Konjunktur 26.11.2004, 18:35 Uhr

Frohe Weihnacht für Einzel- und Online-Handel

VDI nachrichten, Düsseldorf, 26. 11. 04 -Alle Jahre wieder zieht der Duft von Glühwein und gebrannten Mandeln durch die Innenstädte. Weihnachtsmärkte und Einzelhandelsgeschäfte hoffen auf gute Umsätze. Doch wie sieht es mit der Konsumlaune der Deutschen in diesem Jahr tatsächlich aus?

Über 9 Mrd. € hat der deutsche Einzelhandel in den letzten drei Jahren eingebüßt. Deshalb hofft der Handelsverband BAG jetzt für das anstehende Weihnachtsgeschäft „auf viele Beine und viele Tüten“. Sein Präsident Walter Deuss: „Zu Weihnachten soll sich der Verbraucher endlich wieder etwas gönnen.“ Der Hauptverband des deutschen Einzelhandels (HDE) prognostiziert für November und Dezember sogar ein Umsatzplus von über 7 Mrd. €.
Doch ob die verwöhnten Deutschen da mitmachen, ist fraglich. Gute Zeiten galten lange Jahre als selbstverständlich. Schlechtere Zeiten wie jetzt lassen viele Bürger in Pessimismus und Schwarzmalerei verfallen – sie tragen schwer an der wirtschaftlichen Entwicklung des Landes: Firmen schließen, Firmen wandern ab, Hartz IV droht im nächsten Jahr. Und welche zusätzlichen Belastungen durch Renten- und Gesundheitsreform kommen, ist noch offen. Zudem haben verschiedene Großunternehmen das Weihnachtsgeld ganz oder teilweise gestrichen.
Claudia Kurzbuch, Geschäftsführerin der Bundesarbeitsgemeinschaft für Schuldnerberatung in Kassel: „Ich glaube, dass die Verbraucher mit Weihnachtsgeschenken in diesem Jahr zurückhaltender sein werden, obwohl die im letzten Jahr schon spärlicher ausgefallen sind.“ Genauso sieht es die GfK in Nürnberg, die die Stimmung der Konsumenten regelmäßig untersucht.
Die auf Sicherheit bedachten Deutschen sparen wieder, bilden aus Angst vor der Zukunft Rücklagen.
Nach Aussagen der Bundesbank in Frankfurt sind die Ersparnisse der privaten Haushalte zwischen 2000 und 2003 von 129 Mrd. € auf 151 Mrd. € gestiegen. Frank H., Lkw-Fahrer aus Düsseldorf: „Na klar pack“ ich jetzt ordentlich was für die Altersvorsorge zur Seite, denn die Politiker verunsichern uns doch total.“
Auch mit dem Verschulden sind die Deutschen vorsichtiger geworden. Laut Sachverständigengutachten wurden 2003 im Vergleich zu 2001 rund 30 % weniger Kredite aufgenommen. Allerdings kommt die Schufa, Wiesbaden, in ihrem jüngst veröffentlichten „Schuldenkompass“ zu dem Ergebnis, dass mehr Privathaushalte „auffällig“ geworden sind. Ihr Pressesprecher Stefan Horst: „Zahlungsausfälle mussten wir bei 19 % mehr Privatpersonen verzeichnen.“ Überwiegend waren es 20- bis 29-Jährige, die über ihre unbezahlten Handy-Rechnungen gestolpert sind.
Mehr Sparen und gleichzeitig mehr Schuldner, die nicht zahlen können: ein Paradox? Nur scheinbar. Denn die Sparquote der Deutschen hat den langjährigen Durchschnitt noch längst nicht wieder erreicht, und die Schufa hat absolut keine Zahlen darüber, wie und ob die Schulden, die Verbraucher nicht mehr tilgen können, gestiegen sind.
Schufa-Chef Rainer Neumann betont sogar, dass knapp 62 % der deutschen Haushalte (Prozentsatz wurde erstmals ermittelt) überhaupt keine Kredite aufgenommen haben. Zudem schlagen, so Horst, „die kleinen, feinen regionalen Unterschiede“ zu Buche: In einer Stadt kann es durch die Schließung eines Unternehmens zu vielen Arbeitslosen kommen, die Schulden machen und sie letztendlich nicht zurückzahlen können, während es im Nachbarort keine sozialen Probleme gibt und gut gespart wird.
Also alles halb so schlimm und rein ins Weihnachtsgetümmel? Nach einer Umfrage von Infratest dimap wollen 49 % der Befragten gleich viel wie im Vorjahr für Geschenke ausgeben, 43 % weniger und 5 % sogar mehr. In Zahlen ausgedrückt: Rund 33 % der Bundesbürger wollen zwischen 100 € und 250 € für Weihnachtsgeschenke ausgeben. Fast ein Viertel glaubt nach einer Befragung der Marktforschungsgesellschaft E-Circle sogar, dass es auch mehr als 250 € werden könnten. Spitzenreiter der geplanten Geschenke sind Bücher, Musik und Kosmetik. Ein Teil des Umsatzes wird auf das Online-Geschäft entfallen, laut Holger Wenzel, Chef des HDE, eines der wenigen Wachstumssegmente des Handels. Seit 1999 habe sich dessen Umsatzvolumen verzehnfacht.
Die wirtschaftliche Situation und die Stimmung der Deutschen zum anstehenden Fest sind sehr unterschiedlich. Die einen können sich was leisten, oft helfen auch die Großeltern, während andere Haushalte selbst in normalen Monaten finanziell kaum über die Runden kommen. Vor allem bei ihnen macht sich die Jetzt-erst-recht Stimmung breit: Wenn nicht zu Weihnachten, wann dann sollte man sich und seinen Lieben mal was gönnen?
Claudia Kurzbuch von der Schuldnerberatung: „Viele, die knapp bei Kasse sind, werden wohl im Versandhandel bestellen. Deren Werbung, jetzt bestellen, zu Weihnachten haben und erst im nächsten Jahr bezahlen, kommt bei sozial Schwächeren gut an.“
Schlimm sei nur, dass diejenigen dann vielleicht im September/Oktober 2005 mit dem Abstottern der Raten fertig seien und dann aber das nächste Weihnachtsfest schon vor der Tür stehe. RENATE ELBERS-LODGE

Von Renate Elbers-Lodge

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