02.02.2001, 17:28 Uhr

Konsumverhalten bremst den Hausgeräte-Markt

Mit 38 Mio. Haushalten und ei-nem Drittel des europäischen Absatzes ist der deutsche Hausgerätemarkt zwar der größte in Europa, aber die Hälfte der deutschen Produktion wird im Ausland abgesetzt.

Erfreulich für die deutschen Hersteller: Wegen der hohen Ausfuhren sind die Kapazitäten gut ausgelastet. Rund 55 000 Mitarbeiter produzierten im vorigen Jahr Elektro-Hausgeräte für 17,6 Mrd. DM, 2001 sollen 18,2 Mrd. DM erreicht werden.
Weniger erfreulich für die Hersteller: Im laufenden Jahr werden ausländische Konkurrenten Elektro-Hausgeräte im Wert von 7,2 Mrd. DM nach Deutschland liefern. Im Gegenzug exportieren die deutschen Firmen aber auch für 11,4 Mrd. DM. Westeuropa ist der Heimatmarkt.
Aus „Produktion minus Export plus Import“ errechnet sich eine „Inlandsversorgung“ von schätzungsweise 14, 3 Mrd. DM. Der Verkauf-Markt, wie ihn die Konsumenten erfahren, ist um ein Drittel größer, denn den Herstellerabgabepreisen von zusammen 14 Mrd. DM entspricht ein Volumen von ca. 21 Mrd. DM zu Handelspreisen.
Die deutschen Hersteller konzentrieren sich zunehmend auf hochwertige Produkte. Ihre Geräte zeichnen sich aus durch Design, Bedienungskomfort, Leistung und sehr niedrige Wasser- und Energieverbrauchswerte, resümieren die Hausgeräte-Fachverbände im Zentralverband Elektrotechnik- und Elektronikindustrie (ZVEI), Frankfurt/Main.
„Rund drei Viertel der exportierten Großgeräte und fast 50 % der Kleingeräte gehen in die Länder der Europäischen Union“, erläutert Dr. Karsten Jaspersen, Vorstandsmitglied des ZVEI. „Die Ausfuhren profitieren von der Währungsstabilität, und der Euro hat in dieser Beziehung für faire Wettbewerbsbedingungen gesorgt“.
An das Jahr 2001 knüpft der Sprecher der Hausgeräteindustrie die Hoffnung, „dass sich das Konsumklima bessert“ . Allerdings würden auf viele Haushalte erhebliche Nachforderungen bei der Nebenkostenabrechnung zukommen. Dies könnte das sonst für den Hausgeräteabsatz günstige Frühjahr trüben. Die hohen Preise für Mineralölerzeugnisse hätten schon 2000 Kaufkraft bei den privaten Haushalten abgezogen. „Der Preisindex der Lebenshaltung erreichte im September 2000 mit 2,5 % den höchsten Wert seit Dezember 1994“, argumentiert der Herstellerverband ZVEI
Im Jahr 2001 traut man den Großgeräten insgesamt immerhin noch ein Umsatzwachstum von 3 bis 4 % zu. Der Kleingerätemarkt soll in gleicher Größenordnung wachsen. Der Bereich Elektro-Hauswärmetechnik wird mit weiteren Rückgängen zu kämpfen haben. Trotz hohen Preisdrucks und eines intensiven Wettbewerbs sind nach Einschätzung der Branche Preiserhöhungen notwendig.
Im laufenden Jahr rechnet die Branche mit einem leichten Zuwachs von 1 bis 2 %. Rund 73 % des Umsatzes entfallen auf Großgeräte wie Waschmaschinen oder Geschirrspüler. Dieses Marktsegment stagniert mit einem Wachstum von 0,5 %. Produktinnovationen bei Kleingeräten führten im Jahr 2000 – den ZVEI-Angaben zufolge – zu einer deutlichen Belebung des Marktes mit einem Wachstum von bis zu 5 %; für das Jahr 2001 wird ein Wachstum von 3% bis 4 % erwartet.
Den Vorschlag der EU-Kommission zur Entsorgung von Elektro-Altgeräten, der die Hersteller zur kostenlosen Rücknahme und Entsorgung von Elektrogeräten verpflichtet, sieht die Branche mit großer Sorge. Die Hausgeräte-Hersteller plädieren für eine „faire und praktikable Lösung“. Dazu gehöre die Möglichkeit, ein gemeinschaftliches Rücknahmesystem aufzubauen und die Entsorgungskosten getrennt ausweisen zu können. Nur dann könne man auch Geräte, die vor In-Kraft-Treten der Richtlinie verkauft wurden, in die Rücknahme mit einbeziehen. Gleiches gelte für Altgeräte, die von Herstellern stammen, die heute nicht mehr im Markt präsent sind.
Einer kollektiven Rücknahmelösung stehen in Deutschland derzeit noch kartellrechtliche Bedenken im Wege. „Grundsätzlich sind die Hersteller bereit“, so ZVEI-Vorstandsmitglied Robert Schöttle, „sich an einer Lösung freiwillig zu beteiligen, die wirkliche Ergebnisse für die Umwelt bringt. Dies kann jedoch nur gelingen, wenn die Politik die erforderlichen Rahmenbedingungen schafft.“
Auch die Umsetzung der EU-Garantie-Richtlinie sieht die Hausgeräte-Branche kritisch. Deutschland schieße dabei über das Ziel hinaus. „Denn während die EU-Richtlinie die Gewährleistungsfrist auf zwei Jahre fest schreibt, will der deutsche Gesetzgeber noch ein Jahr drauflegen“, erläutert Schöttle.
Diese deutsche Sonderregelung verzerre den Wettbewerb zu Lasten der deutschen Industrie. Viele deutsche Hausgeräte-Hersteller hätten einen Exportanteil in andere EU-Länder von über 40 %, so dass national abweichende Rechtslagen im täglichen Geschäft äußerst schwierig zu handhaben seien. Die Gesamtkosten der deutschen Hausgerätehersteller belaufen sich auf 350 Mio. DM. „Das sind Kosten“, so Schöttle, „die letztendlich der Verbraucher zu zahlen hat.“ ZVEI/KÄM

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