Dienstleistung 28.05.2004, 18:30 Uhr

Geschäfts-Kontakte knüpfen im Irak

VDI nachrichten, Köln, 28. 5. 04 -Am Wiederaufbau des Irak möchte auch die deutsche Wirtschaft teilhaben. Doch die aktuelle Lage ist unübersichtlich und nicht nur für Ausländer lebensgefährlich. Ein junges Kölner Unternehmen verspricht umfassende Hilfe beim Aufbau von Geschäftsbeziehungen und eine Vertretung vor Ort.

Eigentlich sollte im April in Bagdad die erste Handelsmesse nach dem offiziellen Ende des Krieges stattfinden: die „Destination Baghdad Expo“, eine Kontaktbörse ausländischer und irakischer Unternehmen mit 200 Teilnehmern aus 26 Ländern. Doch mit dem Hinweis auf die Eskalation der Gewalt in Bagdad hat die Irakisch-Amerikanische Industrie- und Handelskammer die Messe erst verschoben und schließlich in den Südosten der Türkei verlegt. Sie fand vom 25. bis 27. Mai in der Stadt Diyarbakir, nahe der Grenze zum Irak, statt.
Das Kölner Unternehmen „Screen 2 Move“ vertrat dort fünf mittelständische deutsche Firmen, vorrangig aus dem Maschinen- und Anlagenbau. Geschäftsführer Malte Borchardt (34) spricht trotz aller Risiken vom wirtschaftlichen Potenzial des Landes und der Chance, jetzt schnell vor Ort zu sein und künftige Märkte zu erschließen. „Der Irak ist eine riesige Baustelle, dort ist 30 Jahre nichts passiert“, sagt der Diplomkaufmann. Beim Aufbau der Infrastruktur gebe es viel zu tun. „Deutsche Firmen genießen bei den Irakern einen guten Ruf.“
Doch die Probleme für investitionswillige Unternehmen sind – neben der prekären Sicherheitslage – verlässliche Informationen über Absatzchancen, Zahlungsverkehr und irakische Partnerunternehmen. Zudem herrscht immer noch Unsicherheit bei der Frage, ob die US-Besatzer deutsche Unternehmen am Wiederaufbau teilhaben lassen. Schließlich war man in den USA wenig erfreut über die deutsche Kriegs-Absage. Die ersten großen Aufträge erhielten erwartungsgemäß US-Firmen, doch inzwischen sind die Vergaberichtlinien gelockert. Zudem suchen die US-Firmen derzeit Subunternehmer, und das können auch deutsche Firmen sein, so das Auswärtige Amt.
Auch Malte Borchardt von „Screen 2 Move“ weist auf die Aufträge für Subunternehmer hin. Der Diplomkaufmann arbeitet mit dem New Yorker Unternehmen „3C“ zusammen, um deutschen Firmen nähere Informationen zu liefern und ihnen so den Weg in den Irak zu erleichtern – ohne dass sie selbst vor Ort sein müssen. Das wagt derzeit nicht mal Malte Borchardt. „Man muss abwarten und sich an gewisse Spielregeln halten“, sagt er. Für Ausländer sei es derzeit viel zu gefährlich.
Borchardts Mann vor Ort heißt Khalid Muhsen (38). Der Exil-Iraker kam 1996 nach Deutschland. In seiner Heimat hat er ein Studium zum Elektro-Ingenieur absolviert und fünf Jahre dort gearbeitet. Dann verließ er den Irak, „um frei zu leben“, wie er sagt. Weil er auch in Deutschland beruflich anerkannt werden wollte, begann er ein zweites Studium als Wirtschafts-Ingenieur an der Kölner Fachhochschule. Für „Screen 2 Move“ war er bereits mehrere Wochen in Bagdad, um dort ein Büro aufzubauen. „Natürlich habe ich Angst“, gibt der junge Familienvater zu. Doch seine Aufgabe sei eben auch interessant. Khalid Muhsen hat für „Screen 2 Move“ zwei englischsprachige Ingenieure als Mitarbeiter ausgesucht. Wenn er in Bagdad ist, nimmt er Kontakt mit irakischen Firmen auf, führt Interviews und nutzt auch private Kontakte, um betrügerische oder zahlungsunfähige Unternehmen möglichst auszusortieren.
Das größte Kapital von Malte Borchardt und seinem Team ist eine Datenbank mit Informationen zu 900 irakischen Unternehmen. Damit glauben sie besser zu sein als mögliche Konkurrenten. Die Firmen können als Kunden oder Partner in Frage kommen. „Irakische Unternehmen sind oft auf die Kompetenz der Deutschen angewiesen“, sagt Borchardt. Zum Beispiel beim Autobahn- und Tunnelbau in Kurdistan. Der Kölner Unternehmer vermittelt seinen Kunden die Daten geeignet erscheinender Unternehmen. Khalid Muhsen sucht auf Wunsch auch einen irakischen Mitarbeiter. „Dieser arbeitet dann in unserem Büro in Bagdad“, erklärt Borchardt. Er vertrete das Unternehmen vor Ort, mache potenzielle Kunden und Projekte ausfindig. „Screen 2 Move“ bleibe jedoch Ansprechpartner für das deutsche Unternehmen. „Natürlich sind wir ein Start-up-Unternehmen“, räumt Borchardt ein. „Doch wir sind flexibel und schnell.“
Für eine Autovermietung in Hannover recherchierten die Kölner, ob es im Irak einen Markt für gepanzerte Fahrzeuge gibt. Andere Firmen wollen Handys und Medizintechnik verkaufen. Borchardt sieht sich vor allem als Ansprechpartner für kleine und mittelgroße Unternehmen.
Diese seien bei der derzeitigen Lage dankbar für einen irakischen Vertreter vor Ort. Auch der Bundesverband des deutschen Groß- und Außenhandels rät derzeit vor Alleingängen ab. Eigentlich sind das keine allzu guten Aussichten. Doch Malte Bochardt beurteilt die Lage langfristig optimistisch – und hofft nicht zuletzt auf eine Besserung durch die bevorstehende Regierungsübernahme durch die Iraker.
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Von Annette Zellner

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