Messen 26.01.2007, 19:26 Uhr

Globalisierung ist keine Einbahnstraße  

Die Asiaten kommen nach Europa, die Europäer gehen nach Asien, Weltleitmessen stehen vor der kontinentalen Teilung. Eine Entwicklung, von der alle Beteiligten profitieren können, wie Bernd A. Diederichs in seinem folgenden Beitrag ausführt.

Die internationalen Fachmessen in Deutschland gelten als Weltmarktführer. Zwei von drei Weltleitmessen, so heißt es, finden in Deutschland statt. Dabei wird eines gerne übersehen: Acht von zehn Ausstellern auf internationalen Fachmessen kommen aus Europa. Noch deutlicher ist die Tendenz bei den Besuchern: Hier sind es neun von zehn. Vor diesem Hintergrund klingt das hohe Lied der Internationalität ein wenig dünn. Unsere Kunden, Aussteller und Besucher, haben dies längst erkannt. Für sie ist Internationalität kein Selbstzweck. Sie sind auch nicht der Meinung, dass internationale Leitmessen für Aussteller und Besucher der allein selig machende Veranstaltungstypus sind.

Insbesondere unsere internationalen Aussteller kommen zu unseren Veranstaltungen, weil sie in Deutschland und vor allem in Europa ihren relevanten Markt sehen. Das kann durchaus bedeuten, dass diese Aussteller einen Monat später auf einer Messe in China oder in Südamerika präsent sind, weil dort weitere interessante Märkte liegen. Weil das so ist, stehen wir aus meiner Sicht vor einer kontinentalen Teilung der Weltleitmessen. Künftig ist es durchaus möglich, dass es in einzelnen Segmenten ein Leitmessen-Triumvirat geben wird, das heißt je eine Leitmesse in Europa, in Amerika und in Asien. Alle haben ihre Berechtigung, weil alle ihre Wirtschaftsräume abbilden.

Obwohl sich erfreulicherweise die Teilnahme deutscher Aussteller und Besucher im vergangenen Jahr wieder nachhaltig erhöht hat, ist das deutsche Messewesen zunehmend von ausländischen Ausstellern und Besuchern abhängig. Nach AUMA-Angaben verzeichnen die internationalen Messen in Deutschland im Jahr mehr als zwei Millionen ausländische Interessenten, das ist ein gutes Fünftel aller Besucher. Der größte Teil davon stammt auch hier aus europäischen Ländern. Insbesondere die Asiaten und hier vor allem die Chinesen holen jedoch auf. Mit 240 000 Besuchern stellten sie 2005 bereits die größte Besuchergruppe außerhalb Europas das sind 60 % mehr als noch Ende der 90er-Jahre. Und sie finden nicht nur in der Besucherrolle Gefallen an deutschen Messen – ebenso zeigen sich mehr und mehr chinesische Unternehmen als Aussteller auf deutschen Messen. Hier verzeichnete der AUMA seit 1999 einen Anstieg um 61 %.

Allem Inlandswachstum zum Trotz schätzen die Chinesen also Europa, respektive Deutschland, als wichtige Absatzregion ein. Hier liegt der Messeplatz Nürnberg voll im Trend: Das in 2006 erzielte Wachstum der Nürnberg Messe von 25 % bis 30 % ist zu einem erheblichen Teil auf die steigenden Besucher- und Ausstellerzahlen aus dem Ausland zurückzuführen. Und China gehört zu den wachstumsstärksten der in Nürnberg vertretenen Ländern: In den vergangenen fünf Jahren verdreifachte sich das chinesische Ausstellervolumen am Messeplatz Nürnberg auf rund 900 Unternehmen und nimmt damit nach Italien Platz zwei in unserer internationalen Ausstellerstatistik ein. Ähnlich sieht es bei den Besuchern aus.

Umgekehrt legt auch die Nürnberg Messe bei ihren Auslandsaktivitäten einen Fokus auf China. Entsprechend haben wir im vergangenen Herbst eine eigene Tochtergesellschaft in Shanghai gegründet. Neben der Akquisition von Ausstellern und Besuchern für die Fachmessen in Nürnberg wird die „NürnbergMesse China“ Veranstaltungen für den chinesischen Markt entwickeln. Derzeit betreuen wir im Land sechs Veranstaltungen (Fenestration China, GaLaBau China, International Powder&Bulk, IAC, TME & SENSOR, China International Pet Show (CIPS) und zukünftig BioFach China).

Gerade im Hinblick auf China – und ich beschränke hier Asien ganz bewusst auf China – ist also die Furcht vor einer alles überrollenden Wirtschaftslawine ebenso verkehrt wie der Glaube, mit dem Gang nach Fernost werde das eigene Geschäft schon ganz von allein florieren. Mit solider konzeptioneller Arbeit in Deutschland und China dagegen können wir nur gewinnen – und viel von unseren ausländischen Partnern lernen. Das sehen andere deutsche Kollegen offenbar genauso, denn von den für 2007 geplanten über 200 Auslandsmessen sollen mehr als 50 im Reich der aufgehenden Sonne stattfinden – in den Vereinigten Staaten sind es gerade einmal elf.

BERND A. DIEDERICHS

Der Autor ist seit 1997 Geschäftsführer der Nürnberg Messe GmbH.

Von Bernd A. Diederichs

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