reichsmark in bar eintauschen und erhielt dafür 40 D-Mark – als sogenanntes Kopfgeld. Einen Monat später gab es die restlichen 20 D-Mark. Löhne und Mieten wurden ebenfalls im Verhältnis 1:1 umgestellt.

Wesentlich schlechter erging es den Sparern: Für 100 Reichsmark erhielten sie nur 6,50 D-Mark. Sparern blieb also nur 6,5 % ihres Geldvermögens – allerdings jetzt wertvolles Geld, denn über Nacht füllten sich die Schaufenster der Geschäfte mit Waren, die die Bevölkerung staunen ließen: Gute Butter, echter Bohnenkaffee, exotische Südfrüchte – selbst ein Volkswagen war für 5300 DM binnen acht Tagen lieferbar.

Da die Fabriken wieder ihre Produktion aufnahmen oder ausweiteten, setzte mit der Auszahlung von Löhnen und Gehältern Anfang Juli ein beispielloser Sturm auf die Geschäfte ein. „Die neue Mark – ein Sesam öffne Dich“, titelten die Zeitungen. Und ein beliebter Schlager brachte die Hoffnungen der Bürger auf den Punkt: „Jetzt kommt das Wirtschaftswunder, der deutsche Bauch erholt sich auch und wird schon etwas runder“. Schwarzmärkte und Zigarettenwährung waren passé.

Allerdings führte die Kaufwut der Bevölkerung dazu, dass die Sparquote im zweiten Halbjahr negativ wurde, das Warenangebot sich – auch aufgrund von Hortungen des Handels – verknappte und die Inflation heftigen Auftrieb bekam. Das schürte Unmut unter der Bevölkerung, die zudem den harten Währungsschnitt noch nicht vergessen hatte.

Fast gleichzeitig mit der Währungsreform hatte der spätere Bundeswirtschaftsminister Ludwig Erhard die Zwangsbewirtschaftung und die Preisbindung für viele Güter aufgehoben. Gegen diesen entschieden marktwirtschaftlichen Kurs, dem auch die Amerikaner zunächst skeptisch gegenüber standen, formierte sich Widerstand. Am 12. November kam es zum Generalstreik – dem bisher einzigen in der Geschichte der Bundesrepublik.

Ende 1948 drehte sich der Preistrend. Hoheitliche Geldschöpfung und Kreditrestriktionen liefen aus, die öffentlichen Kassen erwirtschafteten Überschüsse, die Marshall-Plan-Einfuhren von Rohstoffen beeinflussten die Erwartungen von Produzenten positiv und die Hamster-Käufe legten sich. Allerdings sorgte die Korea-Krise 1950/51 nochmals für Unruhe, bevor sich 1952 das Blatt endgültig wendete.

Neben der marktwirtschaftlichen Ordnung hatte die Verfassung des neuen deutschen Notenbanksystems die Konstitution der D-Mark gefördert. Die Unabhängigkeit der Bank deutscher Länder (BdL) und der 1957 errichteten Deutschen Bundesbank ermöglichte es den Notenbankern, „als Wächter unpolitischen Geldes“, zu handeln.

Musste ein Arbeiter 1950 im Schnitt für ein Kilo Kaffee 22 Stunden arbeiten, waren es zehn Jahre später nur noch sechs Stunden. Für einen VW-Käfer schrumpfte der Arbeitsaufwand gleichzeitig von 500 auf gut 170 Arbeitstage.

Die Bundesbürger wurden mit Preussag und VW ab 1959 zu Volksaktionären und entdeckten das Reisen in ferne Länder.

Die D-Mark avancierte zum Mythos – nicht nur bei den Westdeutschen. Während der friedlichen Revolution in der DDR skandierten die Menschen auf den Straßen Leipzigs und anderer ostdeutscher Städte: „Kommt die D-Mark, bleiben wir, kommt sie nicht, geh“n wir zu ihr“.

Doch die Ostdeutschen hatten nur wenige Jahre Zeit, die neue Währung zu genießen. Schon bald gab es in einem wiedervereinigten Deutschland eine weitere Währungsumstellung: Von der D-Mark zum Euro.

Bei der Einführung des Euro handelte es sich nicht um eine spektakuläre Währungsreform wie 1948. Der Realwert sowohl der Ersparnisse als auch der Einkommen blieb erhalten. Geändert hatte sich lediglich die Recheneinheit.

Nüchtern betrachtet fiel die Schlussbilanz der D-Mark gar nicht so überzeugend aus: Sie verzeichnete über ihre gesamte Lebensspanne eine durchschnittliche Inflationsrate von über 3 % und repräsentierte zum Schluss nur noch ein Viertel ihres ursprünglichen Wertes.

Der Euro hat während seiner ersten Dekade durchschnittlich nur 2,1 % an Wert verloren. Die Gemeinschaftswährung hat gerade der exportintensiven deutschen Wirtschaft durch den Fortfall von Währungsrisiken und bürokratischen Hemmnissen im Euroraum sehr geholfen und die deutsche Wirtschaft insgesamt gestärkt, was auch in der Schaffung zehntausender neuer Arbeitsplätze zum Ausdruck gekommen ist.

Der Euro hat sich gegenüber dem Dollar zu einer starken Währung gemausert, wird an den internationalen Märkten als Anlagewährung geschätzt und findet auch als Reservewährung zunehmend Anerkennung.

Der Europäischen Zentralbank (EZB) als Währungshüterin ist es gelungen, den Euro zu einer stabilen Währung zu machen: Die Inflation konnte bisher in etwa in dem – von der EZB für das Euroland vorgegebenen – Korridor gehalten werden.

Der Außenwert des Euro glänzt sogar durch besondere Stabilität. Allein seiner Stärke ist es zu verdanken, dass die in US-Dollar fakturierten Rohstoff- und vor allem die Öleinfuhren die europäischen Verbraucher preislich nicht in vollem Ausmaß belasten.

Zwar hat man sich an den Euro gewöhnt – doch von heißer Liebe zur neuen Währung ist gerade bei den Deutschen wenig zu spüren. Preissteigerungen – gefühlte wie reale – werden stets der neuen Währung angelastet, für die meisten ist der Euro nur ein „Teuro“.

Mit der DM verbinden die Deutschen die Erinnerung an prosperierende wirtschaftliche und politisch sichere Zeiten. Besonders die derzeit kräftige Internationalisierung in Wirtschaft und Gesellschaft sorgt für Zukunftsängste bei den Bürgern. Doch mit dem Generationswechsel dürfte sich auch das Verhältnis der Deutschen zum Euro entkrampfen. DIETER W. HEUMANN

Von Dieter W. Heumann

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