Außenwirtschaft 12.11.2004, 18:34 Uhr

Gedämpfter China-Boom sorgt deutsche Firmen nicht

VDI nachrichten, Schanghai, 12. 11. 04 – Werkzeugmaschinen – in chinesischen Schriftzeichen „Mutter der Maschinen“- sind ein strategisches Gut, um Chinas beschleunigten Marsch in die Industriestaatenliga zu vollenden. Das erfreut zuerst einmal deutsche Werkzeugmaschinenbauer, weil sie ihre Produkte absetzen können, wenn sie damit auch Konkurrenz züchten. Der Boom wird auch 2005 anhalten. Doch der gebremste Ausbau der Automobilindustrie lässt die Nachfrage langsam schrumpfen.

Fest steht für alle Fabrikausrüster, dass China auch nach 2004 ein starker Wachstumsmarkt bleibt, jedoch bei gedrosseltem Tempo. 2005 läuft der jetzige 5-Jahresplan aus der neue startet zwar gleich 2006, aber wohl – nach den bisherigen Erfahrungen- recht langsam. Ziel der chinesischen Regierung ist sowieso eine „weiche Landung“ aus der jetzigen Boom-Phase.
Der chinesische Markt werde auch weiterhin eine Schlüsselrolle spielen, angetrieben von Auto- und Autozulieferindustrie, Schiffbau und Luftfahrt, erklärte Timo Würz, Direktor für Forschung und Technik im deutschen Werkzeugmaschinenverband VDW, im Oktober in Schanghai auf der Messe Metalworking 2004. Parallel fanden auf dem „Shanghai International Expo Centre“ (SNIEC) vier Fachmessen statt, die von der Deutschen Messe AG aus ihrer Hannover-Messe-Erfahrung nach China getragen worden waren: Factory Automation Asia 2005, CeMAT Asia, PTC Asia 2004, Energy Asia.

