Außenwirtschaft 23.11.2007, 19:31 Uhr

Exportfactoring: Große Geschäfte, kleines Risiko  

VDI nachrichten, Düsseldorf, 23. 11. 07, ps – Factoring macht an den Grenzen nicht halt. Firmen, die ihre Produkte ins Ausland liefern, nehmen immer häufiger diese Finanzdienstleistung auch im Exportgeschäft in Anspruch.

Für Factoringinstitute gibt es generell zwei Möglichkeiten, Exportfactoring zu betreiben: Entweder kooperieren sie mit Partnern im Ausland oder sie greifen auf ein eigenes Netz zurück.

Letzteres können meist nur die größeren Institute anbieten, so die Coface Finanz GmbH: „Wir bieten Factoring in 150 Ländern an, von denen wir in 64 selbst vertreten sind“, sagt deren Geschäftsführer Franz Michel. Sein Institut bietet nicht nur den Forderungsankauf, sondern auch andere Finanzdienstleistungen im Ausland an.

Andere Institute, die nicht über ein so großes Netz verfügen, wickeln das Geschäft über zwei große Verbände ab. Diese vermitteln im jeweiligen Land Partner, die sich dann vor Ort mit dem Kunden in Verbindung setzen und die notwendigen Dienstleistungen erledigen, also etwa die Bonität des Factoringpartners vor Ort prüfen oder das Debitorenmanagement übernehmen.

Sie entscheiden dann auch über die Limits, die den jeweiligen Kunden eingeräumt werden. Denn nur bis zu einer gewissen Grenze übernehmen die Factoringinstitute die Forderungen der Lieferanten.

„Die Vorteile des Exportfactoring sind dieselben wie die für Factoring im Inland“, sagt Hans Volker Mayer, Geschäftsführer der Südfactoring. Das seien vor allem die Vorfinanzierung der Forderungen, der Schutz vor deren Ausfall und das Debitorenmanagement. Das ermöglicht dem Lieferanten, seinen Umsatz zu steigern, hört man auch aus anderen Factoringinstituten.

Da seine Liquidität nicht in ausstehenden Forderungen gebunden ist, kann er mehr investieren und schneller produzieren. Über den Verkauf seiner Forderungen an ein Finanzierungsinstitut erhält er 80 % bis 90 % seiner Forderungen direkt überwiesen, den Rest bis auf eine Gebühr dann nach Eingang der vollständigen Zahlung beim Factor. So wird auch die Bilanz des Lieferanten entlastet, wenn er die Forderungen verkauft. Der Abnehmer erhält im Gegenzug ein festes Zahlungsziel, das ihm gegebenenfalls länger Zeit gibt, seine Rechnung zu bezahlen.

Hinzu kommen weitere Vorzüge: Der Lieferant braucht sich um eine ihm eventuell unbekannte Rechtsprechung in einem anderen Land nicht zu kümmern, ebenso wenig um eine andere Währung. Denn längst werden auch Forderungen außerhalb des Euro-Währungsraums finanziert.

Ein Vorteil sei auch, so eine Sprecherin von CIT Commercial Services, dass es keine Sprachbarrieren gebe, denn die Mitarbeiter des Finanzdienstleisters erledigen die Formalitäten für den Lieferanten.

„Sollte es einmal zu einem Rechtsstreit kommen, dann können wir zudem auf eine international tätige Rechtsanwaltskanzlei zurückgreifen“, sagt auch Hans Volker Mayer von Südfactoring.

„Gerade für ein mittelständisches Unternehmen hat das Exportfactoring besondere Bedeutung“, meint Franz Michel von der Coface Finanz GmbH. Denn sie seien neben Sprache und Rechtsvorschriften häufig – etwa in Asien – auch mit den jeweiligen Usancen im Geschäftsalltag des anderen Landes nicht vertraut. Genau das aber könne ein Factoringunternehmen leisten. Vor allem in Mittel- und Osteuropa nähmen die Kunden auch die administrativen Dienstleistungen gern in Anspruch.

Im Ausland sind die Gepflogenheiten oft etwas anders. So ist vor allem in den Ländern Südeuropas eine etwas laxere Zahlungsmoral weit verbreitet. Anders als in Deutschland betragen hier die Zahlungsziele nicht nur 60, sondern eher 90 oder gar 120 Tage – Zeit, in denen dem Lieferanten diese Liquidität fehlt.

