Allen Unkenrufen zum Trotz 16.02.2001, 17:28 Uhr

Hightech als Hoffnungsträger Ost

In den neuen Bundesländern entwickelt sich eine lebendige Industrielandschaft. Forschungsinstitute und eine Vielzahl junger Technologiefirmen wecken Hoffnung auf neue Jobs, so eine Studie der DG Bank.

Vor allem in Thüringen, Sachsen und Berlin sind laut DG Bank Hightech-Zentren entstanden, die den Vergleich mit dem Westen nicht zu scheuen brauchen. Genannt werden Städte wie Jena, Dresden, Freiberg, mit Abstrichen auch Chemnitz und Leipzig. In einzelnen Branchen liegt der Osten sogar vorn: So gilt Berlin mit mehr als 110 Unternehmen als führende Biotech-Region Deutschlands.
In den vergangenen Jahren haben die ostdeutschen Länder einen regelrechten Gründerboom erlebt. „1999 und 2000 war es besonders dynamisch. Wir hatten allein im vergangenen Geschäftsjahr mehr als 600 Anfragen zur Finanzierung von Technologiegründern“, berichtet Nicole B. Meissner, Sprecherin von Peppermint Financial Partners. Das Berliner Unternehmen hat 2000 einen neuen Fonds über 50 Mio. DM aufgelegt und sieht im Osten „zahlreiche gute Ideen mit ausgezeichneten technologischem Hintergrund“.
Die Besonderheit beim wirtschaftlichen Aufholprozess der neuen Bundesländer liegt im Fehlen von Konzernzentralen. Im Westen wirken diese üblicherweise als Kristallisationskeime für Technologiezentren. Sieht man einmal von Jenoptik ab, so finden sich im Osten allenfalls Niederlassungen oder Zweigbetriebe – allerdings zunehmend mit eigener FuE.
So beispielsweise in Dresden, wo mit Infineon und AMD zwei große Chiphersteller angesiedelt sind. Im Dresdner Rathaus schätzt der zuständige Bürgermeister Rolf Wolgast, dass die Mikroelektronik in Dresden 5000 Mitarbeiter beschäftigt. Rechnet man Zulieferer und Dienstleister hinzu, kommt Wolgast auf 500 weitere Firmen mit 15 000 Beschäftigen. Inzwischen hat AMD angekündigt, bei Erfurt eine weitere Chipfabrik zu errichten.
Im Umfeld anerkannter Universitäten wie Jena (Biowissenschaften), Dresden (Elektrotechnik, Informatik), Magdeburg (Maschinenbau), Halle/Leipzig (Biowissenschaften) oder Berlin sind in den vergangenen Jahren mehr als 80 Technologie- und Gründerzentren entstanden. Die finanzielle Starthilfe, oft anfangs staatlich gesichert, ist in den meisten Fällen inzwischen überflüssig oder durch privates Kapital ersetzt worden, heißt es in der Studie.
Beispiel Biotechnologie: „Wir zählen zwischen Dessau, Leipzig und Halle bereits fast 50 Unternehmensgründungen, die ein immenses Wachstumspotenzial besitzen“, schwärmt Uwe Schrader, Geschäftsführer der BioRegion Management GmbH, Halle. Das Unternehmen sitzt zusammen mit etlichen dieser Firmen in einem großzügigen Neubau auf dem Halleschen Wissenschafts-Weinberg. Gleich neben dem Biozentrum entstand jetzt ein weiterer Neubau, der „schon als Rohbau zu 100 % vermietet war“, wie Schrader weiß.
Dass die jungen Firmen – die großen wie Bayer Bitterfeld und die Forschungs-Institute zählt Schrader nicht mit – bislang nur 400 Mitarbeiter beschäftigen, sieht Schrader als Wachstums-Chance: „Wir rechnen mit einer Zunahme der Beschäftigung um 100 bis 150 Leute pro Jahr.“
Auch in Leipzig gibt es Vorzeigeunternehmen, wie die BioCare GmbH. Das zunächst in München gegründete Unternehmen stellt aus Haaren Hautplättchen her, die nach etwa 30 Tagen Anzucht als fingernagelgroße Implantate für die Heilung chronisch offener Wunden verwendet werdeN. „Leipzig war für uns besser als München, weil hier eine sehr hohe Konzentration an medizinischer Biotechnologie entsteht, die Lage zentral und die Kosten relativ niedrig sind“, so Geschäftsführer Dr. Christian Toluczyki.
Von der Industrieforschung ist mit dem Ende der DDR-Kombinate ein zwar kleiner, dafür aber sehr leistungsfähiger Teil als selbstständige GmbH erhalten geblieben. Nach den Recherche-Ergebnissen der DG-Studie existieren rund 300 externe Forschungsunternehmen. Ein Beispiel ist das Kunststoffzentrum Leipzig. Das Institut, das rund 200 vorwiegend westdeutsche Unternehmen als Gesellschafter hat, stellt auf der Hannover Messe neue lasergestützte Verfahren zur Herstellung von Mikro-Bauteilen aus Kunststoff vor.
Etwa ein Drittel aller Hightech-Unternehmen gehört zum IT-Bereich. Durch die Investitionen der Großunternehmen in Dresden, aber auch die Ansiedlung großer Zentralen von Sony, Oracle, IBM, Siemens oder Debis in Berlin wird auch das IT-Dienstleistungsumfeld mit derzeit rund 100 000 Beschäftigten rasch weiter wachsen.
Immerhin rund 15 % der ostdeutschen Hightech-Firmen kommen aus dem Bio-Bereich. Gut im Rennen liegt der Osten auch bei Neuen Materialien. Im Großraum Dresden sind auf diesem Feld mehr als 100 Unternehmen tätig, angelockt durch mehrere an diesem Thema forschende Fraunhofer- und Universitätsinstitute.
Inzwischen ist mit den neuen Technologiefirmen eine neue Säule herangewachsen, die zwar in den Beschäftigungsstatistiken die Misere der Bau-Wirtschaft nicht kaschieren kann. Aber auf Sicht von einigen Jahren dürfte sie, hier sind sich die Autoren der Studie sicher, der wohl wichtigste Hoffnungsträger für den Osten überhaupt sein. MANFRED SCHULZE/ps

Von Manfred Schulze/Peter Schwarz

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