EU Mitschuld an Krise 01.08.2014, 10:50 Uhr

Ifo-Institut rät zu mehr Handel mit Russland

Härtere Wirtschaftssanktionen der EU gegen Russland werden nach Einschätzung des Münchner Ifo-Institutes erfolglos bleiben. Viel sinnvoller sei sogar ein Ausbau des Handels mit Russland, um einen Wandel in den Köpfen der Menschen zu erreichen, rät der Ifo-Außenexperte Erdal Yalcin im Gespräch mit der Wochenzeitung VDI nachrichten. 

Fallende Rubel-Kurse in Moskau am 29. Juli: Das Münchner Ifo-Institut rät dazu, statt Sanktionen mehr Handel mit Russland zu treiben, um in Gespräch mit dem Land zu bleiben.

Fallende Rubel-Kurse in Moskau am 29. Juli: Das Münchner Ifo-Institut rät dazu, statt Sanktionen mehr Handel mit Russland zu treiben, um in Gespräch mit dem Land zu bleiben.

Foto: dpa/Yuri Kochetkov

„Wer langfristig eine neue Blockbildung in Europa vermeiden will, muss nach Wegen suchen, die europäische Wirtschaft und die Wirtschaft auch des autoritär regierten Russland enger zu verknüpfen“, so Yalcin. „Diese Politik sollte der Maxime „Wandel durch Handel“ folgen. Engere Wirtschaftsbeziehungen bringen der russischen Bevölkerung die westliche, demokratisch geprägte Kultur näher.“

Westen hat es versäumt, Russland an den Tisch zu holen 

Der EU wirft der stellvertretende Leiter des Zentrums für Außenwirtschaft am Ifo-Institut vor, Mitschuld an der Krise zu sein und Russland viel zu wenig in Verhandlungen eingebunden zu haben. „Der Westen hat es ganz klar versäumt, Russland bei wichtigen Entscheidungen mit an den Tisch zu holen.“

Ifo-Handelsexperte Erdal Yalcin

Ifo-Handelsexperte Erdal Yalcin

Foto: Ifo-Institut

Die Gespräche mit der Ukraine über das Freihandelsabkommen hätte die EU nicht bilateral, sondern in Abstimmung mit Russland führen müssen, so Yalcin. „Über dieses Problem hätte man dreiseitig sprechen müssen, was aber nicht geschah.“

Die EU habe erst jetzt und damit viel zu spät auf die Interessen Russlands reagiert. „Putin hatte schon 2001 den Wunsch geäußert, den Handel von Lissabon bis Wladiwostok zu liberalisieren. Danach geschah aber nichts“, kritisiert Yalcin. „Die Europäische Union hat sich mehr Gedanken darüber gemacht, wie man die peripheren Staaten an der Grenze Russlands wirtschaftlich oder auch militärisch in die Nato einbinden kann. Dazu gibt es Strategiepapiere. Da man sich zur Integration Russlands aber zugleich keine langfristigen Gedanken gemacht hat, war eine Konfrontation früher oder später zu erwarten.“

Russland lässt sich durch Sanktionen nicht beeindrucken

Geringe Chancen sieht der Ifo-Handelsexperte dagegen, Russlands Verhalten durch Sanktionen zu beeinflussen. „Ein Blick in die Geschichte zeigt, dass autoritäre oder diktatorische Staaten wirtschaftliche Sanktionen häufig innenpolitisch instrumentalisieren und so auch einen stärkeren innenpolitischen Zusammenhalt generieren können. In diesen Fällen führen wirtschaftliche Repressalien nicht zu einem Politikwechsel“, so Yalcin. 

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