Lichttechnik 16.05.2008, 19:35 Uhr

Eine Branche mit Licht und Schatten  

VDI nachrichten, Frankfurt (Main), 16. 5. 08, rok – Licht und Schatten kennzeichnen derzeit die Situation der deutschen Lichtindustrie. Zwar konnten im vergangenen Jahr Produktion und Umsatz gesteigert werden, doch bei einem wachsenden Auslandsgeschäft blieb die Nachfrage in Deutschland hinter den Erwartungen zurück. Energiesparinvestitionen seien bislang nur schleppend getätigt worden und die in Deutschland hergestellten Produkte hätten im eigenen Land nicht den entsprechenden Stellenwert.

Mehr als 17 Mrd. € erwirtschaftet die Lichtindustrie in Europa, davon über 4 Mrd. € in Deutschland, wie Manfred Diez, Vorsitzender des Fachverbands Elektroleuchten im ZVEI, anlässlich der Messe Light+Building in Frankfurt (Main) berichtete. Allein die deutschen Leuchtenhersteller hätten in 2007 ihr Produktionsvolumen um 5,9 % auf 2,6 Mrd. € steigern können. Wesentliche Wachstumsimpulse seien dabei aber aus dem Ausland gekommen. So hätten die Exporte um fast 18 % auf knapp 1,9 Mrd. € zugelegt (über drei Viertel davon in Länder der EU). Mit einem Anteil von nun über 70 % sei der Export zur „tragenden Säule der Lichtindustrie“ geworden.

Im Inland hingegen hätte das Wachstum nicht realisiert werden können, die Nachfrage sei um weniger als 1 % gestiegen. „Es ist festzustellen, dass die in Deutschland hergestellten Produkte im eigenen Land nicht den Stellenwert haben wie im Ausland“, kritisierte Diez. So sei der Anteil der Importe am gesamten Leuchtenmarkt in Deutschland von 47,5 % im Jahr 2001 auf mittlerweile 57 % im vergangenen Jahr gestiegen. Bei den Wohnraumleuchten würden gar schon drei von vier importiert.

Das leichte Wachstum von 2 % auf 549 Mio. € hätten die auf hochwertige Ware spezialisierten heimischen Hersteller vor allem im Export erzielt. „Durch die Strukturverschiebung ist der traditionelle Absatzweg der Branche über Fachhändler rückläufig“, erklärte Diez. „Viele Endkunden kaufen in Möbel- und Baumärkten. Diese importieren einen Großteil ihrer Waren selbst und verramschen Leuchten als ¿Beiwerk“.“

Die Anbieter technischer Leuchten hätten ihr Produktionsvolumen um 5,6 % auf 1,46 Mrd. € gesteigert. Dabei hätten sie vom weltweiten Wirtschaftswachstum profitiert und ihren Export sogar um 22 % auf über 1 Mrd. € ausgebaut. „Wenig Freude bereitet hier nach wie vor der wichtige deutsche Markt“, unterstrich Diez. Hier sei die Gesamtnachfrage im Wert sogar gesunken – erstaunlich angesichts eines deutlichen Wachstums im Wirtschaftsbau. Gründe dafür sah Diez in einem zunehmenden Preisdruck bei Standardprodukten und im Objektgeschäft.

Zum anderen hätten sich hochwertige, energieeffiziente Produkte oder gar Lichtsteuersysteme immer noch nicht durchsetzen können. Diez: „Das entsprechende Bewusstsein ist noch nicht vorhanden. Es wird nur auf die Investitionskosten geschaut und einfache, preiswerte Produkte werden gekauft. Die Betriebskosten bleiben unberücksichtigt.“ Lebenszykluskosten sei ein Stichwort. Auch ein Umdenken bei der Planung sei notwendig. „Das Budget für die Beleuchtung ist oftmals ungenügend oder gar nicht eingeplant. Das Geld ist dann oft schon ausgegeben, bevor die Beleuchtung geplant und bestellt wird. Dann wird nur mehr in eine wenig effiziente Billiglösung investiert.“

„Gütemerkmale der Beleuchtung, Wohlbefinden am Arbeitsplatz bei guter Beleuchtung und auch Sicherheitsaspekte durch gutes Sehen können damit nicht realisiert werden“, warnte Diez. Große Hoffnung setze die Branche in die energetische Sanierung des Gebäudebestandes und der Infrastruktur. Mit den bereits heute zur Verfügung stehenden Technologien könne Deutschland allein im Bereich Licht jährlich mehr als 21 Mrd. kWh Strom einsparen (die Hälfte des Strombedarfs des Landes Hessen).