Außerdem hat offenes Factoring, bei dem das finanzierende Institut also nicht nur im Hintergrund agiert, auch disziplinierende Wirkung auf die Kunden, hat Coface-Geschäftsführer Michel festgestellt. Häufig betreue seine Gesellschaft im Ausland Abnehmer, die von mehreren Lieferanten aus Deutschland bedient werden. Dadurch habe sein Institut Einblick in die Zahlungsgewohnheiten und die Bonität des Debitoren. Aus Sorge um seinen guten Ruf diszipliniere der sich deshalb stärker als im direkten Kontakt mit seinem Lieferanten.

Ohnehin verkürze das konsequente Mahnwesen der Factoringinstitute die Forderungslaufzeiten, bestätigt auch Hans Volker Mayer von Südfactoring.

In welcher Höhe die Forderungen finanziert werden, hängt natürlich von der Bonität des Debitors, aber auch des Lieferanten ab. Das Finanzierungsvolumen passt sich häufig aber dem steigendem Umsatz an. So ist für größere Institute die Finanzierung von Forderungen im zweistelligen Millionenbereich ohnehin kein Problem. „Wir verteilen die Risiken dann im Konzern“, erklärt Michel.

Auch die Gebühren, die der Forderungsverkäufer an das Factoringinstitut zahlen muss, sind keineswegs für alle Geschäfte gleich: Sie liegen zwar meist zwischen 0,5 % und 1 % des Umsatzes. Die genaue Gebühr richtet sich aber nach dem tatsächlichen Leistungsaufwand, der mit dem Geschäft verbunden ist.

Factoring wird zudem nicht in allen Branchen angeboten. „Im Maschinenbau gibt es Zahlungsmodalitäten, die mit Factoring schwer zu vereinbaren sind“, sagt Hans Volker Mayer von Südfactoring. Denn hier werde die Zahlung meist gedrittelt: Ein Drittel ist fällig, wenn der Auftrag erteilt wird, ein weiteres Drittel etwa bei Fertigstellung, der Rest bei Auslieferung.

Und in der Baubranche halten sich viele Institute wegen der häufigen Gewährleistungsansprüche bei Mängeln ebenfalls zurück. BRIGITTE SCHOLTES

Von Brigitte Scholtes

Stellenangebote im Bereich Einkauf und Beschaffung

über ifp | Personalberatung Managementdiagnostik-Firmenlogo
über ifp | Personalberatung Managementdiagnostik Ressortleiter Produktion, Technik und Einkauf (m/w/d) deutschlandweit
Bürkert Fluid Control Systems-Firmenlogo
Bürkert Fluid Control Systems Technischer Einkäufer für den Bereich Elektronik (m/w/d) Ingelfingen
Plansee SE-Firmenlogo
Plansee SE Supplier Quality Engineer (m/w/d) Reutte (Österreich)
Euroglas GmbH-Firmenlogo
Euroglas GmbH Prozessingenieur Floatglasherstellung (m/w/d) Haldensleben
Panasonic Industrial Devices Europe GmbH-Firmenlogo
Panasonic Industrial Devices Europe GmbH Supplier Quality Engineer (m/w/d) für elektronische und Halbleiter-Komponenten (Automotive) Lüneburg
Richard Hönig Wirtschaftsberatungen-Firmenlogo
Richard Hönig Wirtschaftsberatungen Leitung Einkauf (m/w/d) Gruppe Metall Süddeutschland
Bundesamt für das Personalmanagement der Bundeswehr-Firmenlogo
Bundesamt für das Personalmanagement der Bundeswehr Ingenieur/in (m/w/d) in Leitungsfunktion – Bereich Beschaffung Köln
GESOBAU AG-Firmenlogo
GESOBAU AG Ingenieur / Architekt als Mitarbeiter (m/w/d) Einkauf / Vergabe Berlin
STAUFEN.AG-Firmenlogo
STAUFEN.AG Partner / Principal (m/w/d) Supply Chain Management verschiedene Einsatzorte

Alle Einkauf und Beschaffung Jobs

Top 5 Konjunktur

Zu unseren Newslettern anmelden

Das Wichtigste immer im Blick: Mit unseren beiden Newslettern verpassen Sie keine News mehr aus der schönen neuen Technikwelt und erhalten Karrieretipps rund um Jobsuche & Bewerbung. Sie begeistert ein Thema mehr als das andere? Dann wählen Sie einfach Ihren kostenfreien Favoriten.