Konjunktur 27.02.2009, 19:39 Uhr

In Japan ist das Wort Depression bereits in aller Munde  

Noch zu Beginn der weltweiten Finanzkrise im September 2008 galt Japan als ein Ort der Stabilität. Inzwischen hat sich die japanische Wirtschaft aufgrund ihrer starken Exportabhängigkeit als extrem verwundbar herausgestellt. Experten rechnen damit, dass Japan inzwischen in einer tiefen Krise steckt, die vor allem weitere heftige Arbeitsplatzverluste befürchten lässt. Vdi nachrichten, Tokio, 27. 2. 09, rus

„Japan erlebt derzeit die schlimmste Wirtschaftskrise seit dem Zweiten Weltkrieg.“ So beschrieb der japanische Wirtschaftsminister Kaoru Yosano dieser Tage die Situation in der zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt.

Die japanische Wirtschaft schrumpft derzeit fast doppelt so schnell wie die anderer Industrieländer und leidet als Folge der starken Exportabhängigkeit deutlich stärker unter dem weltweiten Nachfrageeinbruch.

Das zurückliegende Quartal verlief mit einem Rückgang des Bruttoinlandsprodukts von 3,3 % im Vergleich zum Vorquartal katastrophal, die Aussichten für die ersten drei Monate des laufenden Jahres sehen ähnlich erschreckend schlecht aus. Unter den großen Volkswirtschaften der Welt ist Japan damit inzwischen der große Verlierer.

Wird der Rückgang auf das Gesamtjahr hochgerechnet, würde Nippons Wirtschaft um 12,7 % oder dreimal so stark wie die amerikanische Wirtschaft schrumpfen.

Dabei handelt es sich um den schärfsten Rückgang für Japan seit 1974, als das stark von Rohstoffimporten abhängige Land beträchtlich unter dem Ölpreisschock litt. Dieses Mal allerdings werden ein Zusammenbruch der Exportnachfrage, eine schwache Inlandsfrage sowie fallende Investitionen verantwortlich gemacht.

Sollte der wirtschaftliche Abwärtstrend den größten Teil des Jahres anhalten und das Land abermals wie den größten Teil der 90er-Jahre von einer Deflation heimgesucht werden, rechnen zahlreiche Volkswirte im Lande nicht etwa mit einer Rezession, sondern gar mit einer Depression. Sie stehen mit dieser Einschätzung keineswegs alleine da, denn dieser Terminus wird schon längere Zeit im Volksmunde geführt. Seit Monaten sprechen die Japaner von einer „Dai Fukyo“ oder großen Rezession – und das heißt so viel wie Depression.

Erschwerend für Japan kommt die Unbeweglichkeit der Regierung und der Bank von Japan hinzu. Der regierende japanische Premierminister, Taro Aso, ist extrem unbeliebt: Weniger als 10 % der Bevölkerung gaben in einer jüngsten Umfrage dem Premier gute Noten. Viele sind der Meinung, dass das Land noch nie so schlecht regiert wurde wie derzeit.

Die japanische Regierung hat sich zwar nach langem Zögern entschieden, bis zum G20-Gipfel in London Anfang April ein neues bis zu 169 Mrd. € schweres Konjunkturprogramm auszuarbeiten. Allerdings ist unter den heutigen politischen Umständen kaum absehbar, wann dieses Programm in Kraft treten kann.

Die Regierung hat größte Schwierigkeiten, Genehmigung von dem von der Opposition kontrollierten Oberhaus für das im vergangenen Jahr aufgelegte Konjunkturpaket zu erlangen.

Die japanische Oppositionspartei DJP drängt derzeit auf frühzeitige Wahlen, was zwangsläufig die Einführung neuer Stimulierungsschritte verzögern könnte. Hinzu kommt, dass jede Partei in Japan angesichts der massiven Staatsverschuldung notgedrungen größte Schwierigkeiten bei der Finanzierung neuer Ankurbelungsschritte haben wird. So liegen die japanischen staatlichen Verbindlichkeiten nach Berechnungen der OECD derzeit bei einem Wert von 173 % des Jahresbruttoinlandsprodukts.

Gleichzeitig wächst der Druck für die Bank von Japan auf die Situation mit aggressiveren Schritten zu reagieren.

Bislang hat die japanische Zentralbank (BOJ) ihre Aufgabe darin gesehen, für Stabilität an den Finanzmärkten zu sorgen, doch wird die Geldhüterin zunehmend für ihre übervorsichtige Haltung kritisiert.

Zwar hat die BOJ vor Kurzem angekündigt, kurz laufende Unternehmensanleihen im Gesamtwert von bis zu einer Billion Yen oder umgerechnet rund 8,5 Mrd. € aufzukaufen, um damit zusätzlich Geld in die Wirtschaft zu pumpen, doch wird bemängelt, dass auch diese Aktionen nicht ausreichen und reichlich zu spät kommen.

Inzwischen sehen Analysten in Nippon auch kaum mehr wahre Möglichkeiten für wirksame Ankurbelungsschritte.

„Was wirksame wirtschaftliche Stimulierungsschritte im Inland angeht, gibt es momentan schlichtweg nichts, was auch nur die geringsten Auswirkungen haben könnte“, so Yoshiki Shinke, Volkswirt bei dem Dai Ichi Life Research Institute.

Beobachter warten auf Initiativen aus Washington und nicht etwa aus Tokio. In der Tat hängt Japans wirtschaftliche Erholung wesentlich von einer Erholung der Weltnachfrage ab, denn die Hauptursache für die wirtschaftliche Flaute ist der Einbruch bei den Ausfuhren.

Die japanischen Exporte befinden sich derzeit im freien Fall. In den zurückliegenden drei Monaten brachen die Exporte um fast 14 % gegenüber dem Vorquartal ein. Im zurückliegenden Quartal wirkten sich dabei noch die schwachen Ausfuhren nach China und anderen asiatischen Ländern aus. Als Folge der schwachen Auslandsnachfrage stapeln sich Autos und Elektronikprodukte in den Lagern der großen japanischen Unternehmen wie Toyota, Honda und Panasonic.

Der starke Yen, der seit Ende 2007 mehr als 20 % gegenüber dem Dollar gestiegen ist und auch gegenüber dem Euro kräftig zugelegt hat, belastet den Export noch zusätzlich.

Die zehn größten Elektronikunternehmen erwarten, dass sie in diesem Jahr zusammengenommen Verluste in Höhe von mehr als 20 Mrd. $ verbuchen werden. Für die Autoproduzenten wird ein ähnlich desolates Bild gezeichnet.

Das Investmenthaus Goldman Sachs erwartet auf der Grundlage der Ertragsprognosen der Unternehmen, die rund 80 % der Marktkapitalisierung ausmachen, dass die Gewinne der Unternehmen in diesem Jahr um 59 % zurückgehen werden. BARBARA ODRICH

Von Barbara Odrich

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