Außenwirtschaft 30.03.2012, 11:58 Uhr

Europäisch-chinesischer Industriepark bei Thionville

An der deutsch-französischen Grenze entsteht ein gigantischer Industriepark

Das Projekt wurde in aller Heimlichkeit vorbereitet. Seit zehn Jahren hat der Generalrat des französischen Departement Moselle Grundstücke entlang der A31 zusammengekauft, die Luxemburg über Metz mit Nancy verbindet. Nach Trier ist es von hier aus eine Stunde, nach Saarbrücken ebenfalls. Die Mosel mit einem ausbaufähigen Hafen, TGV-Anschluss und Flughafen ist vorhanden.

Patrick Weiten, Präsident des Generalrates des Départements Moselle, ist sichtlich beeindruckt. „Das Projekt ist so groß, dass wir die Folgen gar nicht absehen können“, sagte er auf der Pressekonferenz anlässlich der Vorstellung der Megazone Illange/Bertrange.

Europäisch-chinesischer Industriepark: Baugenehmigung im Dezember 2011

Die Baugenehmigung wurde im Dezember 2011 gestellt und am 10. Februar dieses Jahres genehmigt – ein Rekord. Schon im Herbst soll mit den Arbeiten begonnen werden. Den Unternehmen sollen schüsselfertige Einheiten von rund 90 m2 mit Internetanschluss angeboten werden. Die Macher hoffen auf Hightech- und Internunternehmen, aber auch auf kleine und mittlere Betriebe.

In der ersten von fünf Phasen werden 230 000 m2 bebaut, die 2014 fertig sein sollen. Sie umfassen Empfangsräume, ein 20 000 m2 großes Ausstellungsgelände, in dem rund 40 Ausstellungen pro Jahr stattfinden sollen, sowie Büros und vor allem Fläche für Unternehmen.

Die Finanzierung in Höhe von 150 Mio. € läuft über einen Risikofonds namens Comex Holdings, der in Luxemburg aufgelegt wurde. In den Fonds haben vor allem Family Offices investiert, raunt man. Auch die in Luxemburg ansässigen chinesischen Banken sollen eine Rolle bei der Etablierung der Comex Holdings spielen, die das Kapital hält.

Europäisch-chinesischer Industriepark ohne öffentliche Subventionen

Öffentliche Subventionen gibt es nicht. Geführt wird das Projekt von der eigens dafür gegründeten Gesellschaft Terralorraine. Der Erfolg scheint sicher. Die chinesischen Partner machten auf der Pressekonferenz klar, dass ihre Partnerunternehmen bereits Interesse an rund 400 000 m2 gemeldet hätten. Damit ist die erste Phase bereits deutlich überzeichnet.

Dong Bin, Senior Consultant des „Center For The Study Of Group 20“, steht einer Art chinesischer Version des Davos-Gipfels vor. In bestem Englisch erklärt er, dass sein Forum eine halbe Million Mitglieder in Asien hat. „Das Projekt ist eine Plattform für chinesische Unternehmen, die hier auf den Markt kommen wollen“, stellt er fest. „Es wird von den chinesischen Behörden unterstützt.“

Sein Landsmann Pan Jiang von der China Association of Small and Medium Enterprises zählt 200 000 Mitgliedsunternehmen in seinem Verband. Darüber hinaus leite Jiang als Direktor das einflussreiche International Economic Corporation Department. „In China gibt es rund 10 Mio.  Unternehmen mit mehr als zehn Mitarbeitern – und manche wachsen sehr schnell. Sie machen 65 % des Exports aus“, sagt Jiang.

Die eurochinesische Plattform ordnet sich ein in einen globalen Kontext ein. Seit 2011 ist Europa mit der Krise sehr interessant für chinesische Investoren geworden. 2011 investierten sie 7,52 Mrd. €. Das sind 34 % der Auslandsinvestitionen. Damit lag Europa noch vor Asien (27 %) und Nordamerika (21 %). Das mag der Grund sein, warum vor wenigen Tagen ein ähnliches eurochinesisches Projekt wie die Megazone in Irland vorgestellt wurde.

Industriepark ordnet sich in den globalen Kontext ein

Das Département Moselle, das mit anderen Orten um die Ansiedlung der Megazone gerungen hat, punktete mit seiner industriellen Tradition, der Infrastruktur und der politischen Unterstützung. 2022 sollen auf dem Gelände rund 3 Mio. m2 bebaut sein. Die Zone soll 1,5 km lang und 750 m breit sein. Das Industrieareal entstand Mitte der neunziger Jahre zeitgleich mit der Industriezone Hambach, in der sich Smart ansiedelte.

Neben den Handelskammern will auch das französische Investitionsbüro für ausländische Investoren AFIL und die staatliche französische Exporthilfe Ubifrance hier präsent sein. Die Region will bei der Ausbildung helfen. Der Generalrat plant eine Europatournee zur Promotion. „Das hier wird enorme Auswirkungen haben auch auf den Tourismus und den Immobilienmarkt“, so Patrick Weiten.

Von Cordelia Chaton

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