Auch die öffentliche Hand sei gefordert. Um hier aufklärend zu helfen, hatte man auf der Light+Building die „Roadshow Kommunale Beleuchtung“ gestartet. „Wir wollen den kommunalen Entscheidungsträgern klar machen: Auch die monetären Einsparpotenziale sind enorm und summieren sich in jedem Jahr auf bis zu 400 Mio. € für die Straßenbeleuchtung und bis zu 475 Mio. € im Bürobereich“, informierte Diez.

Rund 80 % des Stroms für die Beleuchtung werde im öffentlichen und gewerblichen Bereich verbraucht, ergänzte Robert Pfarrwaller, Vorsitzender des Fachverbands Elektrische Lampen im ZVEI. Er forderte „mehr Bewusstsein im Umgang mit Licht“. Dabei gehe es nicht um das Ausschalten von Licht, sondern um das Umschalten auf energieeffiziente, hochwertige Lösungen. Doch betrage die Wechselrate zu energieeffizientem Licht bei der Straßenbeleuchtung derzeit gerade 3 % und bei der Bürobeleuchtung 6 %. „Das ist zu wenig.“

Ursachen für die geringen Wechselraten sah Pfarrwaller sowohl in mangelndem Bewusstsein für das Potenzial energiesparender Technologien als auch in einer Unsicherheit durch fehlendes technisches Verständnis sowie in Finanzierungsengpässen. Immer noch stehe es aber in drei von vier deutschen Büros mit der Beleuchtung nicht zum Besten. Es ließe sich jedoch z. B. durch Einsatz von T5-Leuchtstofflampen in Verbindung mit einer tageslichtabhängigen Lichtregelung bis zu zwei Dritteln Energie sparen. „Eine Investition hat sich in den meisten Fällen nach etwa drei Jahren amortisiert.“

Angesichts eines Wertwachstums von 5 % bis 6 % in 2007 blicke die Lampenbranche „erstmals seit langem wieder optimistischer“ in die Zukunft. Gemessen in Stückzahlen sei der Lampenmarkt jedoch um 6,6 % zurückgegangen, räumte Pfarrwaller ein. Energieeffizienz habe das Lichtgeschäft dominiert, auch wenn traditionelle Glühlampen immer noch die meistverkauften Lampen in Deutschland sind. Bei der Wohnraumbeleuchtung sei nur etwa jede neunte verkaufte Lampe eine Energiesparlampe. Dabei unterschieden sich die aktuellen Modelle kaum noch von den traditionellen Glühlampen – weder in Form, Lichtleistung oder Lichtfarbe. Auch Hochvolt-Halogenlampen seien „eine gute Alternative“. Trendsetter im professionellen Lampengeschäft seien T5-Leuchtstofflampen sowie Entladungslampen (wie Halogen-Metalldampflampen).

Als „Beleuchtungslösung der Zukunft“ bezeichnete Pfarrwaller die Leuchtdioden (LED). Sie benötigten rund 95 % weniger Energie als eine in der Lichtleistung vergleichbare Glühlampe, bei einer bis zu 50-fachen Lebensdauer. „Der klare Fokus der LED-Hersteller liegt heute auf der Steigerung der Lichtausbeute. Das Wettrennen in diesem Bereich hat inzwischen Formel-1-Charakter bekommen.“ Schon heute könnten sie sich in der Lichtleistung mit einer 50-W-Halogenlampe messen. R. DONNERBAUER

Von R. Donnerbauer

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