Es ist als könnten die Werkzeugmaschinenbauer im kommenden Jahr erst einmal wieder durchatmen. „Die Geschwindigkeit hat leicht abgebaut“, registriert Bernd Hechler, Verkaufsmanager bei Müller Weingarten (Shanghai) Forming Technologies. „Es ist auch gut, dass es jetzt etwas langsamer geht.“ Langfristig bleibt die Tendenz aus Sicht des Automotive-Spezialisten jedoch positiv. „Auf fünf Jahre bleibt das ein attraktiver Markt für Anlagenlieferanten“, meint Hechler.
„Die Kurve wird abflachen“, stimmt auch Rüdiger Kapitza zu, Vorstandschef von Gildemeister. „Wir werden geringere Stückzahlen sehen, dafür aber mehr High-Tech.“
Manuel Neusch-Frediani, Geschäftsführer der Erwin Junker Holding, spricht bereits von einer Stagnation der Auftragseingänge. „Wir sehen das aber nicht dramatisch. Insgesamt ist es sogar gut, dass es eine Konsolidierung gibt.“
Grund für die Verschnaufpause ist vor allem die spürbare Abkühlung im Automobilsektor. Zum einen steuert die chinesische Regierung einer Überhitzung entgegen, zum anderen warten die Verbraucher auf Preissenkungen im Zuge der WTO-Regelungen. „Investitionen werden geschoben“, beobachtet Neusch-Frediani. „Aber mittel- bis langfristig bleibt das Wachstum im Werkzeugmaschinenmarkt hier zweistellig.“ In der nächsten Zeit erwarte man mehr Bestellungen von kleineren Kunden.
Auch Peter Frassmann, stv. Verkaufsdirektor bei den Tuttlinger Chiron-Werken, registriert eine ruhigere Entwicklung. „Im ersten Halbjahr hatten wir durch stärkere Aktivitäten noch 70 % plus bei den Auftragseingängen.“ In der Autoindustrie lasse sich aber das starke Wachstum der vergangenen Jahre nicht mehr halten.
China ist in den vergangenen Jahren zum größten Abnehmerland für Werkzeugmaschinen aufgestiegen, was sich auch in der Messebeteiligung niederschlug – rund 70 deutsche Hersteller und Zulieferer reisten nach Schanghai, nach Schätzung des Veranstalters der vier Fachmessen neben der Metalworking, der hannoverschen Deutsche Messe AG, kamen rund 50 000 Besucher. Deutschland liegt nach Japan und Taiwan auf dem dritten Platz der Zulieferländer.
Aber nicht nur als Abnehmer, auch als Produzent hat sich China auf einen der vorderen Plätze gekämpft. Der chinesische Markt für Werkzeugmaschinen mit seinen mehr als 2200 heimischen Herstellern – 14 % davon ausländische und Gemeinschaftsunternehmen – ist mehr als zersplittert. Im vergangenen Jahr steigerten die Unternehmen die Produktion um fast 33 % auf 79 Mrd. RMB (7,9 Mrd. €). Damit hat sich China auf Platz vier auf dem weltweiten Werkzeugmaschinenmarkt vorgearbeitet – unter den exportierenden Ländern steht es jedoch nur an zwölfter Stelle.
Auch chinesische Experten wie Shu Zhang, Maschinenbau-Emeritus an der Tongji-Universität in Schanghai, wissen, dass es vor allem bei hochwertigen Maschinen trübe aussieht. Nur wenige Unternehmen haben eine Kapazität von über 1000 Maschinen pro Jahr, und von den 100 Herstellern, die CNC-Maschinen herstellen, haben nur eine Hand voll die Aussicht, sich langfristig international zu etablieren. Gildemeister-Chef Rüdiger Kapitza ist schonungslos: „Hier gibt es viele Maschinen, die bei uns einfach keiner kaufen würde.“
Der Umsatz mit CNC-Maschinen in China hat sich in vier Jahren fast verdreifacht. Wurden 1999 Maschinen im Wert von 1,33 Mrd. $ verkauft, waren es 2003 bereits 3,75 Mrd. $. Doch zugleich ist der Marktanteil chinesischer Maschinen von rund 34 % auf unter 28 % deutlich geschrumpft und hängt überdies vom Import von CNC-Steuerungen ab. Sieben von zehn CNC-Maschinen kommen aus dem Ausland.
Doch auch wenn das Segment für komplexe Maschinen fast ausschließlich von ausländischen Wettbewerbern besetzt wird, ist die Stoßrichtung der chinesischen Industrie klar. Langfristig wollen die Hersteller ins High-End-Segment vordringen. China solle ein „supermächtiger Gigant“ werden, sagt Xing Min, Präsident der Handelsfirma China National Machine Tool Corp. (CNMTC) und greift dafür auf das Zitat Deng Xiaopings aus dem Jahr 1992 zurück.“We must have our own key products, and build up our own brand.“ Werkzeugmaschinen sind in China eben Chefsache. Erst im April 2004 hat sich Ministerpräsident Wen Jiabao für die Entwicklung lokaler CNC-Maschinen ausgesprochen, um Chinas Produktivkräfte voranzubringen. Shenyang Machine Tool und Dalian Machine Tool gelten sowohl von ihrer Kapazität als Strategie und Markenqualität her als aussichtsreichste Kandidaten. Zusammen setzten sie im vergangenen Jahr 600 Mio. $ um.
Dahinter stehen nicht nur ökonomische Ziele. Die Werkzeugmaschinenbranche gilt auch heute noch in China als zentraler Bestandteil der Verteidigungsindustrie. Sie ist damit wichtig für die nationale Entwicklung und nationale Sicherheit, wie der Geschäftsführer von Shanghai Machine Tool, Liao Ying, klar macht.
Hingegen werden die Ausfuhrbeschränkungen für Werkzeugmaschinenbauer in Deutschland nur noch als lästige Hürde empfunden. „Die Dual-Use-Regeln für China habe sich überholt. Schließlich können Sie nicht nur mit einem Panzer, sondern auch mit einem normalen Auto in die Schlacht fahren“, sagt Gildemeister-Chef Rüdiger Kapitza.ANJA FELDMANN/K

Von Feldmann/K

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