Wirtschaftswunder dauern länger 14.03.2003, 18:24 Uhr

Maschinen in der Warteschleife

Die Maschinenkonjunkturprognose 2003 steht unverändert bei plus Null. „Für den deutschen Maschinenbau war 2002 ein enttäuschendes Jahr. Für Deutschland war es ein Jahr der verpassten Chancen“, bilanzierte VDMA-Präsident Diether Klingelnberg am Mittwoch dieser Woche in Frankfurt.

Eines ist sicher: Stagnation! Der Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA) erwartet kein deutliches Anziehen bei den Inlandsorders in den kommenden Monaten. „Wer investiert, tut dies bevorzugt im Ausland“, so VDMA-Präsident Diether Klingelnberg auf der Jahreskonferenz am 12. März in Frankfurt/Main. Mehr als jedes zweite Maschinenbauunternehmen (55 %) wolle in den kommenden drei Jahren seine Investitionen kürzen. Zu den zukünftigen Auslandsorders mochte Klingenberg keine seriöse Prognose abgeben: „Wir wissen nur eines, die Lage ist und bleibt extrem störanfällig.“
Ganz Deutschland lebt vom Export, vor allem aber der Maschinenbau: 69,4 % der Produktion gingen 2002 ins Ausland. Allein das China-Geschäft legte in den ersten elf Monaten 2002 um 35 % auf 4,5 Mrd. ! zu. „China rückt damit von Rang sechs auf Rang vier der für unsere Branche wichtigsten Exportländer vor“, erläutert Klingenberg. Doch das wichtigste Abnehmerland USA bereitet Sorgen – nicht nur durch einen Rückschlag von 4,3 % auf 9,3 Mrd. !. Zwei Drittel der im USA-Geschäft tätigen Maschinen- und Anlagenbauer blicken besorgt in die Zukunft.
„Wir haben gefragt, ob die deutsch-amerikanische Auseinandersetzung über die Irak-Politik ihr USA-Geschäft beeinflusst, und haben sehr klare Ergebnisse erhalten“, erläutert Klingenberg eine aktuelle Stimmungsumfrage. Demnach berichtet jedes dritte Unternehmen, dass sich der politische Streit in Geschäftsverhandlungen bereits bemerkbar gemacht hat. Bei jedem fünften Unternehmen habe sich dies schon negativ ausgewirkt – von einer spürbaren Abkühlung der Geschäftsbeziehungen bis hin zur konkreten Gefährdung von Aufträgen. Noch höher als die aktuelle Betroffenheit ist die Besorgnis über die zukünftige Entwicklung des deutsch-amerikanischen Verhältnisses.
„So haben wir das nicht erwartet“, wundert sich sogar Klingelnberg, der mit eigenen Betrieben in den USA Maschinenmesser produziert. Bisher habe sich der Investitionsgüterbereich gegenüber politischen Kampagnen immer robuster gezeigt als der Konsumgüterbereich.
„Man muss dies auch noch vor dem Hintergrund sehen, dass die deutschen Produzenten wegen ihrer hohen Qualität und ihrer hohen technischen Wettbewerbsfähigkeit häufig sehr enge Kunden-/Lieferantenbeziehungen haben“, mahnt Klingelnberg.
Die Irak-Krise drückt laut Wirtschaftsverband VDMA weltweit auf die Stimmung und lässt keine Investitionslaune aufkommen. Explodierende Rohölpreise, ein weitere Baisse an den Aktienmärkten, eine wieder zunehmende Angst vor Terroranschlägen – alles das würde die bestehenden, ohnehin wenig erfreulichen Wachstumsprognosen massiv in Frage stellen. Prognose-Revisionen wären unumgänglich. Aktuell jedoch lautet die VDMA-Prognose für 2003 bisher immer noch „plus Null“, so Klingelnberg. Die Zahl der Beschäftigten werde vor diesem Hintergrund um 2 bis 3 % auf 860 000 sinken.
Der Maschinenherstellerverband geht davon aus, dass selbst dann, wenn die Irak-Krise – auf welchem Weg auch immer – zu einem erfolgreichen Ende gebracht werden könne, sich die weltweit aufgestaute Nachfrage nach Investitionsgütern nicht schlagartig Bahn bricht. „Die Mehrzahl der Prognostiker und auch wir gehen vielmehr davon aus, dass der Zeitbedarf bis zu einem nachhaltigen zyklischen Auf wesentlich größer als erwartet sein wird“, resümiert Klingelnberg.
In Deutschland werde sich die konjunkturelle Wende wie gewohnt zuerst in einem Anziehen der Auslandsnachfrage zeigen. „Mit anderen Worten“, so Klingelnberg, „der originäre Beitrag Deutschlands zu einer weltweiten wirtschaftlichen Erholung dürfte denkbar gering ausfallen.“
Einen Nutzen könnten sogar andere Länder haben, weil nämlich viele kleine, bodenständige deutsche Unternehmen ihre Fertigung verlagern wollen. Auch sie sind jetzt unter den 50 % der Firmen zu finden, die sich laut einer Umfrage des VDMA außerhalb der deutschen Grenzen engagieren wollen. 25 % tun dies bereits.
„Wir möchten alle hier bleiben”, stellte Klingelnberg fest. „Wenn aber eine Branche, eng verbunden mit der Belegschaft vor Ort, sagt ,Wir bauen jetzt Leute ab und gehen“, ist das für mich ein Alarmzeichen der Nr. 1.” MA/KÄM

Stellenangebote im Bereich Einkauf und Beschaffung

HARTING Electric GmbH & Co. KG-Firmenlogo
HARTING Electric GmbH & Co. KG Global Industrial Engineer – New Products (m/w/d) Rahden

Alle Einkauf und Beschaffung Jobs

Top 5 Konjunktur

Zu unseren Newslettern anmelden

Das Wichtigste immer im Blick: Mit unseren beiden Newslettern verpassen Sie keine News mehr aus der schönen neuen Technikwelt und erhalten Karrieretipps rund um Jobsuche & Bewerbung. Sie begeistert ein Thema mehr als das andere? Dann wählen Sie einfach Ihren kostenfreien Favoriten.